Diesen Gast wünscht sich Domian in seiner neuen Talk-Show

Köln – Im TAG24-Interview verrät Jürgen Domian (61), was ihn an seiner neuen Talk-Show "Domian live" besonders reizt und welchen Gast er sich wünschen würde.

Jürgen Domian hat nicht nur das Talken vermisst (Archivbild).
Jürgen Domian hat nicht nur das Talken vermisst (Archivbild).  © Klaus Görgen/WDR/dpa

TAG24: Lieber Domian, im Dezember 2016 gab es die letzte Ausgabe von „Domian“, weil Du keine Lust mehr auf Nachtarbeit hattest. Warum kehrst Du nun mit einem ähnlichen Format zurück?

Domian: Der Nachtarbeit habe ich keine Sekunde nachgeweint, da war ich am Limit. Der Ausstieg fiel mir aufgrund der Akzeptanz und des Erfolgs sehr schwer, aber es gab einige Schüsse vor den Bug gesundheitlich und ich habe auf die Ärzte gehört.

Aber nach einer gewissen Zeit habe ich gemerkt, dass mir das Talken fehlt. Insbesondere die intensiven Gespräche mit so unterschiedlichen Menschen - wo hat man das sonst?

TAG24: Warum hat Dich das Talk-Konzept überzeugt?

Domian: Alle wollen immer, dass man in den Medien experimentiert und wir machen es! Ich freue mich sehr, dass der WDR sich auf eine Live-Sendung eingelassen hat. Ich persönlich als Konsument finde die ganzen Konserven im TV grässlich und lechze nach Fernsehsendungen, die live sind. Es ist auch spannender für den Zuschauer und es geht auch mal was schief. Das hatten wir auch nachts öfter und das Publikum hat uns das überhaupt nicht übel genommen.

"Endlich kann ich die Gäste mal sehen"

Talker Jürgen Domian (61) ist mit "Domian live" ab November im WDR zu sehen.
Talker Jürgen Domian (61) ist mit "Domian live" ab November im WDR zu sehen.

Tag24: Was ist aus deiner Sicht das Besondere an „Domian live“?

Domian: Für mich ist es eine behutsame Weiterentwicklung der Nachtsendung. Das Besondere ist zum einen, dass ich wie in der Nacht nicht weiß, was passiert. Und was uns ganz wichtig ist: Die Leute werden nicht recherchiert wie in anderen Talkshows, sondern melden sich freiwillig, wenn sie gerne mit mir sprechen, diskutieren oder etwas beraten wollen. Zu erreichen sind wir unter 0800-2208899 oder domian@wdr.de.

Für mich ist das neue Format auch sehr attraktiv, weil ich nach ungefähr 22.000 Telefon-Interviews endlich mal meine Gäste sehen kann. Das direkte Gegenüber ist viel interessanter und vielfältiger, als wenn ich „nur“ höre.

TAG24: Im TV wird den Gästen im Gegensatz zum Radio die Anonymität fehlen. Werden sich genug Menschen trotzdem trauen?

Domian: Ich bin zuversichtlich. Es stellt sich natürlich die Frage, ob Menschen mit hochdramatischen Anliegen vor die Kamera gehen. Meiner Einschätzung nach gehen 85 Prozent der Leute, die sich nachts geäußert haben, auch vor eine Kamera. Ich habe zwischendurch Bühnenproduktionen gemacht, wo dieser Eindruck bestätigt wurde. Ein gewisser Prozentsatz an Intimität geht natürlich verloren bei so einer Sendung.

Domian über Tabus

Für Domian gibt es (fast) keine Tabus.
Für Domian gibt es (fast) keine Tabus.  © Henning Kaiser/dpa

TAG24: Wird es wirklich keine Tabus geben?

Domian: Natürlich setzt unsere Verantwortung in dem Moment ein, wo wir jemanden schützen müssen. Ich will ein Beispiel nennen. In der Nachtsendung habe ich immer wieder mit Pädophilen gesprochen, die ihre Neigung sehr selbstkritisch sahen und verzweifelt waren. Das konnte man in der Anonymität der Nacht machen. Vor der Kamera würden wir das nicht machen, weil wir die Person vor sich selbst schützen müssen. Abgesehen von einigen Ausnahmen, wollen wir aber auch in der neuen Show über alles reden.

TAG24: Wie haben sich die Tabus im Vergleich zu den Anfängen des Radiotalks verändert?

Domian: Es gibt weniger Tabus. Zum Beispiel im Bereich Sexualität haben wir riesige Schritte gemacht. Und das ist auch gut so. Heute allerdings sind wir alle gefangen im Korsett der politischen Korrektheit.

Ich wage mich da immer etwas heraus und bekomme die Folgen zu spüren, aber das ist mir wurscht. Wir haben beispielsweise damals als erstes Medium mit einem Pegida-Demonstranten geredet. Ich habe auch Scheu, mich mit Nazis, Mauerschützen oder Gewalttätern auseinanderzusetzen. Ich finde, so lange man mit jemandem reden kann, sollte man auch reden.

Diesen Gast würde Domian gern mal begrüßen

Jürgen Domian hofft auf viele Gäste mit spannenden Geschichten in seiner Talkshow.
Jürgen Domian hofft auf viele Gäste mit spannenden Geschichten in seiner Talkshow.

TAG24: Welchen Gast würdest du gern mal in deiner Show interviewen und warum?

Domian: Es darf sehr gern ein hochprominenter Fußballer kommen, der in der Bundesliga spielt und sich dann in der Sendung als homosexuell oder bisexuell outet. Aber leider ist das eher unrealistisch, weil die Jungs keine Eier haben, dazu zu stehen. Aber sie könnten es mittlerweile. Ich glaube, alle Medien und Fußballverbände würden sie unterstützen. Der erste, der sich das traut, wird ein Held werden.

TAG24: Mit welcher Schlagzahl geht es nach den ersten vier Sendungen weiter?

Domian: Wir wollen erstmal die Testphase abwarten. Aber es ist schon ein großer Unterschied, ob man es täglich macht oder einmal in der Woche. Lust und Zeit sind definitiv da.

TAG24: Lieber Domian, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der neuen Sendung.

Start im November

Der WDR wird die Talkshow "Domian live" zunächst ab dem 8. November jeweils freitagabends von 23.30 bis 0.30 Uhr ausstrahlen.

Wer als Gast dabei sein möchte, kann sich per Telefon (0800-2208899) oder per Mail unter domian@wdr.de bewerben.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa


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