Klima-Demo sorgt für Aufregung in Kiel: kein Verkehrschaos, dafür greift die Polizei durch

Kiel - Zunächst lief die Demonstration "Feinstaub und Klimawandel" (TAG24 berichtete) in Kiel friedlich ab. Dann kippte die Stimmung plötzlich. Was war passiert?

Die Demonstration mit rund 1500 Teilnehmern lief unter dem Motto "Verkehrswende statt Rush Hour".
Die Demonstration mit rund 1500 Teilnehmern lief unter dem Motto "Verkehrswende statt Rush Hour".  © DPA

Am Freitag wurde in der Kieler Innenstadt und auf der Hauptverkehrsader der Stadt, dem Theodor-Heuss-Ring, unter dem Motto "Straßenparty statt Rush-Hour" für mehr Klimaschutz, gegen die Umweltbelastung durch den Straßenverkehr und für eine Verkehrswende demonstriert.

Zu der Demonstration hatten die Aktivisten der "Turboklimakampfgruppe Kiel" (TKKG) aufgerufen.

Sie wollten ein Statement gegen zu wenig verkehrsberuhigte Zonen und den nur schleppend vorangehenden Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs setzen – und das ist ihnen größtenteils wohl auch gelungen.

Wie die Polizei berichtet, machten sich, wie angekündigt, kurz nach 14 Uhr um die 500 Kielerinnen und Kieler, "viele von Ihnen mit Rädern ausgestattet, friedlich und entspannt", auf den gemeinsamen Weg durch die Kieler Innenstadt.

Als der Demo-Zug zur Zwischenkundgebung am "Lübscher Baum" halt macht, war die Veranstaltung, den Polizeiangaben zufolge, bereits auf rund 1600 Menschen angewachsen.

Alles verlief wie angekündigt, bis eine anschließende Sitzblockade auf dem Theodor-Heuss-Ring aus dem Ruder läuft.

Polizei räumt friedliche Sitzblockade auf dem Theodor-Heuss-Ring

Polizisten räumen nach einer Protestaktion gegen Autoverkehr auf der vielbefahrenen B75, dem Theodor Heuss Ring, eine mehrstündige Sitzblockade.
Polizisten räumen nach einer Protestaktion gegen Autoverkehr auf der vielbefahrenen B75, dem Theodor Heuss Ring, eine mehrstündige Sitzblockade.  © DPA

In Höhe einer Luftmessstation auf dem Theodor-Heuss-Ring, die seit Monaten die Gemüter in Kiel erhitzt (TAG24 berichtete), versammelten sich 70 bis 80 Menschen zu einer Sitzblockade. Die Polizei reagierte zunächst wie geplant entspannt und deeskalierend.

"Aus der tolerierten halben Stunde wurde dann allerdings über eine Stunde, was dazu führte, dass die ursprüngliche Demo-Anmelderin den sitzenden Teil nicht mehr als zu sich gehörig erklärte und von der Demonstration ausschloss", teilte die Polizei am Samstag mit.

Während ein Gros der Demo die ursprünglich geplante Route nach dem Zwischenstopp fortsetzte und nahe der Hamburger Chaussee eine weitere Zwischenkundgebung abhielt, meldete einer der bei der Messstation verbliebenen Teilnehmer eine "Spontan-Demo" an.

"Diese wurde genehmigt - allerdings neben und nicht auf dem Theodor-Heuss-Ring", erklären die Kieler Beamten. Doch das scherte die Aktivisten wenig, sie wollten scheinbar die Chance nutzen und ein Zeichen gegen den Verkehr in der Stadt setzen.

Fazit: Keine größeren Ausschreitungen, keine eskalierte Polizeigewalt

Menschen laufen auf der B75, dem Theodor Heuss Ring in Kiel, der wegen einer Peotestaktion mehrere Stunden gesperrt war. Die Demonstration mit rund 1600 Teilnehmern lief unter dem Motto "Verkehrswende statt Rush Hour".
Menschen laufen auf der B75, dem Theodor Heuss Ring in Kiel, der wegen einer Peotestaktion mehrere Stunden gesperrt war. Die Demonstration mit rund 1600 Teilnehmern lief unter dem Motto "Verkehrswende statt Rush Hour".  © DPA

Die Führer der Sitzblockade verhandelten mehrmals zeitliche Verlängerungen und blieben weiter beharrlich auf der Fahrbahn sitzen.

Dann reichte es den Beamten: Sie entschieden die - nach Polizeiangaben 200 bis 300 Personen starke - Protestgruppe zu räumen.

Wie die Kieler Nachrichten berichteten, hätten sich einige Demonstranten widerstandslos abführen lassen, andere seien wehrhafter gewesen. Insgesamt wurden 62 Menschen polizeilich erfasst, es gab leichte Verletzte auf Seiten der Polizei wie der Demonstranten.

Außerdem hätten die auf der Straße verbliebenen Demonstranten mit Gesängen für Aufsehen gesorgt: Sie riefen dem, Bericht zufolge, "Eure Kinder werden so wie wir" in Richtung der Polizisten den Polizisten. Zeitgleich hielte einige wenige hundert Teilnehmer der ursprünglichen Demonstrationsgruppe ihre Abschlusskundgebung am Platz der Matrosen. Dann löste sich die Veranstaltung auf.

Während des Umzugs war der Theodor-Heuss-Ring in Fahrtrichtung Eckernförde zeitweise voll gesperrt. Es kam zu leichten Verkehrsbehinderungen, das befürchtete Chaos blieb aber aus.

Interaktive Karte: So verlief die Route der Demo

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