Müssen die Todesraser nun doch in den Knast?

Köln – Der Tod einer Radfahrerin bei einem illegalen Autorennen in Köln-Mülheim wird ab Montag erneut vor Gericht verhandelt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das erstinstanzliche Urteil mit verhängten Bewährungsstrafen aufgehoben. Nun müssen die beiden Angeklagten mit Haftstrafen rechnen.
Die beiden Angeklagten wurden 2016 zu Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Die beiden Angeklagten wurden 2016 zu Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.  © DPA

Es war so sinnlos wie furchtbar, was im April 2015 am Auenweg in Köln-Mülheim passierte: Eine Radfahrerin verliert ihr Leben, weil zwei Raser sich in Köln ein Rennen liefern. Die zunächst verhängten Bewährungsstrafen hielt der BGH für unangemessen.

An diesem Montag (12. März) startet vor dem Kölner Landgericht der Revisionsprozess gegen zwei junge Männer, die bereits wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt worden waren. Nun müssen die beiden in Deutschland geborenen Männer türkischer Abstammung doch noch damit rechnen, ins Gefängnis zu kommen.

Im April 2015 hatten sich die damals 21 und 22 Jahre alten Angeklagten mit getunten Autos in Köln-Deutz ein spontanes Rennen geliefert. Einer der Wagen erfasste mit Tempo 95 eine 19 Jahre alte Radfahrerin, die tödliche Verletzungen erlitt. Der Fall hatte überregional für Entsetzen gesorgt.

Das Kölner Landgericht verurteilte den Unfallfahrer zu zwei Jahren und seinen Kumpel zu einem Jahr und neun Monaten - jeweils auf Bewährung. Das Urteil stieß in der Bevölkerung auf viel Unverständnis, die Staatsanwaltschaft ging in Revision. Für fahrlässige Tötung sind in diesem Fall bis zu fünf Jahre Haft möglich.

Härtere Strafen bei illegalen Autorennen

Die Gedenkstätte für die getötete Radfahrerin am Unfallort (Archiv).
Die Gedenkstätte für die getötete Radfahrerin am Unfallort (Archiv).  © DPA

Nach Auffassung des BGH hatten die Kölner Richter bei ihrem Urteil von 2016 nicht berücksichtigt, wie sich die Bewährungsstrafen auf das allgemeine Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirken würden.

Außerdem hätten sie nicht beachtet, dass die beiden Raser den Unfall mit ihrer aggressiven Fahrweise vorsätzlich herbeiführten. Die Höhe der Freiheitsstrafen von zwei Jahren sowie einem Jahr und neun Monaten beanstandete der BGH dagegen ebenso wenig wie die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung.

Es ist schon der zweite Anlauf für den Revisionsprozess: Der erste war im Dezember wegen der möglichen Befangenheit eines Schöffen geplatzt.

Seit Oktober 2017 gibt es den neuen Paragrafen 315d des Strafgesetzbuches, der verschärfte Sanktionen für verbotene Rennen vorsieht. Allein die Teilnahme an einem Rennen kann nun mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Wird jemand bei einem Rennen schwer verletzt oder getötet, drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft.

Raserei und illegale Rennen führen immer wieder zu schweren Unfällen - und die Gerichte sind in der Vergangenheit zu sehr unterschiedlichen Urteilen gekommen. Auch der BGH gibt keine eindeutige Linie vor, sondern sagt: Jeder Einzelfall muss sorgfältig geprüft werden.

Titelfoto: DPA


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