Kölner Sportstudent war Cheftrainer in Tansania: Darum gab es für Spieler Sex-Strafen

Köln – Der Kölner Sportstudent Tim Jost (25) hat ein echtes Abenteuer erlebt: Er war eine Saison lang als Trainer in der ersten Liga Tansanias aktiv.

Tim Jost arbeitete eine Saison lang als Co- und Cheftrainer in Tansania.
Tim Jost arbeitete eine Saison lang als Co- und Cheftrainer in Tansania.  © Tim Jost

Mit dem Bachelor in der Tasche zog es den Studenten im Sommer 2016 nach Afrika. Über seine außergewöhnlichen Erfahrungen berichtet Tim in seinem Buch "Ballzauber in Tansania".

Eigentlich wollte der 25-Jährige im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden, bevor sich schnell und recht unbürokratisch der Kontakt zu einem Verein ergab. Tim Jost unterschrieb einen Vertrag als Co-Trainer des örtlichen Erstligisten Toto African SC.

Seine Wahlheimat auf Zeit ist fußballerisch ein Fliegengewicht. Tansania ist derzeit auf Platz 135 der FIFA-Weltrangliste, knapp vor Andorra.

Ohne Eingewöhnungszeit war Jost in einem fremden Land mit exotischer Kultur direkt gefordert. Vor dem Saisonstart musste das Team komplett neu zusammengestellt werden, insgesamt spielten mehr als 70 Männer vor.

Am letzten Tag der Transferperiode war der Kader dann nach einigen Querelen endlich komplett. Die Spieler lebten während der ganzen Saison zusammen in einem Camp – regelmäßige Stromausfälle und vorwiegend kaltes Wasser inklusive.

Ein Witchdoctor und Sex-Strafen

Das Training war ein komplett anderes als in Deutschland.
Das Training war ein komplett anderes als in Deutschland.  © Tim Jost

Der Traineralltag in Tansania erforderte von Tim ein hohes Maß an Anpassung. Trainiert wurde früh morgens oder kurz vor der Dämmerung. Da das Team keinen eigenen Platz hatte, wurde eine freie Wiese möglichst in der Nähe gesucht. Den Weg dahin ging das Team zu Fuß.

Aber auch die Auswärtsspiele hatten es in sich. Teilweise ging es mit dem Bus mehr als 24 Stunden oder 1400 Kilometer bis zum nächsten Gegner.

Helfen sollten dem Team die wundersamen Cremes, Mittel und Salben eines Witchdoctors. Manchmal habe man das Stadion auch über den Hintereingang betreten, um dem bösen Zauber des Gegners auszuweichen – da hätten sich auch die Spieler gewundert.

Und auch der Glaube, dass Sex der Kondition schadet, ist weit verbreitet. Als sich die Spieler eines Abends bei Prostituierten vergnügt hatten, gab es am nächsten Tag einen 14-Kilometer-Straflauf.

Auch auf Tiere musste Rücksicht genommen werden. So verhinderte einmal eine Ziegenherde das Torschusstraining, in einem anderen Fall sorgte ein Insektenschwarm für eine kurze Spielunterbrechung, als sich alle Beteiligten auf den Boden warfen.

Geld war kaum vorhanden, aber manches auch fast so wie in Europa. Nach einer schlechten Leistung des Teams am achten Spieltag flogen Steine und der Trainer trat zurück. Tim wurde befördert und bekam seine Chance als Cheftrainer.

Der Autor und sein Buch

Der Sportstudent Tim Jost (25) mit seinem Buch vor der Kölner Sporthochschule.
Der Sportstudent Tim Jost (25) mit seinem Buch vor der Kölner Sporthochschule.  © DSHS Köln

Tim Jost hat seine Erfahrungen mit der (Fußball)- Kultur Tansanias in einem Buch mit zahlreichen Anekdoten niedergeschrieben. Dort erfährt der Leser auch, ob der Jungtrainer mit seinem Team in einer turbulenten Endphase der Saison den Klassenerhalt schaffte.

Das Buch " Ballzauber in Tansania" ist im April 2019 im Meyer & Meyer Verlag erschienen.

Der allgemein sportbegeisterte Tim setzt nach einer weiteren Auslandsstation in China nun sein Master-Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln fort.

Was danach folgt, hält er sich noch offen. Fußball spiele aber "gewiss eine große Rolle in den Überlegungen".

Titelfoto: Tim Jost

Mehr zum Thema Köln Kultur & Leute:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0