Erschreckende Ergebnisse bei NRW-Umfrage zu Kindesmissbrauch

Köln – Nach dem "Fall Lügde" hat der WDR alle NRW-Jugendämter zum Thema Kindesmissbrauch befragt. Erschreckend: es gibt hunderte Verdachtsfälle für das Jahr 2018!

Laut einer WDR-Umfrage bei NRW-Jugendämtern gab es 566 Verdachtsfälle auf Kindesmissbrauch in 2018 (Symbolbild).
Laut einer WDR-Umfrage bei NRW-Jugendämtern gab es 566 Verdachtsfälle auf Kindesmissbrauch in 2018 (Symbolbild).  © DPA

Bei der WDR-Umfrage zu sexuellem Kindesmissbrauch beteiligten sich 139 der insgesamt 186 befragten Ämter in NRW. In den Jugendämtern gab es im vergangenen Jahr 566 Verdachtsfälle auf Kindesmissbrauch.

Umgerechnet ergibt das im Schnitt fünf Meldungen pro Kommune. Einige Kommunen klagten über massive Überlastung.

In Rösrath kamen demnach durchschnittlich 101 Fälle auf eine Planstelle, im Kreis Siegen-Wittgenstein 97 und in Gelsenkirchen 79. Eine viel günstigere Fallrelation gab es in Goch (23), Erkelenz (18) und Schwerte (16). Im Durchschnitt betreue ein Jugendamtsmitarbeiter 39 Fälle.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst habe sich für maximal 35 Fälle pro Stelle ausgesprochen. Ob die Kinder im Heim oder in Pflegefamilien betreut werden, sei von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich: Bergisch Gladbach habe mit 76 Prozent einen hohen Heimanteil.

Im Kreis Wesel dagegen wurden 83 Prozent der betreuten Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien untergebracht. Landesweit seien 53 Prozent der betreuten Kinder in Pflegefamilien und 47 Prozent in Heimen untergebracht.

Der WDR fragte auch nach Verbesserungsvorschlägen. Dabei wünschten sich einige Kommunen eine bessere Vernetzung mit Polizei und anderen Behörden, mehr Fortbildungen zu sexueller Gewalt, die Einführung landesweiter Standards und landesweit definierte Fallgrößen pro Vollzeitstelle.

Im Schnitt gab es 2018 fünf Verdachtsfälle pro NRW-Kommune (Symbolbild).
Im Schnitt gab es 2018 fünf Verdachtsfälle pro NRW-Kommune (Symbolbild).  © DPA
Der schlimme Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde scheint leider kein Einzelfall zu sein (Archivbild).
Der schlimme Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde scheint leider kein Einzelfall zu sein (Archivbild).  © DPA

Titelfoto: DPA


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