Darum geht Wolfgang Niedecken an Heiligabend mit einem Spachtel zum Rhein

Köln – Manche Menschen gehen an Heiligabend noch schnell Geschenke kaufen. Wolfgang Niedecken (68) geht an Heiligabend am Rheinufer Moos suchen, ausgerüstet mit einem Spachtel.

Wolfgang Niedecken steht in der Severinsstrasse vor seinem Elternhaus.
Wolfgang Niedecken steht in der Severinsstrasse vor seinem Elternhaus.  © Oliver Berg/dpa

Niedecken sucht Moos als Bodenbelag für seine Krippe. Die Figuren hat er in einem Urlaub in Costa Rica gekauft und anschließend selbst bemalt. Das Jesuskind trägt eine Leopardenwindel, Maria ein Sternenkleid, und zwei Schäfchen haben Tigerfell.

Es ist kurz vor Weihnachten. Wolfgang Niedecken schlendert über die Severinstraße in der Kölner Südstadt - seine Penny Lane.

Hier dauert es immer nur Minuten, ehe er von einem ehemaligen Nachbarn erkannt wird: "Hey Wolfgang, wie geht's dir?" Das Haus, in dem er aufgewachsen ist, sieht noch so aus wie damals, nur ist jetzt ein Reisebüro unten drin.

An Heiligabend herrschte hier immer furchtbarer Stress, schließlich wollten viele noch auf den letzten Drücker fürs Weihnachtsessen einkaufen. Bis zum späten Nachmittag blieb der Laden offen. Und dann musste erstmal saubergemacht werden, ehe die Niedeckens überhaupt an ihre eigene Feier denken konnten.

"Das war immer eine hochexplosive Stimmung", erinnert er sich. "Es genügte ein falsches Wort, dann hing der Haussegen schief. Vielleicht hat das mit dazu geführt, dass ich ein Weihnachtsmuffel bin." Er feiert schon auch mit, aber bitte nicht zuviel - ein Pflichtweihnachtsmarktbesuch pro Saison reicht ihm zum Beispiel.

Woher der Bandname "BAP" stammt

Das undatierte Handout zeigt den Musiker Wolfgang Niedecken mit seinem Vater an Weihnachten neben einem Christbaum.
Das undatierte Handout zeigt den Musiker Wolfgang Niedecken mit seinem Vater an Weihnachten neben einem Christbaum.  © privat/DPA

Auf Kommando in Weihnachtsstimmung zu verfallen, liegt ihm gar nicht. "Ich bin da undressierbar. Das Schlimmste ist, wenn wir bei Verwandten sind und dann verlangt wird, wir sollen singen. Da kann ich wie ein trotziger kleiner Junge sein. Ich krieg dann richtig hektische Flecken im Gesicht."

In die Christmette geht er nicht, aber wenn er allein ist, führt ihn der Weg durchaus schon mal in eine von Kölns romanischen Kirchen. "Ich bin restkatholisch. 51 Prozent Katholik, 49 Prozent Agnostiker. Sobald ich aber in der Kirche bin und den Gekreuzigten sehe, komme ich mir vor wie in einem dieser alten Don Camillo-Filme aus den 50er Jahren. Da könnte ich mich niemals danebenbenehmen."

Wolfgang Niedecken steht vor seinem Elternhaus. "Ich hatte hinten das letzte Zimmer", sagt er und deutet auf die zweite Etage. Er war der Inbegriff eines Papa-Kinds.

Sogar der Name BAP geht auf den Vater zurück: Weil Niedecken seine Musikerkollegen immer wieder mit Geschichten über Papas Sparsamkeit unterhielt, begannen sie ihn mit der Zeit selbst den "Bapp", den Papa, zu nennen. Als sie dann einen Namen für die Band brauchten, griffen sie darauf zurück, ließen das zweite "p" aber weg.

Niedeckens Ritual: Das Moossuchen für die Krippe

Später hatten sich Vater und Sohn nicht mehr viel zu sagen. Josef Niedecken hielt wenig von den künstlerischen Ambitionen seines Sohns, er hat BAP nie auf der Bühne erlebt. 1980 ist er gestorben. Heute fällt Wolfgang Niedecken immer wieder auf, wie ähnlich er ihm ist.

"Mein Vater war auch ein Weihnachtsmuffel, das hab' ich von ihm. Das einzige, was er sich an Heiligabend nicht nehmen ließ, war das Moossuchen für die Krippe. Ein Ritual, an dem ich auch hänge."

Das undatierte Handout zeigt die Weihnachtskrippe im Haus von Musiker Wolfgang Niedecken.
Das undatierte Handout zeigt die Weihnachtskrippe im Haus von Musiker Wolfgang Niedecken.  © privat/DPA

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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