Fortuna Kölns trauriger Abstieg: Die Krise begann im Herbst

München/Köln – Die sportliche Krise Fortuna Kölns begann mit dem Weggang von Erfolgstrainer Uwe Koschinat im Herbst 2018 und endet nun in der vierten Liga. Die Chronologie eines Abstiegs.

Mit Koschinat ging Fortunas "Baumeister"

Trainer Uwe Koschinat (47) verließ Fortuna Köln im Oktober 2018 in Richtung Sandhausen.
Trainer Uwe Koschinat (47) verließ Fortuna Köln im Oktober 2018 in Richtung Sandhausen.  © DPA

Im vorigen Sommer war die Welt der Kölner Fortuna noch vollkommen in Ordnung. Der Verein hatte unter Trainer Koschinat zum vierten Mal in Folge den Klassenerhalt in der dritten Liga geschafft und mit Platz acht die beste Platzierung seit dem Aufstieg 2014 geschafft. Im Frühjahr durfte die Fortuna sogar dank einer Siegesserie kurzzeitig vom Aufstieg träumen.

Das sportliche Abschneiden fußte auf der sehr guten Arbeit von Trainer Uwe Koschinat, der die Mannschaft nach seinem Amtsantritt im Sommer 2011 Schritt für Schritt verbessert hatte. Durch die finanzielle Unterstützung eines Investors und eine kluge Transferpolitik schienen die Kölner sich wieder im Profibereich etabliert zu haben.

Dann flatterte im Oktober mitten in der Saison ein Angebot für Trainer Koschinat ins Haus. Der langjährige Trainer wechselte in die zweite Liga zum SV Sandhausen (TAG24 berichtete).

Zu diesem Zeitpunkt belegte die Fortuna den elften Platz in einer ausgeglichenen Liga. Im Nachhinein sollte es der Anfang vom Ende in der dritten Liga sein. Fortuna wankte und sollte keinen Halt mehr finden.

Katastrophenstart für Kaczmarek

Mit Trainer Tomas Kaczmarek (34) holte Fortuna in 21 Ligaspielen nur vier Siege.
Mit Trainer Tomas Kaczmarek (34) holte Fortuna in 21 Ligaspielen nur vier Siege.  © DPA

Zwei Spiele und einen Sieg später hatte Fortuna Köln dann einen neuen Trainer gefunden. Es war mit Tomasz Kaczmarek (34) ein alter Bekannter, der bereits beim Lokalrivalen Viktoria Köln gearbeitet hatte und zuvor mehr als ein Jahr vereinslos gewesen war.

Der Einstieg des neuen Trainers missriet völlig. Fortuna verlor zuhause mit 0:7 gegen Wehen und eine Woche später 0:6 in Unterhaching. Köln rutschte auf einen Abstiegsplatz ab. Eine weitere Konsequenz war die deutliche Verschlechterung des Torverhältnisses.

Erst im siebten Spiel unter Kaczmarek gelang im Dezember 2018 nach zuvor drei Niederlagen und drei Remis der erste Sieg. Köln überwinterte mit zwei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

In der Rückrunde präsentierten sich die Kölner dann defensiv stabiler, offensiv aber zu harmlos. Dem Team fehlte ein Torjäger.

Nach drei Siegen bis zum 27. Spieltag blieb das Team danach siebenmal in Folge sieglos. Kaczmarek musste nach dem 34. Spieltag (Platz 18) gehen (TAG24 berichtete).

Die "letzte Patrone" verpufft

Oliver Zapel (51) konnte den Abstieg der Fortuna nicht mehr verhindern.
Oliver Zapel (51) konnte den Abstieg der Fortuna nicht mehr verhindern.  © Imago

Für die verbleibenden vier Spielen verpflichtete der Drittligist Trainer Oliver Zapel. "Der Trainerwechsel ist unsere letzte Patrone", erklärte Geschäftsführer Michael W. Schwetje die Entscheidung.

Köln hoffte auf den Umschwung, verlor aber auch in Würzburg. Die Lage wurde immer ernster. Die Mannschaft sollte und wollte das Heimspiel gegen Meppen unbedingt gewinnen, erreichte aber nur ein 1:1.

Die Fortuna hatte vor dem vorletzten Spieltag nur einen Punkt Rückstand auf das rettende Ufer. Bei 1860 München mussten also Punkte her, allerdings steckte der Gegner auch noch im Abstiegskampf. In München hielt das Team lange Zeit ein Remis, verlor aber dann durch ein Tor in der 85. Minute mit 2:3.

Durch die Ergebnisse der anderen Teams im Keller war Fortuna abgestiegen. Köln hatte auf ein Abstiegsendspiel gegen Großaspach am letzten Spieltag gehofft. Stattdessen schloss sich nun ein trauriger Kreis. 2014 war Fortuna Köln in München gegen Bayern II der Aufstieg gelungen, knapp fünf Jahre später stand an gleicher Stätte der Abstieg fest.

62 Gegentore sind ligaweit unübertroffen, nur zwei andere Team erzielten weniger Tore als Fortuna Köln. Der Klassenerhalt wurde vor allem zuhause verspielt, wo nur drei Siege in 18 Spielen gelangen.

Damit geht es in der nächsten Saison nach einem Neuanfang gegen Gegner wie Rödinghausen und Verl. Sollte Lokalrivale Viktoria Köln den Aufstieg noch verpassen, gibt es 2019/20 immerhin wieder ein Kölner Derby in der Regionalliga.

Update, 13.34 Uhr: Trainer und Club äußern sich

Nach der Niederlage in München sagte Trainer Oliver Zapel: "An so einem Tag würde man sich am liebsten vergraben. Ich bin durch." Die Intensität der letzten drei Wochen sei immens gewesen.

Der Verein sprach in einem Statement auf Instagram von einem "Albtraum". Aus den Freudentränen beim Aufstieg 2015 seien nun Tränen der Verzweiflung geworden.

Angesichts der erlebten "Höhen und Tiefen" bedankte sich Fortuna Köln bei den Fans, die immer da waren und auch in der Regionalliga da sein werden.

Trainer Oliver Zapel trauert mit Spieler Dominik Ernst nach dem Abstieg Fortuna Kölns in München.
Trainer Oliver Zapel trauert mit Spieler Dominik Ernst nach dem Abstieg Fortuna Kölns in München.  © Imago

Titelfoto: Imago

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