Wie viele Weltkriegs-Bomben liegen noch in Köln?

Köln – Für Kölner sind Bombenfunde fast schon Alltag. Auch 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden regelmäßig Blindgänger entdeckt, die entschärft werden müssen. Zur Gesamtzahl der noch im Erdreich verborgenen Bomben gibt es nur Schätzungen.

Im Jahr 2018 wurden in Köln 15 Bomben erfolgreich entschärft (Symbolbild).
Im Jahr 2018 wurden in Köln 15 Bomben erfolgreich entschärft (Symbolbild).  © DPA

Rein statistisch lag 2018 voll im Durchschnitt. Im Vorjahr wurden insgesamt 15 Bombenblindgänger entschärft, eine Bombe musste kontrolliert gesprengt werden. Auch in den Jahren zuvor gab es jeweils zwischen zwölf und 20 Evakuierungen aufgrund entdeckter Bomben.

Leider gibt es auf die Frage, wie viele Bomben noch im Kölner Erdreich liegen, keine valide Aussage.

Denn zum einen ist die Gesamtzahl der auf Köln abgeworfenen Bomben unklar. Und auch die Anzahl der Blindgänger kann laut eines Sprechers der Stadt Köln nur geschätzt werden.

Um die Dimensionen zu verdeutlichen, reichen zwei Zahlen: Alleine beim 1000-Bomber-Angriff auf Köln am 30. Mai 1942 wurden 9.500 Tonnen Bomben aller Art abgeworfen.

Köln wurde im Zweiten Weltkrieg rund 260 mal aus der Luft angegriffen.

Fachleute rechnen damit, dass bis zu 10 Prozent der Abwürfe nicht explodierten und als Blindgänger im Boden verblieben.

Prüfungen bei Bauvorhaben

Durch den niedrigen Rheinpegel wurden 2018 wie hier in Neuwied mehrere Blindgänger im Uferbereich des Flusses gefunden.
Durch den niedrigen Rheinpegel wurden 2018 wie hier in Neuwied mehrere Blindgänger im Uferbereich des Flusses gefunden.  © DPA

Da von den Bomben auch nach mehr als 70 Jahrzehnten noch immer eine Gefahr ausgeht, gibt es bei allen Baumaßnahmen eine Überprüfung anhand alter Luftbilder.

Denn die alliierten Luftstreitkräfte haben im Rahmen von Aufklärungsflügen die Auswirkungen von Bombardements fotografisch dokumentiert.

Finden sich dabei Verdachtspunkte (VP) mit möglichen Blindgängern, muss das Baugrundstück auf Kosten des Bauherrn durch eine Fachfirma überprüft werden.

Die Spezialisten sondieren den Bereich rund um den VP und untersuchen, ob sich Metall im Boden befindet.

Auf zwei Probleme treffen die Fachleute dabei immer wieder. Zum einen wissen sie erst nach der Aufgrabung, ob es sich bei dem metallischen Gegenstand auch wirklich um eine Bombe handelt.

Zum anderen geben die alten Luftbilder nur die ungefähren Lagepunkte eventuell vorhandener Blindgänger an.

Bei Erdarbeiten in bekannten Bombenabwurfsgebieten (militärische Einrichtungen, Verkehrsknotenpunkte etc.) gelten besondere Vorschriften. Hier werden Sicherheitsdetektionen angeordnet, wenn tief in den Baugrund gearbeitet werden soll. Dies gilt jedoch nicht für Gelände mit Bodenaufschüttung. Dort muss das Material vorsichtig abgetragen werden.

Übrigens werden manchmal auch Blindgänger gefunden, die bereits im Boden explodiert sind. Deren Überreste können ebenso wie Bomben ohne Zünder abtransportiert werden.

In allen anderen Fällen ist eine Entschärfung mit vorhergehender Evakuierung notwendig. Die Kölner werden also im Sinne der Sicherheit auch in den nächsten Jahren mit Einschränkungen durch Bombenentschärfungen leben müssen.

Bei Evakuierungen richtet die Stadt Köln wie hier im November 2018 Aufenthaltsräume für die betroffenen Anwohner ein.
Bei Evakuierungen richtet die Stadt Köln wie hier im November 2018 Aufenthaltsräume für die betroffenen Anwohner ein.  © DPA

Titelfoto: DPA

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