Dresdner und sein Lebensretter sehen sich nach 50 Jahren wieder

Königsbrück / Dresden - 1968 spielte sich in Königsbrück ein Drama ab. Ein Kleinkind (19 Monate) war auf ein Hausdach geklettert, drohte zehn Meter tief abzustürzen. Ein junger Sowjetsoldat (22), der zufällig in der Nähe war, rettete den Knaben damals. Jetzt sahen sich Lebensretter Valentin Bobukh (72) und der gerettete Torsten Möbius (51) erstmals wieder - nach genau 50 Jahren.

Valentin (damals 22) und Torsten (damals 1) zur Ehrung 1968. Danach riss der Kontakt ab.
Valentin (damals 22) und Torsten (damals 1) zur Ehrung 1968. Danach riss der Kontakt ab.  © Norbert Neumann

Sie war nur kurz weg die Erdbeeren holen, da war ihr kleiner Torsten plötzlich aus der Dachgeschosswohnung verschwunden.

"Ich war völlig schockiert, mein Geist weg", erinnert sich Mutter Christine Möbius (74) an die dramatischen Minuten vor einem halben Jahrhundert zurück.

Torsten war über ein Mini-Fenster aufs schräge Dach geklettert, dort hinuntergerutscht, am rostenden Schneegitter hängen geblieben. Niemand konnte ihn erreichen, ein Helfer war zu dick fürs enge Fenster.

Zufällig kam da Fallschirmjäger Valentin vorbei, damals in einer Königsbrücker Sowjet-Kaserne stationiert.

Er rannte nach oben, schnallte seinen Gürtel ums Bein, zwängte sich kopfüber durchs Fenster, rettete Torsten. Valentin erhielt die Lebensretter-Medaille, danach riss der Kontakt ab.

Der Soldat wurde aus Deutschland abkommandiert. Kontakt hatten sie keinen mehr. Briefe kamen nicht an, blieben unbeantwortet. Bis Valentins Sohn (30) den Geretteten bei Facebook entdeckte!

1968 wurde Valentin wenige Monate nach der Rettung für seine Heldentat ausgezeichnet.
1968 wurde Valentin wenige Monate nach der Rettung für seine Heldentat ausgezeichnet.  © Norbert Neumann

Zum Dank für alles lud Familie Möbius ihren Helden zum Retter-Jubiläum nach Sachsen ein.

Montag das lang ersehnte Wiedersehen in Dresden, die Umarmung herzlichst: "Ich hatte ihn ja noch nie bewusst wahrgenommen. Und doch gehörte er immer zu meinem Leben", sagt Torsten, selbst längst Familienvater.

"Danke Valentin, dass es dich gibt!" Pensionär Valentin stahlt: "Ich habe mein ganzes Leben an ihn gedacht, wusste aber nichts von ihm. Jetzt bin ich überwältigt.

Für mich ist das Wiedersehen ein Wunder." Mutter Christine: "Das zweite Wunder. Ohne das erste vor 50 Jahren hätten wir unseren Jungen nicht mehr." Am Dienstag wollen sie zusammen die alte Heimat Königsbrück besuchen.

Ergreifend: Nach 50 Jahren sahen sich der pensionierte Sowjetsoldat Valentin Bobukh (72) und Torsten Möbius (51, heute Sicherheitstechniker in Dresden) zum ersten mal wieder.
Ergreifend: Nach 50 Jahren sahen sich der pensionierte Sowjetsoldat Valentin Bobukh (72) und Torsten Möbius (51, heute Sicherheitstechniker in Dresden) zum ersten mal wieder.  © Norbert Neumann

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0