Dürren und Hitzewellen wegen Klimawandel: Müssen wir in Zukunft mehr Wasser sparen?

Deutschland - Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen und Dürren auch in Deutschland wahrscheinlicher. Die vergangenen Jahre haben nicht nur den Wäldern zugesetzt - vereinzelt mussten Bürger schon Wasser sparen. Die Umweltministerin will daraus Lehren für die Zukunft ziehen.

Die heißen Sommer der letzten Jahre haben besonders der Landwirtschaft großen Schaden gemacht. (Symbolbild)
Die heißen Sommer der letzten Jahre haben besonders der Landwirtschaft großen Schaden gemacht. (Symbolbild)  © Ponsulak Kunsub/123RF

Angesichts der zuletzt trockenen Sommer und der Wasserknappheit einzelner Gemeinden fordert Umweltministerin Svenja Schulze, die Verteilung von Wasser klarer festzulegen. 

Für die Nutzung brauche es dringend eine Hierarchie und neue Regeln, sagte die SPD-Politikerin der "Rheinischen Post". Die höchste Priorität habe die Versorgung der Menschen mit Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen, daran dürfe es keinen Zweifel geben. "Das ist ein Menschenrecht." 

Danach werde es spannend, sagte Schulze - und nannte als ein Beispiel die Frage, ob erst das Schwimmbad dichtmachen müsse oder die Bewohner einer Stadt ihre Gärten nicht mehr wässern dürften.

Schulze verwies darauf, dass solche Entscheidungen auch in Zukunft immer vor Ort getroffen würden. Sie lege aber im kommenden Jahr eine nationale Wasserstrategie vor, um den lokalen Behörden klarere Vorgaben und Orientierungen an die Hand zu geben, sagte sie.

Die vergangenen trockenen und heißen Sommer haben Bauern und Wäldern schwer zugesetzt. Teils sind die Grundwasserspiegel abgesunken, so dass Bäume sich nicht mehr versorgen können. Schlagzeilen machte der niedersächsische Ort Lauenau in diesem Sommer, wo Wasserspeicher leer gelaufen waren und Bürger zum Wassersparen aufgefordert wurden.

Deutschland ein "wasserreiches Land"

Umweltministerin Svenja Schulze fordert die Verteilung von Wasser klarer festzulegen.
Umweltministerin Svenja Schulze fordert die Verteilung von Wasser klarer festzulegen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Beim Umweltbundesamt heißt es zu den Wasserressourcen dennoch, Deutschland sei ein "wasserreiches Land". 2016 seien mit rund 24 Milliarden Kubikmetern aus den Grund- und Oberflächengewässern nur 12,8 Prozent des Wasser genutzt worden, das zur Verfügung stehe: "Wasserstress ist in Deutschland im Allgemeinen nicht zu befürchten."

Auch bei der Verteilung des Wasserverbrauchs stützt die Behörde sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes von 2016. Demnach hatte die Energiewirtschaft einen Anteil von knapp 55 Prozent, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe kamen zusammen auf rund 23 Prozent. Die öffentliche Wasserversorgung machte knapp 21 Prozent des Verbrauchs aus, sogenannte Beregnung in der Landwirtschaft nur 1,3 Prozent. 

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands nutzen Landwirte zur Bewässerung ihrer Flächen zu 99 Prozent Regenwasser.

Die Wasserversorger warnen dennoch immer wieder vor Konflikten vor allem mit Landwirten. "Von Seiten der Politik muss der öffentlichen Trinkwasserversorgung klare Priorität gegenüber anderen Nutzungen des Wassers eingeräumt werden, zum Beispiel gegenüber der Landwirtschaft", sagte der Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Wirtschaftsverbands BDEW, Martin Weyand, der dpa.

Von Ländern wie Israel könne man lernen, wie in trockeneren Gebieten Landwirtschaft betrieben werden könne, etwa mit der Tröpfchenbewässerung.

Bewässerungs-Infrastruktur für besonders von der Trockenheit betroffene Gebiete

Sollten die Deutschen in Zukunft beispielsweise auf Rasensprenger verzichten?
Sollten die Deutschen in Zukunft beispielsweise auf Rasensprenger verzichten?  © Tatsiana Tsyhanova/123RF

Die kommunalen Wasserversorger sehen das ähnlich. "Wenn das Wasserdargebot nicht für alle gewünschten Nutzungen reicht und damit eine Abwägung notwendig wird, muss die öffentliche Wasserversorgung Vorrang haben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, Ingbert Liebing. 

"Sie ist mehr als die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung: Vom Arzt bis zum Zoo sind alle auf die Wasserversorgung angewiesen." 

Zum Managen der Wasserressourcen müssten Behörden, Landwirte, Wirtschaft und Wasserversorger an einen Tisch gebracht werden.

Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, forderte einen hohen Stellenwert auch für die Landwirtschaft. "Der Wassernutzung zur Lebensmittelerzeugung muss bei regionaler Knappheit ganz klar Priorität gegenüber Autowaschen und Freizeitvergnügen eingeräumt werden", sagte er. 

Um auf den Klimawandel reagieren zu können, müsse eine Bewässerungs-Infrastruktur für besonders von der Trockenheit betroffene Gebiete aufgebaut werden. 

Zudem müssten verstärkt Sorten gezüchtet werden, die mit wenig Wasser auskämen.

Titelfoto: Ponsulak Kunsub/123RF

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