Händler wird wegen Coronavirus ausgegrenzt

Köln – Der Kölner Supermarktchef Yen Souw Tain berichtet über Ausgrenzung und Rassismus durch den Coronavirus. Für ihn sind solche Erfahrungen leider nichts Neues.

Yen Souw Tain, Geschäftsführer eines Supermarktes für asiatische Spezialitäten in Köln, steht in seinem Geschäft.
Yen Souw Tain, Geschäftsführer eines Supermarktes für asiatische Spezialitäten in Köln, steht in seinem Geschäft.  © Roberto Pfeil/dpa

Er ist in Deutschland geboren. Er hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Er spricht akzentfrei Deutsch.

Und dennoch hat er seit seiner Kindheit immer wieder das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Weil Yen Souw Tain chinesische Wurzeln hat.

Es begann schon in der Schule. "Schlitzauge" wurde er da genannt - und dabei zogen sich die anderen dann ihre eigenen Augen in die Länge. Er hat immer versucht, das schnell abzuhaken.

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Irgendwann hörte das auch auf. Dafür registrierte er andere Dinge. Warnungen vor der "gelben Gefahr" und derlei. Er habe auch das nicht beachtet, sagt er.

Aber am vergangenen Freitag, da wurde es ihm dann zuviel. "Da hab ich einfach mal meinen Frust rausgelassen", sagt Yen Souw Tain.

Er postete etwas auf Facebook. "Liebe Kunden und Asia Fans", begann der 32-Jährige. Damit richtete er sich an diejenigen, die im Supermarkt seines Vaters in Köln einkaufen. Ein Markt für asiatische Spezialitäten. Ein Markt, in dem es seit einigen Tagen deutlich ruhiger ist als sonst. Sollte das etwas mit dem Coronavirus zu tun haben?

Tain schildert traurige Situation in seinem Supermarkt

Yen Souw Tain fühlt sich im Moment durch das Coronavirus besonders ausgegrenzt.
Yen Souw Tain fühlt sich im Moment durch das Coronavirus besonders ausgegrenzt.  © Roberto Pfeil/dpa

"Was wir im Moment erlebt haben, ist sehr traurig", schrieb Tain. Er schilderte folgende Szene: Eine Frau kommt mit ihrer etwa zehn bis zwölf Jahre alten Tochter in den Supermarkt und fordert sie auf: "Zieh deinen Schal vors Gesicht!"

An der Kasse fragt das Mädchen die Mutter: "Sind denn alle Chinesen hier krank?" Die Mutter antwortet nicht. Sie bezahlt schnell und hastet nach draußen.

"Das fand ich schockierend", sagt Tain. "Das Personal stand dabei, andere Kunden haben es gehört. Und die Mutter hat das so stehen gelassen."

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Für ihn sei das eine Form von "Rassismus, den man nicht sofort erkennt". Er kann verstehen, dass sich die Mutter Sorgen um die Gesundheit ihres Kindes macht. Aber er kann nicht verstehen, dass sie die Frage nicht beantwortet hat. Dass sie nicht gesagt hat: "Nein, natürlich nicht."

Zu seinem Text auf Facebook gab es viele Reaktionen. Er fand Zustimmung, darunter 1200 Likes, aber es kamen auch ablehnende Kommentare. "So in der Art von: "Ihr seid doch selber schuld, was esst ihr denn auch für einen Kram?"" Tain sagt dazu: "Das Exotischste, was ich bisher in meinem Leben gegessen habe, war Kaninchen."

Platz in der vollen Straßenbahn blieb leer

Wie alle hofft er, dass die Seuche bald abklingen wird. Damit niemand mehr krank wird, damit niemand mehr stirbt. Und auch, damit asiatisch aussehende Menschen in Deutschland nicht mehr gemieden werden.

Seine Mutter, erzählt er, saß am Montag in Köln in einer vollen Straßenbahn - aber der Platz neben ihr blieb frei. Sie versuchte, es mit Humor zu nehmen: "Ich hatte jetzt endlich mal viel Platz."

"Ich habe zu China ganz, ganz wenig Bezug»" sagt Tain. "Wenn man mich nach China schicken würde, wäre ich aufgeschmissen. Weil ich mich als Deutscher fühle und genauso denke. Und deshalb finde ich es traurig, dass jemand, der hier seine Heimat hat, trotzdem ausgegrenzt wird."

Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa

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