Teures Klavier zum Verkauf: Elfenbeintastatur im Visier der Justiz

Starnberg/München - Um die Klaviatur eines teuren Flügels geht es am Donnerstag (13.45 Uhr) vor dem Verwaltungsgericht München. Denn die Tasten sind aus Elfenbein.

Die Tasten des teuren Flügels sind aus Elfenbein - und ein Fall für ein Gericht.
Die Tasten des teuren Flügels sind aus Elfenbein - und ein Fall für ein Gericht.  © DPA

Der Besitzer wollte den Flügel abgeben und über einen Klavierbauer in die Schweiz verkaufen.

Aber ohne entsprechende Papiere verstößt der Handel gegen den Artenschutz - und die Papiere lagen nicht vor.

Allein die Suche nach einem Käufer wertet die Justiz bereits als Vermarktung - und damit als Verstoß.

Das Landratsamt Starnberg will deshalb nun die Klaviatur des Flügels einziehen. Dagegen klagt der Besitzer. Der gut 30.000 Euro teure Flügel sei ein Gesamtkunstwerk, sagt er.

Ein Ersatz mit einer Plastiktastatur wäre letztlich "ein wirtschaftlicher Totalverlust". Darüber hinaus gehe es nur um einen Verfahrensfehler. Man hätte zuerst die Papiere haben und dann erst einen Käufer suchen müssen.

Jahrzehntelang hatte der Flügel im Wohnzimmer der Familie im Raum Starnberg gestanden. Niemand machte sich Gedanken um die Tasten des Erbstücks, das der musikbegeisterte Vater 1984 angeschafft hatte. Das Problem entstand erst mit dem Versuch des Verkaufs.

Die Ausstellung der für den Verkauf nötigen Vermarktungsbescheinigung wurde beim Landratsamt beantragt, als schon ein möglicher Käufer gefunden war. Zudem konnte der Besitzer die Originalbelege über den Kauf nicht vorlegen. Sie waren bei einem Hochwasser im Keller zerstört worden.

Er legte Ersatzdokumente vor, die das Landratsamt allerdings bisher nicht akzeptierte.

UPDATE 15.30 Uhr: Der Streit um ein Klavier mit Elfenbeintastatur geht vor dem Münchner Verwaltungsgericht weiter.

Die Richter gaben dem Landratsamt am Donnerstag bis Ende Mai Zeit, sich mit dem Bundesamt für Artenschutz abzusprechen, wie stark die Beschläge aus Elfenbein geschützt seien.

Davon hänge ab, so das Gericht, ob die Behörde überhaupt die Tastaturbeschläge von dem Flügel entfernen dürfe.

Der Besitzer will den Flügel in die Schweiz verkaufen - hat aber ein großes Problem.
Der Besitzer will den Flügel in die Schweiz verkaufen - hat aber ein großes Problem.  © DPA

Titelfoto: DPA

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