Hohe Geldstrafe für Skizzen-Diebstahl aus dem Müll von Gerhard Richter

Köln – Ein 49-Jähriger soll weggeworfene Skizzen von Gerhard Richter aus dessen Altpapiertonne gefischt haben. Er steht an diesem Mittwoch (12 Uhr) wegen Diebstahls vor dem Kölner Amtsgericht.

Weggeworfene Skizzen des Malers Gerhard Richter (87) beschäftigen am Mittwoch das Kölner Amtsgericht.
Weggeworfene Skizzen des Malers Gerhard Richter (87) beschäftigen am Mittwoch das Kölner Amtsgericht.  © DPA

Laut Anklage hatte der Maler vier Entwürfe in der Papiertonne vor seinem Haus entsorgt.

Der Angeklagte soll die Skizzen mitgenommen haben, um sie zu verkaufen. Der Wert der nicht signierten Werke werde vorläufig auf 60.000 Euro geschätzt.

Das Gericht muss nach Angaben einer Sprecherin im Wesentlichen die Frage klären, ob es sich bei den Skizzen noch um das Eigentum Richters handelte, obwohl dieser sie in den Müll geworfen hatte.

Der 87 Jahre alte Maler wird nach Angaben seines Ateliers aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Verhandlung teilnehmen. Ein Urteil könnte noch am Mittwoch fallen.

Update, 14.52 Uhr

Der Angeklagte erklärte zu Beginn der Verhandlung, er wolle keine Aussage machen. Der als Zeuge geladene Gerhard Richter kam nicht zum Prozess.

Das Gericht wollte vier weitere Zeugen hören.

Update, 16.06 Uhr

Weil er weggeworfene Skizzen aus dem Altpapier des Künstlers Gerhard Richter gestohlen hat, muss ein Mann eine Geldstrafe zahlen. Das Kölner Amtsgericht verurteilte den 49-Jährigen am Mittwoch zur Zahlung von 3150 Euro (90 Tagessätze zu je 35 Euro).

Richter hatte die vier Bilder, die er für misslungen hielt, in die Altpapiertonne vor seinem Haus geworfen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Skizzen im Juli 2016 mitgenommen hatte und sie verkaufen wollte.

Auch wenn die unsignierten Bilder auf dem legalen Kunstmarkt nach Angaben von Experten nicht verkäuflich seien, seien sie nicht wertlos, sagte die Richterin.

Der 49-Jährige hatte bei der Polizei ausgesagt, der Papiercontainer sei bei einem Sturm umgefallen. Die Bilder hätten deshalb nicht in der Tonne, sondern auf der Straße gelegen. Nach Auffassung des Gerichts waren die Skizzen dennoch nach wie vor Eigentum des Künstlers. "Er hatte den Willen, die Bilder zu entsorgen", sagte die Richterin.

Der Angeklagte hält sich im Amtsgericht neben seinem Anwalt Konrad Schäfer (r) eine Aktentasche vor das Gesicht.
Der Angeklagte hält sich im Amtsgericht neben seinem Anwalt Konrad Schäfer (r) eine Aktentasche vor das Gesicht.  © DPA

Titelfoto: DPA

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