Kneipensterben! Warum werfen so viele das Handtuch?

So großzügig und farbenfroh präsentierte sich das „Johannis“ - den Chemnitzern war es egal.
So großzügig und farbenfroh präsentierte sich das „Johannis“ - den Chemnitzern war es egal.

Von Ronny Licht

Chemnitz - Was ist nur los in der Chemnitzer Innenstadt? Jetzt haben wieder zwei Gastronomen die Segel gestrichen - im „Türmer“-Haus schloss der Grieche „Iraklio“, das „Johannis“ machte nach ganzen elf Monaten die Schotten wieder dicht.

Für die City war es eigentlich ideal: Da hier noch kein griechisches Restaurant angesiedelt war, deckte das „Iraklio“ seit Sommer 2013 diese Marktlücke ab. Preiswerte Mittagsangebote, Büfetts am Abend - doch irgendwann blieben die Gäste weg. Das Lokal ist bereits komplett geräumt, Betreiber Alexandros T. war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nur 300 Meter weiter geht auch im „Johannis“ nichts mehr - der Betreiber schaffte es nicht mal ein Jahr.

Jetzt gibt’s in der City keine griechischen Spezialitäten mehr - das Restaurant „Iraklio“ ist dicht. Claus Kellnberger (73, re.)
Jetzt gibt’s in der City keine griechischen Spezialitäten mehr - das Restaurant „Iraklio“ ist dicht. Claus Kellnberger (73, re.)

Vermieter Claus Kellnberger (73) hält dem Standort trotzdem die Treue: „Es liegt nicht immer am Platz, manchmal auch am Konzept.“ Kellnberger bleibt optimistisch: „Wir verhandeln bereits mit zwei neuen Interessenten. Dort zieht wieder Leben ein.“

Einer, der das Geschäft seit vielen Jahren kennt, ist André Donath (50). Auch er erlitt im letzten Jahr mit dem „Café Moskau“ und dem „Central“ (ehemals „DON“) Schiffbruch (MOPO berichtete), musste beide Läden schließen. Jetzt konzentriert er sich auf sein „Turmbrauhaus“ und den „Brauclub“: „Meine Erfahrung nach zwölf Jahren ist: Das Konzept muss sehr klar definiert sein. Wir haben einfach nicht die große Auswahl an Laufkundschaft und Besuchern wie andere Städte.“

„FlowPo“-Chef Danny Szillat (35) betreibt sein Musiklokal seit fast fünf Jahren, ging aber auch schon mal mit dem Disco-Versuch „Stairways“ baden: „Unsere Stadtplanung ist seit den 90ern eine Fehlplanung. Als Gastronom braucht man hier vor allem Erfahrung und ein durchdachtes Konzept.“

Fotos: Maik Börner, Uwe Meinhold


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