Stadt nicht eingeladen: Umstrittene Islam-Konferenz in Kölner Moschee

Köln - Eine umstrittene Islamkonferenz in der Kölner Zentralmoschee der Ditib sorgt weiter für Ärger: Der Köln-Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD) fühlt sich von der Islam-Organisation hintergangen.

Die Kölner Ditib-Zentralmoschee.
Die Kölner Ditib-Zentralmoschee.  © DPA

Er sei über den dreitägigen Kongress nicht informiert worden. "Ich fühle mich da schon etwas hinter die Fichte geführt", sagte Wirges am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". "Das ist nicht korrekt gewesen und das verärgert mich auch."

Die Ditib war zuvor in die Kritik geraten, weil bei der Konferenz vom 2. bis 4. Januar auch Teilnehmer dabei gewesen sein sollen, die der islamistischen Muslimbruderschaft (MB) nahestehen oder angehören.

Das NRW-Innenministerium erklärte, der Verfassungsschutz ordne zwei in Medienberichten namentlich genannte Personen der MB zu.

Die Muslimbruderschaft wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Ein Ditib-Sprecher hatte zu den Vorwürfen gesagt, es sei grundsätzlich wichtig, mit allen "gesellschaftlich relevanten Gruppen im Austausch" zu bleiben.

Bei einem "innerislamischen Dialog" mit rund 100 Teilnehmern aus 17 europäischen Ländern solle man die Anwesenheit zweier MB-Vertreter "in Verhältnismäßigkeit" sehen.

Ditib aus Türkei gesteuert

Die Ditib wird von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gesteuert und steht wegen ihrer Nähe zur Regierung in Ankara unter Druck.

Vor drei Monaten löste die Eröffnung der Zentralmoschee in Köln durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auch Empörung aus. Lokalpolitiker Wirges hatte sich in der Vergangenheit für den Bau der Moschee stark gemacht.

Update, 13.46 Uhr

In einer verbreiteten Ditib-Erklärung heißt es, nach langem Streit wolle der Verband einen Beitrag zur "Deeskalation" leisten. Es habe auch Versäumnisse auf Seiten der Ditib gegeben und "berechtigte Kritik". Bisher hatte die Organisation keinerlei selbstkritische Töne hören lassen.

Die Ditib mit mehr als 900 Moscheegemeinden bundesweit steht wegen ihrer großen Nähe zur türkischen Regierung, nach einer Imam-Spitzelaffäre und Berichten über nationalistische Propaganda in einigen Gemeinden unter Beschuss.

Der Bund fördert keine Projekt in Ditib-Trägerschaft mehr, NRW hat die Kooperation ausgesetzt. Die Eröffnung der Kölner Moschee durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Empörung ausgelöst.

Die angekündigte Transparenz in der Ditib-Moschee lässt weiter auf sich warten.
Die angekündigte Transparenz in der Ditib-Moschee lässt weiter auf sich warten.  © DPA

Titelfoto: DPA


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