Demo-Sonntag in Köthen: 1400 Menschen wettern gegen Merkel und "Volksverräter"

Köthen - Eine Woche nach dem Tod eines 22-Jährigen hat es in der sachsen-anhaltischen Kleinstadt erneut eine rechtsgerichtete Demo sowie Gegenprotest gegeben.

Die Demonstranten hatten ihrer Meinung auf zahlreichen Schildern Ausdruck verliehen.
Die Demonstranten hatten ihrer Meinung auf zahlreichen Schildern Ausdruck verliehen.  © DPA

Etwa 1400 Menschen folgten nach Polizeiangaben am Sonntagabend einem Aufruf mehrerer Vereine, darunter des fremdenfeindlichen Dresdner Pegida-Bündnisses.

Etwa 850 beteiligten sich an einer Demonstration für eine weltoffene Gesellschaft. Die Demos verliefen nach Angaben der Polizei zunächst weitestgehend störungsfrei (TAG24 berichtete).

In Köthen waren bei der rechtsgerichteten Demo Plakate wie "Volksverräter absetzen", "Heimatliebe ist kein Verbrechen" und "Es reicht, Frau Merkel, sie muss weg" zu sehen.

Mehr als 1000 Polizisten aus mehreren Bundesländern sicherten das Geschehen ab. Reiterstaffeln waren im Einsatz, Wasserwerfer standen bereit. Zeitweise kamen sich die Demonstrationszüge sehr nahe. Die Demos liefen laut Polizei nach vorläufigen Erkenntnissen aber weitestgehend störungsfrei.

Am Vortag hatte die Kleinstadt mit gut 26.000 Einwohnern ein Zeichen für ein friedliches Köthen gesetzt: Es wurden auf zahlreiche Straßen und Plätze bunte Kreidebotschaften wie "Frieden für Köthen" und "bunt ist schön" gemalt (TAG24 berichtete). Die Botschaften zierten den Markt auch noch während der rechtsgerichteten Demo am Sonntag. Auch die Köthener Jakobskirche öffnete am Sonntagnachmittag erneut ihre Türen und hielt mit Hunderten Teilnehmern einen Friedensgottesdienst ab.

Hintergrund der Demos ist der Tod eines 22-Jährigen vor einer Woche. Nach Behördenangaben starb der schwer herzkranke Deutsche an einem Infarkt, nachdem er sich schlichtend in einen Streit zwischen mehreren Afghanen eingeschaltet hatte und ins Gesicht geschlagen wurde. Zwei 18 und 20 Jahre alte Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Seit dem Tod des Mannes gab es mehrere Demos in der Stadt. Bei der ersten Spontandemo vor einer Woche waren laut Verfassungsschutz rund 500 Rechtsextreme unter den 2500 Teilnehmern. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Volksverhetzung (TAG24 berichtete).


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