Fahrradfahrer angefahren und zum Sterben liegen gelassen

Koblenz/Weitersburg - Wegen versuchten Mordes muss sich am Dienstag (11 Uhr) ein Autofahrer vor dem Landgericht Koblenz verantworten.

Der 46-Jährige soll das Auto seines Sohnes gefahren sein (Symbolfoto).
Der 46-Jährige soll das Auto seines Sohnes gefahren sein (Symbolfoto).  © DPA

Laut Anklage soll der Mann am 11. Januar 2019 in Weitersburg nahe Koblenz eine Kurve geschnitten und einen entgegenkommenden Fahrradfahrer erfasst haben.

Der 68 Jahre alte Radfahrer wurde so schwer verletzt, dass er etwa eine Stunde nach dem Unfall an Ort und Stelle starb.

Der zur Tatzeit 46 Jahre alte Autofahrer soll sich - ohne sich um das verletzte Opfer zu kümmern - Unfallflucht begangen haben. Er soll überdies ohne Führerschein und ohne Zulassung des Autos am Steuer gesessen haben.

Der zur Tatzeit 46 Jahre alte Angeklagte hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft gestanden, das Unfallauto gefahren zu sein. Er sitzt seit 23. August in Untersuchungshaft. Gegen seinen zum Unfallzeitpunkt 19 Jahre alten Sohn dauern die Ermittlungen demzufolge an.

Er soll als Fahrzeughalter seinen Vater nicht vom Fahren ohne Führerschein abgehalten haben. Außerdem habe er das Auto nicht versichert. Der tödlich verletzte 68-jährige Radfahrer hatte sich laut einem Gutachten "regelkonform" verhalten.

Angeklagter Autofahrer: Habe Wildunfall vermutet

Update 15.09 Uhr: Ein Autofahrer, der im Januar im Westerwald ohne Führerschein einen Radfahrer tödlich verletzt haben soll, hat nach eigener Aussage nur einen Wildunfall vermutet.

Deswegen sei er weitergefahren, ohne sich um das Opfer zu kümmern, sagte der 47-jährige Angeklagte am Dienstag vor dem Landgericht Koblenz. Der 68 Jahre alte Radfahrer starb bei winterlicher Kälte und in abendlicher Dunkelheit etwa eine Stunde später am Unfallort bei Weitersburg. Staatsanwältin Rachel Weingärtner sagte, bei rascher Hilfe hätte er "möglicherweise überlebt".

Der Angeklagte gab zu, auf der Landstraße eine Linkskurve mit durchgezogener Linie geschnitten zu haben. Gerast sei er nicht. Den Führerschein habe er wegen "zu vieler Punkte in Flensburg" verloren. Vom fehlenden Versicherungsschutz des Autos seines Sohnes habe er nichts gewusst. "Ich habe den Radfahrer nicht bemerkt", versicherte der 47-Jährige. "Ich kann das nicht entschuldigen, das ist vollkommen unmöglich." Der entgegenkommende Radfahrer war laut Staatsanwältin Weingärtner mit einer Stirnlampe und Reflektoren "gut sichtbar" gewesen.

Der Angeklagte sitzt in Koblenz in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht nach eigener Aussage davon aus, dass der 47-Jährige die schweren Verletzungen des Radfahrers bemerkt habe und dennoch ohne Hilfe davongefahren sei. Damit habe er seine Verkehrsstraftaten verdecken wollen: Fahren ohne Führerschein und Versicherung.

Angeklagt sei "lediglich ein versuchter Mord, weil nicht nachzuweisen sein wird, dass der Geschädigte tatsächlich bei sofort eingeleiteten Hilfemaßnahmen überlebt hätte". Terminiert waren vorerst zwei weitere Verhandlungstage bis zum 18. November.

Der Fall steht ab Dienstag vor dem Landgericht Koblenz.
Der Fall steht ab Dienstag vor dem Landgericht Koblenz.  © DPA

Titelfoto: DPA


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