Rocker-Krieg: Kölner Bandidos lösen sich auf

Köln – Die Kölner Ortsgruppe der berüchtigten Bandidos hat sich den Rockern zufolge aufgelöst, um die Konflikte in der Domstadt zu beenden.

Das Chapter der Bandidos in Köln hat sich den Rockern zufolge aufgelöst (Symbolbild).
Das Chapter der Bandidos in Köln hat sich den Rockern zufolge aufgelöst (Symbolbild).  © DPA

"Das ist eine Entscheidung der Leute vor Ort. Die Hoffnung ist, da ein bisschen Ruhe reinzukriegen", sagte Bandidos-Sprecher "Micha" am Montag, der für die rund 60 deutschen Chapter der berüchtigten Rockergruppe spricht.

"Wir verurteilen die Gewalttaten, die da passiert sind. Sie sind nicht im Interesse der Bandidos", sagte der Sprecher. Zuvor hatte die "Bild"berichtet. Die Kölner Bandidos-Rocker könnten sich nun einem anderen Chapter anschließen oder austreten, sagte der Bandidos-Sprecher.

Die Kölner Polizei bestätigte den Schritt am Montag zunächst nicht: "Wir haben es auch nur in den Zeitungen gelesen", sagte eine Polizeisprecherin. In den vergangenen Wochen war es in Köln zu Gewalttaten gekommen, die laut Polizei auf eine Eskalation zwischen Hells Angels und Bandidos zurückgehen. Mehrfach flogen Kugeln und wurde scharf geschossen (TAG24 berichtete).

"Als wären wir hier im Wilden Westen wird hier rumgeballert", hatte Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob kritisiert und einen harten Kurs gegen die Szene angekündigt (TAG24 berichtete). Zuletzt hatte es mehrere Durchsuchungen in Räumlichkeiten der Bandidos gegeben.

Update, 16.50 Uhr: Polizei bestätigt Auflösung, weitere Razzia

Im Rahmen des Rocker-Konflikts kam es am 4. Januar auch zu Schüssen auf eine Spielhalle in Köln-Buchheim.
Im Rahmen des Rocker-Konflikts kam es am 4. Januar auch zu Schüssen auf eine Spielhalle in Köln-Buchheim.

Die Kölner Polizei bestätigte am Montag, dass höherrangige Rocker bei der Polizei angerufen und die Auflösung bekannt gegeben hätten. "Das ändert aber nichts daran, dass wir die Szene im Fokus haben und den Kontrolldruck hoch halten", sagte eine Polizeisprecherin.

Am Samstagabend habe man die Rockerszene in Köln erneut ins Visier genommen, berichtete die Polizei am Montag. Zivilfahnder hätten bei der Kontrolle eines Wettbüros eine scharfe Schusswaffe sichergestellt und einen 27-Jährigen mit Rockerhintergrund vorläufig festgenommen.

Die Pistole stamme nach ersten Ermittlungen aus einem Wohnungseinbruch in Gelsenkirchen im Dezember 2004. Die Kriminalpolizei prüft nun, ob mit der Waffe bei den jüngsten Auseinandersetzungen geschossen wurde. Die Polizei setze in Köln derzeit täglich bis zu 70 Beamte gegen die Rockerkriminalität ein.

Die Bandidos dominieren in Nordrhein-Westfalen das Ruhrgebiet, in den Rheinmetropolen haben eher die Hells Angels das Sagen. Der Kölner Polizei zufolge hatten die Bandidos versucht, die aktuelle vermeintliche Schwäche der Höllenengel auszunutzen. Ungefähr jeweils 50 Leute hätten Bandidos und Hells Angels in Köln in Stellung gebracht. Dahinter steckten wirtschaftliche Interessen. Es gehe um die Türsteher-Szene, um Shisha-Bars und Drogenhandel.

Der Bandidos-Sprecher widersprach der Vermutung, mit der Auflösung lediglich einem Vereinsverbot zuvorkommen zu wollen, um so das Vereinsvermögen zu retten: "Unsere Chapter sind keine eingetragenen Vereine."

Titelfoto: DPA


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