OB wird gegen Abriss des Viadukts klagen

Schon am Freitag demonstrierten engagierte Chemnitzer mit Kerzen für den Erhalt des Viadukts.
Schon am Freitag demonstrierten engagierte Chemnitzer mit Kerzen für den Erhalt des Viadukts.

Chemnitz - Jetzt greift Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (54, SPD) zu den ganz schweren Geschützen: Sollte die Bahn weiterhin an den Plänen zum Abriss des Viadukts über der Chemnitz festhalten, will die Stadt-Chefin vor Gericht ziehen.

Seit zehn Jahren ist Chemnitz vom Fernverkehr der Bahn abgekoppelt. Licht am Ende des Tunnels sind jetzt Pläne, ab 2022 wieder an die Intercity-Verbindung Rostock-München angebunden zu werden.

Aber: Die Bahn besteht darauf, das Viadukt an der Beckerstraße abzureißen, durch einen Neubau zu ersetzen.

Nur so seien die auf dieser Strecke benötigten Geschwindigkeiten zu erreichen. Außerdem, so ein Bahngutachten, würde eine neue Brücke nur 150.000 Euro Wartungskosten erfordern.

Zur Kerzen-Demo für die Viadukt-Rettung kamen rund 150 Chemnitzer.
Zur Kerzen-Demo für die Viadukt-Rettung kamen rund 150 Chemnitzer.

Das Viadukt hingegen kostet derzeit 300.000 Euro jährlich. Einen Neubau berechnet die Bahn mit zwölf Millionen Euro, eine Sanierung des Viadukts hingegen mit 20 Millionen Euro.

Die OB traut den Zahlen nicht: „Wir vermuten, dass die Kosten für einen Neubau bewusst niedriger gerechnet, die für den Erhalt hochgerechnet wurden.“

Sie fährt klare Kampf-Linie: „Das Viadukt ist ein Denkmal mit herausragender Bedeutung. Es ist für mich unvorstellbar, dass dieses prägende Element des Chemnitzer Stadtbildes wirklich abgerissen werden soll. Im Fall eines Abrisses werden wir dagegen klagen.

„Man fühlt eine Ohnmacht, wenn man so abgewiesen wird“

OB Barbara Ludwig (54, SPD) legt sich jetzt offensiv mit der Bahn AG an.
OB Barbara Ludwig (54, SPD) legt sich jetzt offensiv mit der Bahn AG an.

Moderner Schnellzug ja, historische Eisenbahnbrücke nein: Nach Plänen der Deutschen Bahn sollen auf der Strecke Rostock-München ab 2022 Doppelstock-ICs auch durch Chemnitz fahren. Dafür soll das mehr als 100 Jahre alte Chemnitztal-Viadukt an der Beckerstraße abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dagegen laufen Chemnitzer jetzt Sturm. Mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (54, SPD) sprach Claudia Drescher.

Warum ist diese Eisenbahnbrücke für die Chemnitzer so wichtig?

OB Ludwig: „Die Stadt Chemnitz kann auf eine reiche Industriegeschichte zurückblicken. Es gibt einige Bauwerke, die das besonders dokumentieren, und diese Bahnbrücke gehört dazu. Es ist für mich unvorstellbar, dass dieses prägende Element des Chemnitzer Stadtbildes abgerissen werden soll.“

Die Deutsche Bahn verweist auf die Kosten.

„Laut Bahn soll der Erhalt des Viaduktes acht Millionen Euro mehr kosten als ein Neubau. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Bahn diese Brücke über 25 Jahre lang vernachlässigt hat. Daher ist das für mich kein Argument. Zu guter Letzt sollte man die Zahlen im Vergleich zu anderen Projekten wie Stuttgart 21 oder der Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg sehen. Der Erhalt dieses Denkmals hat rund 170 Millionen Euro gekostet - da war die Geschichte offensichtlich wirklich wichtig.“

Linke-Landtagsabgeordneter Karl-Friedrich Zais (64) mit Plakat, neben ihm die SPD-Frauen Hanka Kliese (35, M.) und Peggy Schellenberger (39).
Linke-Landtagsabgeordneter Karl-Friedrich Zais (64) mit Plakat, neben ihm die SPD-Frauen Hanka Kliese (35, M.) und Peggy Schellenberger (39).

Nun ist man in Chemnitz ohnehin nicht besonders gut auf die Bahn zu sprechen. Spielt das hier auch mit hinein?

„Natürlich spielt auch das eine Rolle. Chemnitz ist die einzige deutsche Großstadt dieser Größenordnung und mit diesem Umland, die derart vom Fernverkehr abgekoppelt ist. Man fühlt eine Ohnmacht, wenn man so abgewiesen wird. Darüber hinaus wurden drei Bürgerforen abgehalten, mit vielen sachlich guten Argumenten für den Erhalt.“

Seit 1901 rollen Züge über das Viadukt an der Beckerstraße.
Seit 1901 rollen Züge über das Viadukt an der Beckerstraße.

Fotos: Kristin Schmidt, Uwe Meinhold, Schellenberger, Klaus Jedlicka, Sammlung Laube


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