Verbrenner: adé! Solarkraft: hallo! So will Berlin das Klima retten

Berlin – Alternative Antriebe und Solarenergie - die Berliner Bezirke strengen sich beim Klimaschutz mehr an. Und etliche Mitarbeiter sollen in die Pedale treten.

E-Autos für das Ordnungsamt, Dienstfahrräder für die Mitarbeiter und Photovoltaik auf den Dächern: Die Berliner Bezirke wollen sich beim Klimaschutz mehr anstrengen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben hat. Mancher Bezirk würde gerne mehr tun, fühlt sich aber von fehlenden Angeboten aus der Wirtschaft gebremst.

Solaranlagen sollen bald auf vielen Dächern Berlins stehen.
Solaranlagen sollen bald auf vielen Dächern Berlins stehen.  © dpa/Arno Burgi

Fahrzeuge

Ein Schwerpunkt vieler Bezirke ist der eigene Fuhrpark. Statt mit klassischen Verbrennern sollen immer mehr Mitarbeiter mit Hybrid- oder E-Fahrzeugen unterwegs sein, die weniger oder gar keine Abgase in die Luft pusten. Dafür sei man auch bereit, Geld in die Hand zu nehmen, heißt es etwa aus dem Bezirk Mitte. Dort prüfe man bei allen Neuanschaffungen des Straßen- und Grünflächenamtes, ob Fahrzeuge und Geräte mit alternativen Antrieben zur Verfügung stünden. "Wenn diese verfügbar sind, werden Anschaffungen, auch wenn sie erheblich teurer sind, auf E-Antrieb oder andere alternative Antriebe erfolgen."

Auch in weitläufigeren Bezirken wie Spandau und Steglitz-Zehlendorf sind Elektrofahrzeuge unterwegs. Marzahn-Hellersdorf will die Umrüstung seiner Flotte in diesem Jahr zumindest prüfen. Als Problem bei der Umstellung sehen einige Ämter allerdings, dass noch nicht genügend große Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf dem Markt seien. Es gebe zum Beispiel "noch keine funktionierenden Lösungen" im Bereich des Grünflächenamtes, das schwere Geräte, Erdmassen und Bäume transportieren müsse, sagte Christian Berg, Pressesprecher des Bezirksbürgermeisters von Neukölln. Der Bezirk Mitte weist auf ein weiteres Problem hin: Es hapere an Infrastruktur wie Ladestationen für E-Fahrzeuge.

Dienstwagen der Bürgermeister

Seit Mitte Januar dürfen die Berliner Senatoren einen Tesla als Dienstwagen wählen, auch andere E-Fahrzeuge stehen zur Auswahl. Auf Bezirksebene ist Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) laut einer Übersicht der Verkehrsverwaltung vom Dezember als einziger mit einem rein elektrischen Fahrzeug unterwegs. Einige seiner Kollegen fahren demnach Hybrid-Autos. Die Bürgermeister von Spandau, Treptow-Köpenick und Charlottenburg-Wilmersdorf wollen auf entsprechende Pkw umstellen.

Der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst (Linke), der den Angaben zufolge mit seinem Audi A6 und einem CO2-Ausstoß von 150 Gramm pro Kilometer das umweltschädlichste Auto aller Bezirksbürgermeister fährt, plant nach Angaben seiner Verwaltung "im Laufe des ersten Halbjahres" eine Umstellung auf Hybrid. Die Grünen Monika Herrmann (Friedrichshain-Kreuzberg) und Stephan von Dassel (Mitte) verzichten komplett auf einen Dienstwagen und fahren mit dem Rad.

Fahrräder

Auch die Mitarbeiter einiger Bezirke sind mit Dienstfahrrädern unterwegs. Friedrichshain-Kreuzberg sieht hier sogar einen Schwerpunkt beim Umbau seines Fuhrparks und hat ebenso wie die Bezirke Mitte und Treptow-Köpenick E-Räder im Einsatz. Mitarbeiter könnten außerdem auf das Angebot eines Sharing-Radanbieters zurückgreifen. Das ist auch in Lichtenberg der Fall, wo nach Angaben des Bezirksamtes Verleihstationen an allen Dienstgebäuden installiert wurden.

Mitarbeiter einiger Bezirke könnten auf Fahrrad-Sharinganbieter zurückgreifen.
Mitarbeiter einiger Bezirke könnten auf Fahrrad-Sharinganbieter zurückgreifen.  © 123RF/cbies

Klimanotstand

Den Klimanotstand ausrufen oder nicht? Diese Frage beschäftigte in den vergangenen Wochen nicht nur das Abgeordnetenhaus, sondern auch einige Bezirksverordnetenversammlungen (BVV). In Pankow, Charlottenburg- Wilmersdorf und Mitte hat sich die Mehrheit der Abgeordneten dafür entschieden. Ein solcher Beschluss habe aber keine sofort spürbaren Auswirkungen auf die Bevölkerung, heißt es aus dem Bezirk Pankow, der als erster den Klimanotstand ausrief. Es solle aber eine Leitstelle Klimaschutz und ein Klimaschutzkonzept geben. "Außerdem werden Beschlüsse der BVV und des Bezirksamtes künftig auf ihre Auswirkungen auf das Klima hin bewertet, um gegebenenfalls nachjustieren zu können."

Photovoltaik

Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg wollen mehr Gebäude mit Solaranlagen ausstatten. Lichtenberg will nach eigenen Angaben sogar "Solar-City" werden: "In Lichtenberg wünsche ich mir, dass keine Dachfläche frei bleibt", sagt Bezirksbürgermeister Grunst. Bei allen Gebäuden sei geprüft worden, ob sie für Photovoltaik-Anlagen geeignet seien. Nach derzeitigem Stand sind solche Anlagen auf 21 Bezirksgebäuden installiert, für drei weitere gibt es demnach Gespräche.

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