Party oder Politik: Wofür steht der CSD?

Köln – Am vergangenen Wochenende feierten erneut Hunderttausende den Christopher Street Day in Köln. Höhepunkt war die Parade durch die Innenstadt am Sonntag (TAG24 berichtete). Doch die Bewegung ist mehr als eine Schwulenparade.
Nicht nur Party: Der Kölner CSD stellt 16 politische Forderungen.
Nicht nur Party: Der Kölner CSD stellt 16 politische Forderungen.
Der Kölner CSD gehört zu den größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Europa. Manche nennen ihn deshalb auch Karneval im Sommer.

Dabei hat der CSD - anders als Karneval - eine politische Dimension. Das diesjährige Motto "Coming out in Deinem Style" soll die jüngere Generation in ihrer Identitätsfindung unterstützen. Die Selbstmordrate unter LGBTIQ-Jugendlichen sei siebenmal höher als die von gleichaltrigen Heterosexuellen, erklären die Veranstalter ihren Schwerpunkt.

Nachdem mit der Eheöffnung im vergangenen Jahr ein großer politischer Erfolg gefeiert werden konnte, stellt der Kölner CSD nicht weniger als 16 politische Forderungen. Die reichen von mehr Unterstützung für LGBTIQ-Geflüchtete bis zum Verbot von Konversionstherapien, die Homosexuelle "heilen" wollen.

Gleichzeitig ist die Community auch mit sich selbst beschäftigt. Lesbische Frauen fordern seit Langem mehr Sichtbarkeit, sowohl in der Gesellschaft als auch beim CSD.

"Vielen ist der CSD zu schwul geworden", sagt Maren Wuch. Die 53-Jährige gehört zu den Organisatorinnen des "Dyke* March", einer Demonstration am Vorabend der großen Parade speziell für frauenliebende Frauen. Sowohl in der Organisation als auch in der Wahrnehmung nach außen würden schwule Männer dominieren, kritisiert sie. Patriarchale Strukturen seien eben auch in der Community sichtbar. "So blöd es klingt: Ich bin doppelt diskriminiert - als Frau und als Lesbe."

Neflix-Serienstars bei Parade dabei

Die Serienstars Jackie Cruz (M-r) und Danielle Brooks (Orange Is the New Black) stehen bei der Christopher-Street-Day-Parade auf einem Wagen.
Die Serienstars Jackie Cruz (M-r) und Danielle Brooks (Orange Is the New Black) stehen bei der Christopher-Street-Day-Parade auf einem Wagen.  © DPA

Aber unter Jüngeren wachse die Sensibilität für lesbische Themen. Das liegt sicher auch an einer vielfältigeren Medienlandschaft.

Die Netflix-Serie "Orange Is The New Black" mit ihren lesbischen und transgender Charakteren ist in der Community besonders beliebt. Die jungen Fans konnten es deshalb kaum fassen, dass die drei Darstellerinnen Danielle Brooks (28), Natasha Lyonne (39) und Jackie Cruz (31) bei der Parade mitgefahren sind (TAG24 berichtete).

Schnell bildete sich eine große Traube vor dem Wagen, noch bevor die Parade überhaupt begonnen hatte. Die Schauspielerinnen signierten Regenbogenflaggen, posierten für Fotos und feierten ordentlich mit.

"Die Serie ist ein Pionier, was Vielfalt angeht. Es ist toll, heute die Leute zu sehen, die uns unterstützen. Sie zeigen, dass sie nicht alleine sind", sagte Cruz während der Parade. "Der CSD ist großartig."


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