"Tatort"-Kritik: Ballauf, Schenk und das große Tappen im Dunkeln

Köln - Nach dem erzählerisch ungewöhnlichen "Tatort: Weiter, immer weiter" lieferte der aktuelle Kölner "Tatort: Bombengeschäft" am Sonntag wieder sehr bodenständige und über weite Strecken recht gelungene Krimi-Kost.

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, li.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) können zunächst nur schwer Zusammenhänge in ihrem neuesten Mordfall entdecken.
Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, li.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) können zunächst nur schwer Zusammenhänge in ihrem neuesten Mordfall entdecken.  © WDR/Martin Valentin Menke

So schaffte es Drehbuch-Autor und Regisseur Thomas Stiller die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sowie die Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappen zu lassen.

Erst im letzten Drittel und mit dem Einbruch von Joachim Maiwald (Adrian Topol) bei Alena Krämer (Alessija Lause), der Frau des getöteten Bomben-Entschärfers Peter Krämer (Beat Marti), wurde langsam klar, was hinter Krämers Ableben steckte.

Bis dahin schien es so, dass Krämer vom Kaufvertrag einer kostspieligen Immobilie aus einer finanziellen Schieflage heraus zurückgetreten war. Eine Tatsache, die allerdings nicht unbedingt etwas mit seinem Tod zu tun haben musste und zunächst wie eine Nebenhandlung wirkte.

Doch dann gerieten der Immobilienmakler Gebel (Marco Hofschneider) sowie Joachim Maiwald, der für Gebels millionenschweres Bauprojekt die Kampfmittel-Freiheit der Baugrundstücke bestätigt hatte, in den Fokus der Ermittlungen.

Beide steckten hinter dem Tod Krämers, der anhand einer alten Luftaufnahme der US-Luftstreitkräfte herausgefunden hatte, dass auf dem Gelände sogar zwei nicht detonierte Fliegerbomben niedergegangen sein mussten - deshalb also auch sein Rücktritt vom Kaufvertrag.

Als die Aufnahme dann in die Hände von Alena Krämer und Peters ehemaligem Kollegen Alexander Haug (Sascha Alexander Geršak) gefallen war und Alexander damit Gebel erpresste, kam die Sache schließlich ins Rollen.

Ordentlich konstruierter "Tatort"-Fall mit ein paar Wendungen zu viel

Der Immobilienmakler Gebel (Marco Hofschneider) und sein Projekt "Flora Quartier" rückt bald in den Fokus der Ermittlungen.
Der Immobilienmakler Gebel (Marco Hofschneider) und sein Projekt "Flora Quartier" rückt bald in den Fokus der Ermittlungen.  © WDR/Martin Valentin Menke

Da Regisseur Stiller zuvor in der komplexen Figuren-Konstellation noch das ein oder andere mögliche Motiv für den Mord an Krämer (Eifersucht, Übervorteilung) angedeutet hatte, konnte man als Zuschauer durchaus seinen Spaß daran haben, gemeinsam mit den Kommissaren über die Zusammenhänge und Hintergründe zu grübeln.

Dazu sorgten die Einblicke in den Alltag von Kampfmittel-Beseitigern ebenfalls für einen gewissen Mehrwert.

Der Fall war insgesamt ordentlich konstruiert, auch wenn die Handlung hier und da überfüllt wirkte. Krämers heimliche Zuwendungen an seinen nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselten Ex-Kollegen Haug über einen manipulierten Spiel-Automaten war da zum Beispiel doch etwas weit hergeholt.

Auch das krampfhaft dramatische Finale, in dem Maiwald unbedingt noch vor seiner Verhaftung eine Bombe entschärfen musste und dabei sich und seinen Vater in akute Lebensgefahr brachte, hätte nicht sein müssen.

Und letztlich wäre das ein oder andere zusätzliche Detail darüber, wie Krämer aus dem Weg geräumt wurde - etwa als Flashback - ganz hilfreich gewesen. So blieb die genaue Ausführung der Tat an sich reichlich unklar

Dennoch: Fans klassischer "Tatort"-Unterhaltung ohne allzu viel Finesse, bei der der konkrete Fall und die Ermittlungsarbeit im Mittelpunkt stehen, dürften beim "Tatort: Bombengeschäft" auf ihre Kosten gekommen sein.

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