Meeresspiegel steigt bedrohlich! Ist die Küste bald verschwunden?

Von Björn Strauss

Mainz - Am Meer abhängen, im Sand die Sonne genießen, ein Häuschen im Alter in Küstennähe? Träumst du davon? Da gibt es schlechte Neuigkeiten: Mit dem stetig steigenden Meeresspiegel werden Dörfer und Städte in Küstenregionen bald unter Wasser stehen. Manche Orte sind davon schneller betroffen als andere. 

Ostfriesland: Deichabschnitte wurden diesem Jahr erhöht. In einem jahrelangen Bauvorhaben werden im Gebiet der Deichacht Krummhörn die Küstenschutzbauwerke verstärkt.
Ostfriesland: Deichabschnitte wurden diesem Jahr erhöht. In einem jahrelangen Bauvorhaben werden im Gebiet der Deichacht Krummhörn die Küstenschutzbauwerke verstärkt.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Und dieses Thema geht die jüngste "planet e"-Doku im ZDF an! 

Klimaforscher warnen seit Langem vor den Folgen des Meeresspiegelanstiegs, der durch den Klimawandel voranschreitet.

Aber: "Was passiert, wenn das Worst-Case-Szenario eintritt?" Dem geht die Doku "Klimarisiko Meer – Wenn die Flut kommt" nach.

Wie schnell wird es gehen, was sich verändern? Antworten darauf geben den Klimaforschern zufolge die Entwicklungen in Grönland und der Antarktis

Denn das Tauwasser des schmelzenden Eises beschleunige den Anstieg des Meeresspiegels enorm. 

Klimaforscher beginnen, diese komplexe Dynamik in ihre neuen Prognosen einzubeziehen.

Schleswig-Holstein: An der Mole des Fähranlegers am Hafen von Dagebüll bei der Sturmflut.
Schleswig-Holstein: An der Mole des Fähranlegers am Hafen von Dagebüll bei der Sturmflut.  © Bodo Marks/dpa

40 Millionen Menschen sind direkt betroffen

Seit Jahren forschen Wissenschaftler - auch diese 12 DDR-Experten arbeiteten in der bis Antarktis.
Seit Jahren forschen Wissenschaftler - auch diese 12 DDR-Experten arbeiteten in der bis Antarktis.  © MDR

Zu Wort kommt unter anderem der Ozeanograf Sönke Dangendorf (Institut für Wasser und Umwelt der Universität Siegen), wie unterschiedlich sich der kommende Meeresspiegelanstieg auf einzelne Regionen auswirken kann. Er simuliert, wie Wind und Strömungen die Wassermassen ganz unterschiedlich gegen die Küsten drücken und so die regionalen Pegelstände variieren.

Mehr als 40 Millionen Menschen leben in Gebieten, die Überflutungen erleben. "Die Zahl derjenigen, die in Küstengebieten Überschwemmungen ausgesetzt sind, dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Zum Jahrhundertwechsel 2100 könnten Teile der Küsten anders aussehen oder ganz verschwinden", so der Sender. 

Küstenstaaten beginnen, sich auf den Anstieg vorhergesagten hohen Meeresspiegel vorzubereiten. Auch sich verstärkende Hurrikane treiben Wasser in die Küstenregionen.

Doch bis zu welcher Fluthöhe helfen Schutzwälle, etwa wie der vor Venedig? Ab wann müssen Küsten und Inselstaaten Gebiete ganz an das Meer abgeben? 

Dämme und Schutzmaßnahmen helfen nur bedingt

Hochwasser in Pensacola. Eine Straße ist überflutet, nachdem Hurrikan "Sally" die Küste getroffen hat.
Hochwasser in Pensacola. Eine Straße ist überflutet, nachdem Hurrikan "Sally" die Küste getroffen hat.  © Gerald Herbert/AP/dpa

Eine weitere Studie (Estimating global mean sea-level rise and its uncertainties by 2100 and 2300 from an expert survey (2020) offenbart ebenso ein schlimmes Szenario: Demnach sollen bis 2300 mehrere Hundert Millionen Menschen ihr Zuhause durch Wassermassen verlieren. 

Aber es ist nicht nur die globale Erderwärmung und das Schmelzen der Polkappen, die den Meeresspiegel beeinflussen. Der Klimawandel sei nur ein Teil eines viel umfassenderen Problems. 

Der Meeresspiegel steigt nicht nur, das Land sinkt zusätzlich ins Meer, so Amar Rahman (Global Risk Engineering Practice Leader für Natural Hazards Resilience der Zurich Insurance Group). 

"Küstengebiete, insbesondere in solchen mit hohem Entwicklungsstand, sinken tatsächlich", das liege hauptsächlich an der Urbanisierung. "Sie bauen die Infrastruktur für die Stadt auf, extrahieren das Grundwasser und stören damit die natürlichen Prozesse, die seit Jahrtausenden ablaufen. Das alles trägt zu dem Problem bei.”

Bangkok sei besonders gefährdet, aber auch Großstädte von Lagos in Nigeria bis Dhaka in Bangladesh. Die indonesische Hauptstadt Jakarta (30 Millionen Einwohner) sinke "mit einer solchen Geschwindigkeit ins Meer, dass die Behörden ihre Regierungsbüros verlagern werden". Die Küstenerosion in New South Wales bedrohe Grundstücke am Strand – "das Errichten von Dämmen", habe laut Rahman "nur eine begrenzte Wirkung". Und das sind nur einige der betroffenen Regionen.

Land unter in Südkorea: Große Wellen brechen an der Küste auf Grund des Taifuns.
Land unter in Südkorea: Große Wellen brechen an der Küste auf Grund des Taifuns.  © XinHua/dpa

TIPP: Am Sonntag, 11. Oktober 2020, 16.30 Uhr im ZDF läuft die Doku. Der Film von Martin Koddenberg, Max Mönch und Alexander Lahl steht bereits ab Freitag (10 Uhr), in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Titelfoto: privat

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