Können Diabetes-Medikamente zur Krebsheilung beitragen?

London - Bestimmte Medikamente, die schon lange auf dem Markt sind, sollen laut Studien auch erfolgreich gegen Krebstumore eingesetzt werden können. Gefördert werden diese Studien und deren Einsatz gegen Krebs aber nicht. Sie bringen zu wenig Geld ein.

Wie das Diabetes-Medikament sich auf den Krebs auswirkt, ist noch nicht gesichert. (Symbolbild)
Wie das Diabetes-Medikament sich auf den Krebs auswirkt, ist noch nicht gesichert. (Symbolbild)  © Unsplash/ Ken Treloar

Heilen können sie Krebs nicht. Aber sie können scheinbar den Wachstum der Krebszellen eindämmen und eine Ausbreitung und Vermehrung stoppen. In Kombination mit einer Standard-Krebstherapie soll das laut Studien möglich sein, berichtet der "Daily Mail"

Studien dazu, gibt es wohl schon seit den 80er Jahren. Die Finanzierung gestaltet sich jedoch schwieriger, als man meinen würde. Denn: Mit den "alten" Medikamenten lässt sich nur wenig Umsatz machen.

Das Medikament, das mehr kann, als allgemein bekannt, ist das sogenannte Metformin. Besser bekannt als Diabetes-Medikament.

Schon über zehn Jahre wurde das Medikament nicht mehr gegen Krebstumore eingesetzt. Aber nicht etwa, weil es schädlich ist. Es ist das am häufigsten und längsten verabreichte orale Antidiabetikum.

Genutzt wird das Präparat seit vielen Jahren in der Behandlung gegen Diabetes Typ 2 und bei leichtem, bis krankhaftem Übergewicht.

Wie das Medikament bei Diabetes-Patienten wirkt, ist wissenschaftlich bewiesen. Es stoppt die Überproduktion von Glukose in der Leber.

Wie es bei der Krebstherapie genau wirkt, ist allerdings noch nicht gesichert

Immer mehr teure neue Medikament kommen auch. Vielleicht ist das in dem Umfang gar nicht nötig. (Symbolbild)
Immer mehr teure neue Medikament kommen auch. Vielleicht ist das in dem Umfang gar nicht nötig. (Symbolbild)  © Rolf Vennenbernd/dpa

Vermutet wird, dass das Medikament die Versorgung der Krebszellen mit Glukose blockt, die diese zum Wachstum brauchen. Das führt dann dazu, dass der Tumor nicht weiter wachsen oder sich vermehren kann.

Außerdem wird vermutet, dass Metformin die Aktivität der Enzyme blockt, die für das Krebszellenwachstum verantwortlich sind.

Der Krebs wird also ausgehungert. Laut "American National Center for Biotechnology" soll es seit den 80er Jahren über 4.500 Studien dazu gegeben haben.

Dabei wird allerdings nicht das Medikament alleine gegen den Krebs eingesetzt. Es dient vielmehr als Zusatzmedikament neben Beispielsweise einer Chemotherapie.

Nach einer vor Kurzem erschienenen Studie, soll das Medikament zusätzlich eingenommen mit einem Krebsmittel, das Brustkrebszellwachstum um 76 Prozent reduziert haben.

Diese Erfolge reichen aber noch nicht aus, um vom Einzelfall auf die breite Masse zu schließen und deren positive Wirkung zu beweisen.

"Es ist noch mehr Arbeit erforderlich - wir brauchen die Ergebnisse weiterer Studien, bevor wir über die Rekrutierung von Patienten für große Humanstudien nachdenken können", so Dr. Jeremy Blaydes, leitender Autor der Studie.

Experten denken, dass die Pharmaindustrie sich zu sehr auf das Geld, als auf die Heilung konzentriert. (Symbolbild)
Experten denken, dass die Pharmaindustrie sich zu sehr auf das Geld, als auf die Heilung konzentriert. (Symbolbild)  © dpa/Tobias Hase

Auch der Sprecher des Wohltätigkeitsvereins "Breast Cancer Now", die die Studie finanziell unterstützten, will sich nicht zu früh freuen. Noch gäbe es keine Beweise dafür, dass das Medikament tatsächlich wirkt.

Eine weitere Studie des Arztes Dr. Robin Bannister, untermauert die vermutete Wirkung des Medikaments. Erschienen ist sie in dem Fachmagazin "Frontiers in Pharmacology".

95 Patienten mit einem Hirntumor sollen laut dieser Studie eine durchschnittliche Überlebenschance von 27 Monaten gehabt haben, wenn Metformin zusätzlich verabreicht wurde. 13 Monate länger als bei der Standardbehandlung.

Von der Krankenkasse werden solche Behandlungen nicht übernommen. Krebspatienten müssen also Ärzte finden, die ihnen die Medikamente privat verschreiben.

Patienten glauben zwar fest an die Wirkung, verschrieben werden kann es aber nicht

Wann und ob Metformin als zusätzliches Krebsmedikament zugelassen wird ist ungewiss. (Symbolbild)
Wann und ob Metformin als zusätzliches Krebsmedikament zugelassen wird ist ungewiss. (Symbolbild)  © dpa-tmn/Franziska Gabbert

"Ich sage nicht, dass Metformin die Heilung ist, aber ich glaube daran, dass es etwas bewirkt", so eine Patientin.

Ärzte dürfen diese Therapie aber (noch) nicht empfehlen, denn die positive Wirkung, aber auch die Wirkungsweise von Metformin ist nicht ausreichend bewiesen. Ein nachvollziehbarer Grund.

Der Grund für das fehlende Wissen über das Medikament ist da schon eher fraglich.

Denn die Forschung zu Medikamenten ist von der Pharmaindustrie abhängig. Die sorgen für die Finanzierung der meisten medizinischen Studien und halten aber natürlich wenig davon, in Studien zu günstigen Medikamenten zu investieren. Da springt nämlich wenig für sie raus.

Da ist sich auch der Krebs-Spezialist Karol Sikora sicher. Metaformin sei einfach viel günstiger als andere Krebsmedikamente, die sich finanziell für die Pharmaindustrie mehr lohnen würden.

Die Rechnung ist simpel, günstige Medikamente bedeuten weniger Einnahmen für die Industrie. Je teurer das Medikament, desto besser ist das wiederum für die Pharmakonzerne, in deren Forschung sie dann auch gerne Geld stecken.

Somit werden Studien zum Medikament von der Industrie nicht gefördert, was die Finanzierung der Forschung erheblich erschwert und dadurch neue Ergebnisse zur Wirkungsweise von Metformin auf sich warten lassen.

Ob das Medikament mit so wenig Förderungen und jemals als zusätzliche Krebsmedizin anerkannt und zugelassen werden kann, ist also fraglich.


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