"Rassenkrieg gegen das deutsche Volk": Rechter Redner skandiert nach Todesfall in Köthen

Köthen - Was genau geschah am Samstagabend in Köthen (Sachsen-Anhalt)? Nach dem tragischen Tod von Markus B. (22, TAG24 berichtete) wollen die Behörden am Montag weitere Erkenntnisse mitteilen.

Am Sonntagabend kam es zu Demonstrationen in Köthen.
Am Sonntagabend kam es zu Demonstrationen in Köthen.  © Matthias Strauß

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht und Justizministerin Anne-Marie Keding (beide CDU) haben für den späteren Vormittag zu einer Pressekonferenz in Magdeburg eingeladen.

Laut bisherigem Wissensstand war es auf dem Köthener Karlsplatz zu einem Streit zwischen zwei Deutschen und einer Gruppe Afghanen gekommen.

In der Folge starb einer der Deutschen, Markus B. (22), im Krankenhaus an akutem Herzversagen. Zwei Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren wurden festgenommen (TAG24 berichtete).

Einer der beiden hielt sich in Deutschland auf, obwohl er abgeschoben werden sollte. Grund: Die Staatsanwaltschaft ermittelte noch gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung.

Auf unheimliche Art ähneln die Köthener Ereignisse, denen zwei Wochen zuvor in Chemnitz.

Anders als in Sachsen sei die Nacht in Köthen aus Sicht der Polizei aber ruhig verlaufen. Und das, obwohl am Sonntagabend sowohl linke als auch rechte Gruppierungen in der Stadt demonstrierten.

Dabei kam es zu einigen verbalen Ausfällen, die stark an die Rhetorik des dritten Reiches erinnerten.

So sprach der Chef des rechtsextremen Bündnisses Thügida, David Köckert, während einer Kundgebung von einem "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk" und rief zu Gewalttaten auf.

"Wir müssen endlich erwachen und sagen: Die wollen nicht friedlich mit uns leben. Also: Auge um Auge, Zahn um Zahn", so Köckert. Und weiter: "Wollt ihr weiterhin die Schafe bleiben, die blöken oder wollt ihr zu Wölfen werden und sie zerfetzen."

Auch den Medien drohte Köckert: "Wenn wir noch einmal die Macht bekommen, dann werden diese Flitzpiepen sich im dunklen Kellerverließ wiederfinden." Die ganze Ansprache wurde von "Buzzfeed" aufgezeichnet und transkripiert.

Köthen hat aus Chemnitz gelernt

Am Köthener Hauptbahnhof demonstrierten linke Gruppen. Es blieb friedlich.
Am Köthener Hauptbahnhof demonstrierten linke Gruppen. Es blieb friedlich.  © Tom Wunderlich

Im Anschluss zogen einige hundert Rechtsextreme, ähnlich wie in Chemnitz, in einem sogenannten Trauermarsch durch die Straßen, brannten Pyrotechnik ab und skandierten Parolen wie "Frei, Sozial und National".

Eine Demonstration der Antifa am Hauptbahnhof von Köthen verlief friedlich. Beamte der Bereitschaftspolizei gewährleisteten den sicheren Abzug der Teilnehmer.

Gegen 22 Uhr kehrte Ruhe in Köthen ein. Die ganze Nacht über patrouillierten Polizisten durch die Stadt, um die Sicherheit zu garantieren.

Beobachter lobten, die Polizei habe aus den Vorfällen in Chemnitz gelernt und rechtzeitig Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert und dadurch die Lage jeder Zeit im Griff gehabt.

In Chemnitz war in der Nacht vom 25. zum 26. August der 35-jährige Daniel H. in Streit mit einem Syrer und einem Iraker geraden. Der Deutschkubaner wurde von fünf Messerstichen getroffen und starb auf der Straße. Nur Stunden später zogen Rechtsradikale durch die Stadt und die Polizei wirkte völlig überfordert.

Die Polizei hatte nach den gewalttätigen Protesten in Chemnitz mit weiteren Demonstrationen gerechnet und Verstärkung angefordert.
Die Polizei hatte nach den gewalttätigen Protesten in Chemnitz mit weiteren Demonstrationen gerechnet und Verstärkung angefordert.  © Tom Wunderlich

Updates zur Lage am Montag, 10.9.:

12.30 Uhr: Auf einer Pressekonferenz äußerten sich nun Innenminister und Staatsanwaltschaft zu dem Fall Köthen. Todesursache war demnach ein Herzinfarkt in Folge der körperlichen Auseinandersetzung mit den beiden Afghanen. Mehr Details hier.

11.06 Uhr: Der Staatsschutz prüft die Redebeiträge der rechten Demo am Sonntagabend in Köthen. Es gehe unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung, teilte eine Pressesprecherin der Polizei mit.

Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), teilte den zugehörigen Videoschnipsel und kommentierte: "Wer sich so äußert, hat den Boden unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung verlassen." Wer sich damit gemein mache, habe kein Verständnis verdient.

10.40 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer hat nach dem Tod von Markus B. vor übereilten Bewertungen gewarnt. "Es scheint so zu sein, dass die Todesursache nach der Obduktion feststeht, aber dass der Tathergang - für mich jedenfalls - noch nicht ausreichend geklärt ist", so der CSU-Vorsitzende am Montag vor einer Parteivorstandssitzung in München.

10.17 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat die Reaktion der Politik und der Bevölkerung Köthens gelobt. Er glaube nicht, dass ein zweites Chemnitz drohe, sagte Haseloff vor Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Politik und Bürger hätten rasch reagiert, "von Anfang an klar Kante gezeigt" und sehr verantwortungsbewusst gehandelt.

9.45 Uhr: Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild rief am Montag abermals zur Besonnenheit auf. Es sei schwer, wenn die Gewalt von außen nach Köthen komme, sagte der Sozialdemokrat im ZDF-"Morgenmagazin". Er selbst habe zwar keine Aktionen gegen Rechts geplant, wenn aber etwas passiere, seien die Köthener vorbereitet.


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