Neue Kinderschutz-App soll Missbrauch und Gewalt stoppen

Dresden - Traurig, aber wahr: Sogar innerhalb der eigenen Familie werden Kinder misshandelt und Gewalt ausgesetzt. Nur erkennen Ärzte längst nicht alle Fälle. Eine neue Kinderschutz-App soll das ändern.

Kindesmissbrauch besser erkennen: Der Präsident der sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck (51), zeigt die neue App fürs Smartphone, Tablet und Computer.
Kindesmissbrauch besser erkennen: Der Präsident der sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck (51), zeigt die neue App fürs Smartphone, Tablet und Computer.  © Erik Münch

Allein an der Dresdner Uniklinik gab es im letzten Jahr 268 "Kinderschutzfälle" (Verdacht auf Kindeswohlgefährdung), sachsenweit waren 604 Kinder betroffen.

Die Dunkelziffer ist weit höher. "Wir gehen davon aus, dass es die Fälle nicht nur in schwierigen Milieus gibt, sondern auch in besten Kreisen", so die Sachsenchefin der Techniker Krankenkasse (TK) Simone Hartmann (53).

Das Problem: "Ärzte erkennen nicht alle Fälle von Kindeswohlmissbrauch. Auch bestehen Unsicherheiten im Umgang", so Klinikdirektor Guido Fitze (54) von der Dresdner Uniklinik. Zwar gibt es einen dicken Leitfaden auf Papier, doch den kennen nicht mal drei von vier Ärzten.

"Hans & Gretel" soll das ändern. Die kostenfreie App wurde von Landesärztekammer, TK und weiteren Partnern für sächsische Ärzte entwickelt (Kosten: 50 000 Euro).

Das Programm löst den Papierleitfaden ab, hilft mit Symptom-Beschreibung und Bildmaterial Gewaltfälle zu erkennen, unterstützt Dokumentation und Kontakt zu Meldestellen.

Geplant sind App-Erweiterungen für Gewaltopfer im Erwachsenen- und Pflegebereich.