Vor Derby: Polizei rechnet mit 900 Chaoten aus Gladbach und Köln

Köln - Bloß nicht noch für zusätzlichen Zündstoff sorgen: In die allerorts spürbare Vorfreude auf das 122. rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr/Sky) mischt sich bei den meisten Beteiligten eine große Portion Unbehagen.

2015 liefen Kölner Fans beim Derby in Gladbach vermummt auf das Spielfeld der Gladbacher.
2015 liefen Kölner Fans beim Derby in Gladbach vermummt auf das Spielfeld der Gladbacher.  © Maja Hitij/dpa

Nach einer Zuspitzung des problematischen Verhältnisses zwischen den Fans beider Vereine befürchten viele Krawalle.

Deshalb bemühen sich Vertreter beider Clubs, das Derby eher klein- als großzureden. Die Polizei sprach die Bedrohung dagegen offen an.

Einem Fahnenklau im Jahr 2008 folgten unter anderem ein abgerissener Fohlenkopf mit Gladbach-Schal, ein Platzsturm in Malerkitteln und Fan-Boykotte.

Die Kölner Polizei sprach am Freitag von fünf gewalttätigen Zwischenfällen zwischen Fans beider Teams alleine seit Januar 2018, oft abseits von sportlichen Duellen.

"Das verdeutlich gut, mit welchen Straftätern wir es morgen auch zu tun haben werden", sagte die Stellvertretende Polizeipräsidentin Miriam Brauns.

Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt sprach von "einer besonderen Gefahrenlage" und erklärte, man gehe "mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen am, um und vielleicht auch im Stadion kommen kann."

Aktuell habe man zwar keine konkreten Erkenntnisse über geplante Auseinandersetzungen. Man rechne aber trotz bereits 38 ausgesprochener Betretungsverbote mit bis zu 400 Fans aus Gladbach und bis zu 500 aus Köln, "die nichts anderes im Schilde führen werden, als bei irgendeiner Gelegenheit Gewalttaten zu vollziehen", so Rüschenschmidt.

Kölns Trainer Beierlorzer will frenetische Fans aber keine Gewalt sehen

Solche Bilder will die Polizei beim Spiel des 1. FC Köln nicht sehen.
Solche Bilder will die Polizei beim Spiel des 1. FC Köln nicht sehen.

Das Bemühen um verbale Deeskalation war unter der Woche überall zu spüren. Auf nahezu jede Frage nach sportlichem Wert oder Emotionalität folgte ein Appell an die Besonnenheit.

"Ich hoffe, dass uns unsere Fans frenetisch anfeuern, es gewaltfrei bleibt und ein tolles Spiel wird", sagte Kölns Trainer Achim Beierlorzer.

Sein Kollege Marco Rose sprach von einem "normalen Bundesliga-Spiel mit außergewöhnlichen Rahmenbedingungen".

Die beiden Trainer, die jeweils im Sommer kamen und damit ihr erstes Rhein-Derby erleben, legen auch großen Wert darauf, dass ihre Spieler nicht von den ganzen Nebengeräuschen abgelenkt werden.

"Wir müssen kühlen Kopf bewahren und dürfen uns von den Emotionen nicht verwirren lassen", erklärte Beierlorzer: "Wir wollen im Derbywahn keine Dinge tun, die uns nicht weiterhelfen."

Er wundere sich auch darüber, dass viele ihm sagten: "Egal, wie wir am Ende der Saison abschneiden, Hauptsache, wir schlagen Gladbach."

Das, so der Franke, "sehen wir natürlich anders". Auch das klingt bei Rose ähnlich. "Man hört in den ein, zwei Wochen davor immer die gleichen Worte von außen und die Trainer sagen immer dieselben Dinge", erklärte er: "Aber Fakt ist, dass Samstag ein Bundesligaspiel angepfiffen wird."

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