Kleinstadt am Rhein macht Busfahrten kostenlos

Monheim – Kann diese Stadt zum bundesweiten Vorbild werden? Als eine der wenigen Kommunen Deutschlands hat Monheim am Rhein die Einführung eines Gratis-Nahverkehrs beschlossen.

Bürgermeister Daniel Zimmermann steht am Busbahnhof in Monheim.
Bürgermeister Daniel Zimmermann steht am Busbahnhof in Monheim.  © DPA

Der Stadtrat der 44.000-Einwohner-Kommune nahe Düsseldorf votierte am Mittwochabend einstimmig dafür, dass die in Monheim gemeldeten Bürger spätestens ab April 2020 nichts mehr zahlen müssen für Busfahrten.

Zugereiste müssen aber weiterhin Tickets lösen.

Für die Umsetzung der Entscheidung fehlt noch das grüne Licht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr, der neben Monheim auch Düsseldorf und den Ruhrpott umfasst. Dies könnte im Spätsommer passieren.

Monheims städtische Flotte umfasst 47 Busse, die Stadt hat 44.000 Einwohner - damit wäre es das größte Gratis-Konzept in Deutschland. Die in der Stadt gemeldeten Bürger sollen auch ins benachbarte Langenfeld umsonst fahren können.

Eine Bahn hat Monheim nicht, die Busse steuern aber S-Bahn-Haltestellen hinter der Stadtgrenze an - dort können zum Beispiel Pendler in die S-Bahn umsteigen und nach Düsseldorf oder Köln fahren. Für so eine Fahrt halbiert sich der Preis.

Für die wegbrechenden Ticketeinnahmen zahlt Monheim pro Jahr etwa drei Millionen Euro an das lokale Nahverkehrsunternehmen.

Ein Modell mit Vorbildcharakter?

Die Bürger Monheims dürfen sich wohl bald auf kostenlosen Busverkehr freuen.
Die Bürger Monheims dürfen sich wohl bald auf kostenlosen Busverkehr freuen.  © DPA

Beim gewünschten Umstieg auf den Bus spiele Psychologie eine große Rolle. "Das Auto hat man sich einmal gekauft und es steht dann in der Garage - es verursacht zunächst keine sichtbaren Kosten, die kommen erst später an der Tankstelle", sagt der 37-Jährige von der kommunalen Partei Peto.

Beim Bus hingegen müsse man pro Fahrt je nach Preisstufe etwa drei Euro zahlen - "für manche ist das eine Hemmschwelle". Die entfalle nun - das könnte einige Bürger zum Umstieg auf den Bus bewegen, sagt er.

Derzeit legten die Monheimer einer Umfrage zufolge nur 10 Prozent ihrer Wegstrecke mit dem Nahverkehr zurück.

Ob Monheim aber eine Vorbildfunktion hat für andere Kommunen, ist fraglich. Denn das kleine Städtchen am Rhein hat eine Sonderrolle: Es gilt als Steueroase, nirgendwo sonst im Bundesland zahlen Konzerne weniger Gewerbesteuern als hier. Inzwischen sprudeln die Steuereinnahmen im einst klammen Monheim.

Dass Gratis-Nahverkehr eine kommunale Ausnahme von der Regel bleiben wird, darauf weist eine Antwort des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) hin. "Im gesamten VRR würde ein kostenloser Nahverkehr einen Ausfall von jährlich rund 1,3 Milliarden Euro bedeuten", sagt ein Sprecher. "Diese Mittel fehlen dann bei Investition und Betrieb." Der Ticketpreis sei zwar "ein Kriterium für die Verkehrsmittelwahl", aber die Qualität sei wichtiger, also etwa Pünktlichkeit und häufige Fahrten.

Auch der "Verband Deutscher Verkehrsunternehmen" ist skeptisch. Eine Sprecherin gibt zu bedenken: "Viele Städte können sich die Finanzierung eines kostenlosen ÖPNV langfristig nicht leisten."

In Templin stiegen die Kosten zu sehr an

Ganz neu ist das aber nicht. 1998 führte die Brandenburger Stadt Templin dies bereits ein, die Fahrgastzahlen schnellten in die Höhe. Weil mehr Busse nötig waren, stiegen die Kosten. 2003 wurde das Gratis-Konzept daher beendet, immerhin blieben die Fahrten auch danach billig. In der bayerischen Gemeinde Viechtach fährt seit einiger Zeit ein Kleinbus, der nach Bedarf als Rufbus vor allem ältere Menschen gratis in den Ortskern oder ins Krankenhaus bringt.

Das wohl ambitionierteste Vorhaben gibt es seit Ende 2018 in dem 26.000-Einwohner-Städtchen Pfaffenhofen bei München, wo immerhin sechs Linienbusse kostenlos Passagiere befördern.

Titelfoto: DPA


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