Tödliche Medikamentenversuche an Kindern: Arzt verabreichte in 61 Fällen falsche Medizin

Vergeblich protestierte eine Ärztin gegen die Experimente (Symbolfoto).
Vergeblich protestierte eine Ärztin gegen die Experimente (Symbolfoto).  © DPA

Königstein/Kassel - Bei Medikamentenversuchen in der Heilanstalt Mammolshöhe in Königstein (Hochtaunuskreis) sind in den 1940er Jahren vier Kinder gestorben.

Dort wurden jungen Patienten nicht zugelassene Mittel gegen Tuberkulose verabreicht, berichtet die "Frankfurter Rundschau".

Die Heilstätte gehörte zu einer Vorgängerorganisation des heutigen Landeswohlfahrtsverbands Hessen (LWV). "Wir werden jetzt überlegen, wie wir zur Klärung dieser Sachverhalte beitragen können und mit der Aufarbeitung beginnen", sagte eine LWV-Sprecherin in Kassel.

In einem Fachartikel aus dem Jahr 1949 hatten zwei Mitarbeiter des damaligen Anstaltsleiters Werner Catel von den tödlichen Versuchen berichtet. Ein medizinhistorischer Artikel von 1999 spricht sogar von vier toten Kindern. "Diese Fälle kannten wir vorher nicht", erklärte die LWV-Sprecherin.

Denn man habe keinerlei Krankenakten aus der Zeit, nur Personalakten. Die dokumentieren Catels nationalsozialistische Vergangenheit: Er war während der NS-Zeit als Kinderarzt am Mordprogramm für "unwertes Leben" beteiligt, wurde später von Behörden als "entnazifiziert" eingestuft.

Nun liegen dem Landeswohlfahrtsverband die Fachartikel vor. Aus denen gehe hervor, dass den 61 Jugendlichen zwischen 9 und 22 Jahren Medikamente verabreicht wurden, die für Kinder nicht zugelassen waren. Auch seien ihre Erziehungsberechtigten nicht informiert worden. Eine Ärztin habe damals vergeblich gegen die Versuche protestiert, weil es erhebliche Nebenwirkungen gegeben habe.

Der Landeswohlfahrtsverband will nun über die damaligen Vorfälle forschen.


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