Tod durch Glukose-Test: War es ein Versehen oder ein Verbrechen?

Köln – Ein Routine-Test endet tödlich für eine junge Mutter und ihr Kind. Fest steht nun: Das Mittel, das eine Kölner Apotheke ihr verabreichte, enthielt einen giftigen Stoff. Ein tragisches Versehen - oder ein Verbrechen?

Die Heilig Geist Apotheke aus der das tödliche Glukosemittel stammt.
Die Heilig Geist Apotheke aus der das tödliche Glukosemittel stammt.  © dpa/Oliver Berg

Es ist ein Test, der versichern soll: Sie hat keinen Schwangerschaftsdiabetes, alles ist bestens. Aber dieses Ergebnis bekommt die Frau nicht mehr zu sehen. Der Test ist ihr Todesurteil.

Wenige Stunden, nachdem sie die Mischung zu sich genommen hat, liegt die 28-Jährige im Krankenhaus.

Mit einem Notkaiserschnitt versuchen die Ärzte, wenigstens den Säugling zu retten. Doch jede Hilfe kommt zu spät. "Multiples Organversagen", werden die Ermittler einige Tage später die Todesursache nennen.

Die dramatischen Ereignisse, die sich bereits am Donnerstag zutrugen, stellen nicht nur die Ermittler vor Rätsel.

"Ich bin fassungslos, ich kann es mir nicht erklären", sagt der Apotheker Till Fuxius, der sich keiner Schuld bewusst ist. Seit Jahren habe er seine Patienten bestens versorgt, nun ermittelt eine Mordkommission.

Der entscheidende Hinweis kam von einem Arzt, nachdem zuvor bereits eine andere Patientin Probleme mit einer Mischung der Apotheke hatte und den Test rechtzeitig abbrach.

Die Apotheke gehört zum Heilig Geist Gesundheitszentrum.
Die Apotheke gehört zum Heilig Geist Gesundheitszentrum.  © dpa/Oliver Berg

Tests dieser Art sind in Deutschland absoluter Standard: Sie werden von Ärzten empfohlen und von Krankenkassen bezahlt.

Eine medizinische Standard-Prozedur, vor der niemand Angst zu haben braucht. Die Frauen trinken mit ärztlicher Begleitung das Gemisch, einige Stunden später bekommen sie Blut abgenommen - damit wird dann bestimmt, ob sie Schwangerschaftsdiabetes haben - oder nicht.

Nachdem die Rechtsmedizin die Frau obduziert und Behälter untersucht hat, steht am Montag um 15.37 Uhr fest: Es war Gift darin - "ein toxischer Stoff, den es zwar in Apotheken gibt, der aber in dem Gemisch rein gar nichts zu suchen hat", wie Staatsanwalt Ulrich Bremer bei einer Pressekonferenz erklärt.

Laut einem WDR-Bericht soll es sich bei dem Stoff um ein hochwirksames Narkosemittel handeln. Es soll schnell wirken und Lähmungserscheinungen hervorrufen.

Wie das Gift dennoch hineingelangen konnte, ist völlig offen. Weil weitere Glukose-Gemische im Umlauf sein könnten, gingen Stadt und Polizei am Montag mit dem Fall an die Öffentlichkeit. Man warnt davor, Mittel aus der betroffenen Apotheke einzunehmen. Diese selbst darf vorerst nichts mehr verkaufen, was selbst gemischt oder abgefüllt werden muss.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet. War Fahrlässigkeit schuld an der vergifteten Mischung, oder handelte jemand doch mit Vorsatz? "Das kann man in der Tat nicht ausschließen", sagt der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer.

Staatsanwalt Ulrich Bremer bei der Pressekonferenz zum Glukosetest-Fall.
Staatsanwalt Ulrich Bremer bei der Pressekonferenz zum Glukosetest-Fall.  © dpa/Federico Gambarini

Titelfoto: dpa/Oliver Berg

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