Hilfe, die Kirche zerstört mein Lebenswerk!

Hannelore Teichmann (71) zeigt das Urteil.
Hannelore Teichmann (71) zeigt das Urteil.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - In der Kirche wird viel von Barmherzigkeit gesprochen. Doch wenn es um eigene Immobilien geht, da sind Sachsens Gottesdiener knallhart. Das bekommt derzeit der Leipziger Botaniker Christian Teichmann (72) zu spüren, dem die evangelische Kirche nach über 50 Jahren den Pachtgarten kündigte.

Das einzigartige Stadtbiotop mit über 50.000 seltenen Pflanzen soll zwangsgeräumt werden.

Indianerfichte, Wasserlärche, Hamamelis, Stachelbeer-Kiwi, Alpenflora - auf seinen 1 000 Quadratmetern Pachtland hat Christian Teichmann einen Mikrokosmos der Weltbotanik erschaffen.

Selbst die Martin-Luther-Universität Halle forscht mit dem Samenschatz des Leipzigers.

Die Matthäuskirchgemeinde Leipzig und ihr Pfarrer Konrad Taut.
Die Matthäuskirchgemeinde Leipzig und ihr Pfarrer Konrad Taut.

Und der zeigt stolz Bilder von Schlangen und Echsen: „Die finden in meinem Biotop einen geschützten Lebensraum“, erzählt Teichmann. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Die Matthäuskirchgemeinde hat dem Botaniker das Pachtland gekündigt.

Vermutlich auf Druck von Nachbarn, die ihre mit Carport und Kurzrasen ausgestatteten Grundstücke von Teichmanns üppig wucherndem Großstadt-Urwald gefährdet sehen.

Als ein Nachbar den Teichmanns die Elektroleitung kappte und der Botaniker sich dagegen gerichtlich zur Wehr setzte, kündigte die Kirche den Rentnern kurzerhand das Land. Und zwar noch während des Prozesses - an dessen Ende Teichmann zwar recht erhielt, doch als gekündigter Pächter die Leitungsreparatur nicht mehr einfordern konnte.

Christian Teichmann inmitten seines Pflanzenreichs.
Christian Teichmann inmitten seines Pflanzenreichs.

Matthäus-Pfarrer Konrad Taut nennt „ungedeihliches Zusammenleben“ mit den Nachbarn als Kündigungsgrund.

Der einstige Bürgerrechtler will das Biotop jetzt zwangsräumen lassen. Weder ein Schreiben der Uni Halle, die auf den drohenden Verlust des Pflanzenmaterials verweist, noch Appelle von Teichmanns Anwalt Peer Hofmann (44), seinem Mandanten aus seelsorgerischer Sicht die Weiterführung seines Lebenswerkes zu ermöglichen, konnten Pfarrer Taut umstimmen.

„Wie die Kirche in diesem Fall christliche Werte ignoriert, macht mich sprachlos“, sagt der Jurist.

Letzte Hoffnung: Mit einem Bittbrief hat sich Teichmann an Landesbischof Rentzing gewandt. „Die Bewahrung dieses Biotops ist doch mein Lebensinhalt“, sagt er mit Tränen in den Augen.

Fotos: Bischoff, PR


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