Klima Alarm: 1,5-Grad-Schwelle könnte bis 2026 erstmals überschritten werden

Genf - Die Vorwarnung einer globalen Katastrophe: Die WMO warnt, dass die globale Durchschnittstemperatur eines Jahres bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen könnte.

Durch die Klimakatastrophe hat die Anzahl der Waldbrände, unter anderem auch in Kalifornien zugenommen.
Durch die Klimakatastrophe hat die Anzahl der Waldbrände, unter anderem auch in Kalifornien zugenommen.  © Noah Berger/AP/dpa

So liege die Wahrscheinlichkeit, dass im Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens ein Jahr eine Temperatur von über 1,5 Grad erreiche, bei fast 50 Prozent, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf.

Das heißt aber nicht, dass die 1,5-Grad-Marke in diesem Fall dauerhaft überschritten wird, in den Folgejahren könne der Wert auch wieder niedriger liegen, so die WMO. Im Schnitt rechnen Experten für die kommenden Jahre aber mit weiter steigenden Temperaturen.

"Diese Untersuchung zeigt mit wissenschaftlicher Kompetenz auf hohem Niveau, dass das zeitweilige Erreichen des niedrigeren Ziels des Pariser Klimaabkommens messbar näher rückt", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas laut einer Mitteilung.

2015 galt es noch als praktisch ausgeschlossen, dass die Marke von 1,5 Grad innerhalb von fünf Jahren erreicht wird.

In dem Jahr einigte sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen, die dauerhafte Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

"Rekordbruch" der globalen Durchschnittstemperatur wird mit 93-prozentiger Sicherheit erreicht

Vermehrte, lebensgefährliche Überflutungen sind auch eine Folge der Erderwärmung.
Vermehrte, lebensgefährliche Überflutungen sind auch eine Folge der Erderwärmung.  © Stefan Jaitner/dpa

Die Meldung aus Genf kommt zur Halbzeit zwischen der vergangenen Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow und der nächsten Konferenz COP27 in Ägypten.

Im November werden dazu im Badeort Scharm el Scheich rund 30.000 Teilnehmer erwartet, darunter 120 Staats- und Regierungschefs. Beobachter ziehen zur COP-Halbzeit eine ernüchternde Bilanz beim Klimaschutz, auch wegen des Kriegs in der Ukraine.

Weltweit gesehen war das heißeste Jahr bislang 2016, als die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900) lag.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Rekord bis 2026 gebrochen wird, liege bei 93 Prozent, so die WMO. Genauso wahrscheinlich sei es, dass die durchschnittliche Temperatur über den Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 höher liege als in den fünf Jahren davor.

Die Berechnungen hat die britische Meteorologiebehörde für die WMO vorgenommen.

Klimazonen werden sich unterschiedlich verändern

In ariden Klimazonen kam es wegen der voranschreitenden Klimakatastrophe die letzten Jahre vermehrt zu Dürreperioden.
In ariden Klimazonen kam es wegen der voranschreitenden Klimakatastrophe die letzten Jahre vermehrt zu Dürreperioden.  © Mstyslav Chernov/AP/dpa

Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur nach dem vorläufigen Klimabericht der WMO 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Den endgültigen Wert veröffentlicht die WMO am 18. Mai. Die britischen Meteorologen gehen davon aus, dass die Durchschnittstemperatur in diesem und den kommenden vier Jahren zwischen 1,1 und 1,7 Grad über vorindustriellem Niveau liegen wird.

Für dieses Jahr rechnen die Meteorologen damit, dass es in Südwesteuropa und im Südwesten Nordamerikas trockener ist als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020.

In Nordeuropa, der Sahel-Zone, Nordostbrasilien und Australien dürfte es dagegen feuchter werden.

Titelfoto: Noah Berger/AP/dpa

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