Tag der offenen Moschee in NRW: Einen Blick ins Innerste des Islams wagen

Köln/Aachen – Viele muslimische Gemeinden veranstalten an diesem Donnerstag wieder einen "Tag der offenen Moschee". Die Gemeinden wollen dabei über den Islam informieren und den Dialog mit Nichtmuslimen fördern.

Die Ditib-Moschee in Köln.
Die Ditib-Moschee in Köln.  © dpa/Oliver Berg

Organisator ist der Koordinationsrat der Muslime (KRM). Laut Veranstaltungs-Homepage nehmen bundesweit knapp 900 Gemeinden teil, darunter zahlreiche Moscheen in Nordrhein-Westfalen.

2019 steht der Tag der offenen Moschee unter dem Motto "Menschen machen Heimat/en."

"Seitens der Politik wird der Heimatbegriff zunehmend mit der geografischen Herkunft, Zugehörigkeit mit ethnischer Abstammung verknüpft", heißt es in einer Broschüre des KRM.

In Teilen der Gesellschaft und Politik habe dies einen höchst ausgrenzenden Charakter angenommen, bemängelte der Rat. Der Begriff Heimat dürfe jedoch nicht zur Abgrenzung, Diskriminierung und dBeschneidung von Grund- und Menschenrechten verwendet werden.

Am Tag der offenen Moschee nimmt auch die Bilal-Moschee in Aachen teil. Die 23-jährige Jura-Studentin Iman Laghmari will dabei durch die Moschee führen und Gedichte aufsagen. Ihre Texte handeln von ihren Erfahrungen als junge Muslimin in Deutschland. "Heimat ist ein Zugehörigkeitsgefühl", sagte die Jurastudentin der Deutschen Presse-Agentur.

Laghmari wurde in Aachen geboren und lebt dort. Ihre Eltern verbrachten ihre Kindheit im marokkanischen Nador. "Ich habe zwei Heimaten: Aachen und Nador.

Heimat zwischen zwei Ländern und Kulturen

Eine Moschee von Innen. Am Tag der offenen Moschee sind Interessierte eingeladne, einen Blick hineinzuwerfen.
Eine Moschee von Innen. Am Tag der offenen Moschee sind Interessierte eingeladne, einen Blick hineinzuwerfen.  © dpa/Peter Steffen

In der Wissenschaft spricht man von "transnationale Identitäten".

"Demnach sind die Identitäten einer Person durch mehrere kulturelle Kontexte, Staaten und Lebensrealitäten gekennzeichnet", erklärte der Sozialwissenschaftler Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität Bochum.

Für Laghmari zum Beispiel ist es die deutsche und die marokkanische Kultur. Und auch die Moschee sehe sie als Heimat, als "zentralen Ankerpunkt und zweites Zuhause". Sie ist seit vielen Jahren in der Bilal-Moschee, die zu den ältesten Moscheen Deutschlands gehört, aktiv. In ihrer Gemeinde fühle sie sich wohl und angenommen.

Dort trifft sie auf andere Personen, die ebenfalls zwischen zwei Kulturen aufwachsen und leben. Laghmari nennt es Gemeinschaft. Daher sei es ihr umso wichtiger, am Tag der offenen Moschee "die Türen der Gemeinschaft für die Gesellschaft zu öffnen".

Der Tag der offenen Moschee findet seit 1997 jährlich am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, statt. In Deutschland gab es 2016 nach Schätzungen des Bundestags zwischen 2600 und 2700 Moscheen.

Im Koordinationsrat der Muslime sind sechs Islamverbände vertreten: Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD), der Zentralrat der Muslime (ZMD), der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), die Union der Islamisch-Albanischen Zentren in Deutschland (UIAZD) sowie der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland (ZRMD).

Titelfoto: dpa/Oliver Berg

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