Wie Kölner Senioren durch türkische Call-Center betrogen werden

Köln – So beruhigend die Kölner Kriminalitätsstatistik für 2018 insgesamt ist, so alarmierend sind die um 34 Prozent deutlich gestiegenen Fallzahlen des Betrugs an Senioren. Die Polizei hat das Problem längst erkannt, die Hintermänner sitzen jedoch in vielen Fällen in der Türkei.

Die Kölner Polizei will Senioren-Betrügern das Handwerk legen (Symbolbild).
Die Kölner Polizei will Senioren-Betrügern das Handwerk legen (Symbolbild).  © Polizei Köln

Offenbar haben es die Kriminellen durch die veränderte Polizei-Präsenz vor allem auf ältere, leichte Opfer abgesehen. Die Täter haben den Enkeltrick längst weiterentwickelt und geben sich beispielsweise auch als falsche Polizisten aus oder nutzen ähnlich dreiste Maschen.

Die Kölner Polizei erklärte nun, wie die Betrüger-Banden vorgehen. In vielen Fällen werden die Senioren von Call-Centern aus der Türkei angerufen.

Adressen und Telefonnummern der Senioren kaufen die Täter im Internet. Auch Rocker sollen in diese illegalen Machenschaften involviert sein.

Die Mitarbeiter geben sich als Polizisten aus, passend dazu erscheint die "110" im Display. Die Betrüger gaukeln den Opfern vor, Ihnen helfen zu wollen, haben es aber nur auf das Geld der Menschen abgesehen.

Die Senioren werden unter Druck gesetzt, ihre Wertsachen "zum Schutz" abzugeben oder Bargeld abzuheben und dieses vermeintlichen Verwandten zu geben. Komplizen vor Ort greifen dann Geld oder Wertgegenstände ab.

Besonders dreist: In einigen Fällen wurden Senioren dazu überredet, ihren Schmuck aus dem Fenster zu werfen. Andere Opfer wurden so lange zum Geldabheben genötigt, bis das Konto leer geräumt war.

Deutsch-türkische Kooperation soll Betrüger stoppen

An manchen Tagen rufen die Betrüger 50 oder mehr Senioren in Köln an (Symbolbild).
An manchen Tagen rufen die Betrüger 50 oder mehr Senioren in Köln an (Symbolbild).  © 123RF

Zum Glück blieb es in 75 Prozent der Fälle beim Betrugsversuch. Dennoch fielen 551 ältere Menschen im letzten Jahr auf die Betrugsmasche herein.

Zwei Dinge machen die Ermittlungen der Polizei schwierig. Zum einen lassen sich die Anrufe an sich kaum verhindern. Laut Polizei gibt es immer wieder Anruf-Wellen. So hätten sich vor kurzem an einem Tag 50 Senioren bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet, wobei die Dunkelziffer noch höher sei.

Zweitens kann die Polizei durch aufmerksame Senioren und fingierte Übergaben zwar die "Abholer" schnappen. Aber um an die Hinterleute der Verbrechen zu gelangen, ist eine Kooperation mit den türkischen Behörden notwendig. Mehrere deutsche Großstädte hätten sich bereits an Stellen in der Türkei gewendet. Da es sich um ein "unpolitisches" Delikt handele und die Täter auch türkische Senioren betrügen, sei eine Zusammenarbeit durchaus möglich.

Die Polizei will ihre Aufklärungsarbeit weiter fortsetzen. Denn die Behörde rufe nicht unter der Nummer "110" an und hole auch keinen Schmuck oder Geld ab (einige Täter klingeln auch an der Tür).

Betroffene sollten nicht aufmachen bzw. auflegen und die Fälle der Polizei melden. Das geschärfte Bewusstsein führte laut Polizei in einigen Fällen auch dazu, dass Bankmitarbeiter den Betrug verhinderten.

Titelfoto: Polizei Köln


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