Deutschlands Nightlife: Ist Köln die bessere Stadt zum Feiern?

Köln/Berlin – Bootshaus statt Berghain - ein Fachmagazin kürte dieses Jahr einen Kölner statt Berliner Club zum besten des Landes. Das lässt die Frage aufkommen, wie es eigentlich um das deutsche Nachtleben steht.

Die Sonne strahlt die Eingangstüren zum Berliner Club Berghain an.
Die Sonne strahlt die Eingangstüren zum Berliner Club Berghain an.  © Paul Zinken/dpa

Das internationale Fachmagazin "DJ Mag" kürte dieses Jahr den Kölner Club Bootshaus statt wie jahrelang das legendär-verruchte Berliner Berghain zum besten Club in der Bundesrepublik (TAG24 berichtete).

Das Bootshaus befindet sich auf einem abgelegenen Werftgelände unter einer Kölner Rheinbrücke. Das hat sich herumgesprochen. Kevin und Thomas sind aus ihrem Heimatdorf in Luxemburg hergefahren. Zweieinhalb Stunden hin, vier Stunden feiern, zweieinhalb Stunden zurück. Ungefähr die Hälfte aller Besucher ist nach Schätzungen der Betreiber nicht aus Köln, kommt extra für die Partys her.

Im Berliner Berghain gibt man sich betont exklusiv, die Türsteher sind berüchtigt. Ins Kölner Bootshaus dagegen darf jeder hinein, der will. Die meisten Tickets werden - ebenfalls clubuntypisch - wie bei Konzerten vorab online verkauft.

An der Tür wird niemand wegen seines Outfits abgewiesen, sagen die Betreiber. Nur zu betrunken oder aggressiv darf man nicht sein, "ansonsten ist hier jeder willkommen".

DJ Snake legt im Kölner Club "Bootshaus" auf.
DJ Snake legt im Kölner Club "Bootshaus" auf.  © Bootshaus/dpa

Über einen Außenbereich, der mit zusammengezimmerten Theken und hölzernen Emporen ringsherum wie eine Piraten-Lagune anmutet, gelangt man auf den Main Floor, den größten Partybereich.

Wie in einer Arena drängen sie sich auf Stufen hinter- und übereinander. In den ersten Reihen kleben die Menschen förmlich an der Plexiglasscheibe vor dem DJ-Pult, nur Zentimeter trennen Publikum und Künstler. Eine Anlage, die sicher ausreichen würde, um eine Festivalbühne zu beschallen, pumpt tiefe Bässe durch die Halle. Feuer schießt aus Flammenwerfern an der Decke.

"Eine solche Atmosphäre hat man nirgendwo sonst", sagt Fabian Thylmann, der Besitzer des Clubs. Die Abgeschiedenheit, die Enge, die Nähe zum Publikum, der Sound - für Thylmann ist es das Gesamtpaket, das nicht nur Gäste von weit her anlockt.

Mancher wirft dem Club allerdings vor, zu sehr den Mainstream zu bedienen. Thylmann hält die Kritik für unberechtigt: "Wir spielen sechs oder sieben verschiedene Musikrichtungen, da gibt es genauso viel Abseitiges wie Populäres. Es soll für jeden etwas dabei sein."

Der Frankfurter Kulturwissenschaftler Christian Arndt, der Anfang des Jahres das Buch "Electronic Germany - DJs, Klänge, Clubkultur" herausgebracht hat, sagt: "Das Bootshaus hat sich musikalisch sehr breit aufgestellt, vieles, was hier musikalisch passiert, wäre zum Beispiel im Berghain oder auch im Robert Johnson in Offenbach bei Frankfurt undenkbar." Es gebe da sehr verschiedene Philosophien beim Booking, also dem Engagieren der DJs.

Clubkultur-Experte Arndt sagt, dass es früher in vielen größeren Städten mindestens einen, manchmal zwei oder drei Clubs mit bundesweiter Strahlkraft gegeben habe. Heute sei im deutschsprachigen Raum neben Berlin auch das relativ kleine Zürich gut aufgestellt.

Titelfoto: Bootshaus/dpa

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