Kinder missbraucht und gefilmt: Zehn Jahre Haft für 46-Jährigen

Das Landgericht Gera verurteilte am Montag einen 46-Jährigen Kinderschänder.
Das Landgericht Gera verurteilte am Montag einen 46-Jährigen Kinderschänder.

Gera - Er hat mehrere Kinder nicht nur sexuell missbraucht, sondern die Übergriffe auch gefilmt und davon fast 1100 Clips auf Festplatten archiviert: Am Montag verurteilte das Landgericht Gera einen 46-Jährigen zu zehn Jahren Haft.

"Sie haben das Vertrauen der Kinder und ihrer Eltern in erheblichem Maße ausgenutzt", sagte Richter Berndt Neidhardt in der Urteilsbegründung. Die Opfer hätten bis heute mit psychischen Problemen zu kämpfen. Zudem attestierte Neidhardt dem Mann eine "enorme Rückfallgeschwindigkeit".

Denn kurz nachdem der Angeklagte wegen eines ähnlichen Vorfalls aus der Haft entlassen worden war, hat er 2001 schon wieder einen Jungen missbraucht. Insgesamt hatten die Ermittler rund 19.000 Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten bei ihm gefunden. Fast 1100 davon hatte er selbst angefertigt.

"Das ist eine Anzahl, die einen schier erschlägt", sagte Neidhardt.

Der 46-Jährige war damals in einem Geraer Sozialverein tätig. Dieser sei aber nicht Plattform gewesen, um Kontakte zu den Kindern aufzubauen, betonte Neidhardt. Die seien vielmehr über Freundschaften zu deren Familien angebahnt worden. Zu den Übergriffen kam es nach Überzeugung des Gerichts, als die Kinder - eines der Opfer war bei den Übergriffen gerade erst fünf Jahre alt - bei ihm übernachteten.

Das Gericht sah 21 Fälle des sexuellen Missbrauchs als erwiesen an - in 8 davon entschied es auf einen schweren Missbrauch. Außerdem wurde der Angeklagte wegen Herstellens und Besitzes von Kinderpornos verurteilt.

Der Mann hatte im Prozess die Vorwürfe nur zum Teil eingeräumt. Für die Plädoyers hatte das Gericht die Öffentlichkeit mit Rücksicht auf die Opfer ausgeschlossen, weil dabei Einzelheiten aus ihrem Intimleben zur Sprache kommen könnten; aus dem selben Grund war auch die Beweisaufnahme teils nicht-öffentlich geführt worden.

Den Angaben zufolge hatten zwei der Opfer vor Gericht als Zeugen ausgesagt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wie Neidhardt andeutete, droht dem Mann aber möglicherweise ein weiterer Prozess in einem ähnlichen Fall.