Für Saubermann-Image: Stasi vertuschte Kindesmissbrauch

Um das Saubermann-Image aufrecht zu halten, hat die Stasi Akten und Statistiken beim Kindesmissbrauch verfälscht. (Symbolbild.
Um das Saubermann-Image aufrecht zu halten, hat die Stasi Akten und Statistiken beim Kindesmissbrauch verfälscht. (Symbolbild.  © 123RF

Berlin - Erzieher sollen in DDR-Erziehungsheimen tausende Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Die Stasi wusste davon, doch Konsquenzen mussten die Täter keine fürchten. Vielmehr wurden solche Vorfälle von den Strafverfolgungsbehörden systematisch vertuscht.

Zu diesem Ergebnis kommt die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, über deren Studie der rbb berichtet. Über 100 Verfahrensakten wurden dabei detailliert ausgewertet. Tatsächlich spiegeln sie aber nur einen Bruchteil der Verbrechen dar.

Die Studie behandelt auch extreme Beispiele von Kindesmissbrauch. Oftmals sahen Missbrauchsopfer nur noch einen Ausweg: Suizid. In einer Jugendstranstalt in Wriezen wiederum sollen älter Kinder gezielt Druck auf die Schwächeren ausgeübt haben. Erzieher haben nicht dabei nicht eingefriffen, sondern es zu ihrem Vorteil genutzt und sie auch noch missbraucht.

"Ich denke, dass diese Vertuschungen mit diesem Saubermann-Image zusammenhängen, das sich die DDR selbst gegeben hat", erklärte der Politikwissenschaftler Christoph Sachse, der selbst an der Studie mitgearbeitet hat, rbb|24. Offiziell habe es nur wenige Verbrechen gegeben. Auch bei der Ehe sei alles in Ordnung gewesen, offiziell habe es weniger Scheidungen gegeben. So verhielt es sich dem Anschein nach auch bei der Sexualität - alles in Ordnung.

Offenbar ignorierte die Justiz in der ehemaligen DDR, dass Pädagogen im Staatsdienst Täter sein können. Um zu verhindern, dass es in bestimmten Berufsgruppen keine Täter vorkommen, gab es ein richtiges System. Wenn zum Beispiel etwa Angehörige von Staatssicherheit in Missbrauchsvorwürfen verstrickt waren, übernahm oft die Stasi die Ermittlungen.

Es gab aber auch noch einen anderen Weg die Statistiken aufzupolieren erklärt. Polizisten wurden beispielsweise vor der Anklage entlassen. "Wenn bei einem Gerichtsprozess gefragt wurde, welchen Beruf sie gelernt hatten, mussten sie dann sagen, Schlosser oder so etwas, aber eben nicht mehr Polizist", erklärt Sachse.


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