Wegen Klimawandel und Konkurrenz: Sachsens Skigebiete rüsten auf

Dresden - Der nächste Winter kommt. Ginge es nach den meisten hiesigen Wintersport-Gebieten, dann könnte es schon übermorgen fette Flocken schneien und Väterchen Frost das Regiment übernehmen. In den vergangenen Monaten haben Liftbetreiber und Tourismusbetriebe viel Geld in die Hand genommen, um ihre Pisten fit für die neue Saison zu machen.

Piste, Party, Pulverschnee: Echte Skifans hoffen auf einen langen, weißen Winter.
Piste, Party, Pulverschnee: Echte Skifans hoffen auf einen langen, weißen Winter.  © 123RF/Symbolbild

Altenberg nutzte den Sommer, um sein 70 Kilometer langes Loipennetz aufzupeppen. Wege wurden teils verbreitert und "glattgebügelt". Bürgermeister Thomas Kirsten freut sich: "Die Zusammenarbeit mit dem Forst klappte ausgezeichnet. Zudem konnte der Parkplatz am Lift um 80 Stellplätze erweitert werden."

Die Altenberger Pisten wurden ebenfalls "geliftet". So kann jetzt die Abfahrt "Altes Raupennest" (550 Meter lang) neben der Hauptabfahrt beschneit werden. Die neue Flüster-Schneekanone oberhalb vom Zauberteppich (2017 angeschafft) erhielt einen drei Meter hohen Sockel. Kirsten: "Ich bin happy. Nun wünsche ich mir einen halben Meter Schnee zu Weihnachten."

Auch in Schöneck ist vor Saisonstart investiert worden. Die Touri-Information zog ins Wintersportgebiet um. Neue Schneekanonen und ein hochmoderner Pistenbully sollen künftig für mehr Winterspaß sorgen. Im Skigebiet Mühlleithen/Klingenthal plant man eine beschneite und beleuchtete Loipe (Länge 2,5 Kilometer, Kosten zwei Millionen Euro). Der Wintersportverein VSC Klingenthal hat dafür Fördermittel beantragt.

Der Erlbacher Wintersportverein spricht besonders Familien mit einer neu angelegten Familienabfahrt (Länge 500 Meter) am Kegelberg an. Dank dieser Abfahrt können Kids und Anfänger eine steile Hangpassage umfahren. Das Skigebiet bei Markneukirchen besitzt nun insgesamt 1.300 Meter beleuchtete Piste.

René Lötzsch hat am Fichtelberg noch einiges vor, kann aber nicht so, wie er gern möchte.
René Lötzsch hat am Fichtelberg noch einiges vor, kann aber nicht so, wie er gern möchte.  © Klaus Jedlicka

Für das Skigebiet in Oberwiesenthal kann René Lötzsch (46) als Chef der Fichtelberg Schwebebahn vor der Wintersaison 2018/2019 keine Neuerungen präsentieren.

Sowohl für das 2013 beantragte Bauprojekt Himmelsleiter (6-Sessel-Lift plus Beschneiung für eine zweite Piste) als auch für den geplanten Ersatz-Neubau eines Sesselliftes für acht Personen am Haupthang (beantragt 2017) liegen bislang keine Genehmigungen vor. Investitionsvolumen: je neun Millionen Euro.

Lötzsch: "Wir mussten neue Umwelt-Gutachten vorlegen und Details umplanen. Das dauerte." Nun hofft er, dass er bis im März 2019 alle Genehmigungen bekommt und im Frühjahr 2020 mit Bauen beginnen kann.

Der Geschäftsführer: "Beide Projekte packen wir dann aber nicht gleichzeitig an. Das können wir finanziell nicht stemmen."

Tschechen geben richtig Gas

Diese Kanonen schießen auf Pisten, nicht auf Spatzen. In trockenen Wintern sind sie Gold wert.
Diese Kanonen schießen auf Pisten, nicht auf Spatzen. In trockenen Wintern sind sie Gold wert.  © imago/Eibner Europa

Das tschechische Keilberg-Skigebiet hat in diesem Jahr das benachbarte Neklid aufgekauft. Über zwei neue Skipisten werden beide Areale direkt verbunden, besitzen nun Pisten mit einer Gesamtlänge von etwa 31 Kilometer. Zum Vergleich: Am Fichtelberg stehen 15,5 Kilometer zum Wedeln bereit.

Von Bozi Dar aus kann man bei guten Bedingungen direkt ins komplette Skigebiet einsteigen. Bis zu Saisonbeginn wird das neue Verbundgebiet ertüchtigt: Bei der unteren Verbindung zwischen Neklid-Sessellift und Talstation Prima-Sessellift werden Leitungen für Beschneiungsanlagen verlegt.

Die obere Verbindung (ab dem Keilberg) wird wohl ohne künstliche Beschneiung auskommen müssen - die Erdarbeiten laufen noch. Wie attraktiv diese Piste als "Brücke" ist, muss sich zeigen.

Die Piste besitzt wenig Gefälle und könnte dadurch für Skifahrer und besonders Snowboardfahrer je nach Schnee- und Windbedingungen sehr "anstrengend" werden.

Highlights zum Vormerken

Auf und nieder, immer wieder: In Oberwiesenthal müssen die bestehenden Lifte den Besucher-Ansturm bewältigen. Neue sind noch in Planung.
Auf und nieder, immer wieder: In Oberwiesenthal müssen die bestehenden Lifte den Besucher-Ansturm bewältigen. Neue sind noch in Planung.  © dpa/Jan Woitas

Diese Wintersport-Events im Jahr 2019 werfen ihre Schatten voraus:

• In Dresden werden am Königsufer die besten Skilangläufer der Welt am 12./13. Januar um Weltcup-Punkte sprinten.

• Vom 4. bis 6. Januar wird in der Vogtland Arena der Continentalcup der Nordisch Kombinierten und der Skispringer ausgetragen. Am 2./3. Februar steht in Klingenthal ein Weltcup Nordische Kombination auf dem Plan. Der Internationale Kammlauf (Euroloppet) ist auf den 10. März terminiert.

• Auf der Bobbahn Altenberg trifft sich die Bob- und Skeleton-Elite vom 4. bis 6. Januar zum Weltcup. Die Veranstaltung gilt als Generalprobe für die Heim-WM 2020 (17.2.-1.3.2020).

• Altenberg ist am 9./10. Februar auch Austragungsort für den "Miriquidi" - einen 24-Stunden-Skilanglauf für Jung und Alt.

In Holzhaus wird noch verhandelt

© Uwe Meinhold

Die Zukunft des Skigebietes Holzhau ist in der Schwebe. "Wir starten in die Saison mit Zauberteppich und Skischule, Skiverleih und Airboard-Seminaren. Willy's Scheune direkt am Auslauf der Abfahrtspisten wird Imbiss und Gastronomie anbieten", sagt der lokale Liftbetreiber Alexander Richter.

Er scherzt: "Von mir aus kann es morgen losgehen mit dem Winter!" Die Zitterpartie um den Betrieb des Lifts oberhalb des Skihofes geht aber weiter. Die Verhandlungen um entsprechende Land-Nutzungsverträge konnten im Jahresverlauf nicht abgeschlossen werden.

Richter ist dennoch zuversichtlich: "Wir sind im Gespräch."

Hinterm Horizont geht's weiter! In Altenberg wurde das Loipennetz in den warmen Monaten ausgebessert.
Hinterm Horizont geht's weiter! In Altenberg wurde das Loipennetz in den warmen Monaten ausgebessert.  © Egbert Kamprath

Titelfoto: 123RF/Symbolbild

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