Demos in Köthen! 22-Jähriger starb an Herzversagen

Köthen - Nach dem Tod von Markus B. (22) haben mehrere Dessauer Gruppen auf Facebook zu Demonstrationen aufgerufen. Auch die AfD soll bereits einen Trauermarsch angekündigt haben.

In diesem Park in Köthen ereignete sich der tragische Vorfall.
In diesem Park in Köthen ereignete sich der tragische Vorfall.  © Matthias Strauß

Dieser sei für 19 Uhr in Köthen geplant, heißt es auf der Website der "Direct Action Crew - Dessau". Die AfD hat sich am Sonntag zu seinem Parteitag in dem Ort in Sachsen-Anhalt versammelt und soll von da aus geschlossen nach Köthen fahren wollen.

"Um dem rechten Lynchmob erst gar keine Chance zu geben, sich zu formieren, unkontrolliert durch die Stadt zu rennen und Jagd auf Migranten zu machen, rufen wir ebenfalls dazu auf, heute nach Köthen zu fahren!", heißt es in dem Post.

Der Aufruf wurde bereits von mehreren anderen Gruppierungen geteilit, darunter das "Bündnis Dessau Nazifrei" sowie die Linksjugend Leipzig. Eine Kundgebung sei bereits angemeldet.

Dieter Riefling, der bundesweit als Redner auf nationalistischen Aufmärschen und Kundgebungen auftritt, hat ebenfalls auf Twitter zu einem Trauermarsch aufgerufen. Treffpunkt soll der Friedenspark in Köthen sein. Die Gegendemonstranten versammeln sich am Bahnhof.

In Köthen endete am Samstag ein Streit zwischen mehreren Männern mit dem Tod eines 22-jährigen Deutschen. Die Polizei nahm daraufhin zwei Afghanen wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt fest (TAG24 berichtete).

Eine Hundertschaft der Polizei ist laut "Bild" bereits auf dem Weg nach Köthen. Weitere Einsatzkräfte sollen alarmiert worden sein. Auch ein Wasserwerfer sei ausgerückt.

Genaue Informationen zu den Hintergründen sind derzeit noch nicht bekannt. Es werde in alle Richtungen ermittelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Über die Geschehnisse in Köthen wird TAG24 heute Abend live berichten.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln derzeit in alle Richtungen.
Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln derzeit in alle Richtungen.  © Matthias Strauß

22.35 Uhr: Die Versammlung hat sich aufgelöst. Laut Polizei ist es in Köthen friedlich geblieben. Wir beenden den Live-Ticker damit.

21.30 Uhr: Die Versammlungen lösen sich langsam auf, viele Teilnehmer der Kundgebungen reisen ab.

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21.10 Uhr: Bei einer Kundgebung nach dem tödlichen Streit in Köthen ist die Stimmung unter den Teilnehmern nach stillem Beginn zwischenzeitlich aggressiver geworden. "Dies ist ein Tag der Trauer. Aber wir werden die Trauer in Wut verwandeln", sagte ein Redner am Sonntagabend auf dem Spielplatz, auf dem es am Vorabend zu dem Streit zwischen zwei Männergruppen gekommen war. "Widerstand", "Auge um Auge", "Zahn um Zahn" und "Wir sind das Volk" erschallte es aus dem Kreis der rund 500 Menschen, von denen viele Aufrufen rechter Gruppierungen in sozialen Netzwerken gefolgt waren. Andere skandierten "Lügenpresse". Als ein Beobachter die Szenerie mit einem Handy filmte, wurde er geschubst, die Polizei griff schnell ein. Mehrere Teilnehmer betonten, dass sich nicht nur Rechte zu dem Marsch versammelt hätten. Eine junge Frau sagte, sie dachte, Chemnitz sei weit weg - "aber Pustekuchen". Anschließend endete die Kundgebung am Spielplatz, die Teilnehmer machten sich auf den Rückweg.

© Tom Wunderlich

21 Uhr: Vor dem Bahnhof wird die Lage brenzlig. Rechte und Linke stehen nur wenige Meter voneinander entfernt. Die Polizei hält sich bereit für den Fall, dass die Situation eskaliert.

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20.40 Uhr: Nach dem tödlichen Streit in Köthen haben sich neuesten Schätzungen zufolge rund 500 Menschen am Sonntagabend an dem Trauermarsch beteiligt. Rechte Gruppierungen hatten in sozialen Netzwerken zur Teilnahme an der Aktion in der Stadt in Sachsen-Anhalt aufgerufen. Die Teilnehmer zogen nach Augenzeugenberichten schweigend und ohne Transparente oder Spruchbänder durch die Straße in Richtung eines Spielplatzes, wo sich der Streit ereignet hatte. Dort legten Teilnehmer Blumen nieder.

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20.30 Uhr: Angehörige des Opfers sowie Personen, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, haben am Tatort Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt.

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Nach einem Streit war der 22-Jährige zusammengebrochen und gestorben.
Nach einem Streit war der 22-Jährige zusammengebrochen und gestorben.  © Matthias Strauss

19.40 Uhr: Die Polizei zur aktuellen Lage in Köthen: "Es gibt aktuell zwei Versammlungen. An dem Trauermarsch nehmen zirka 1000 Personen teil. Der Marsch war nicht offiziell angemeldet, jedoch hat sich ein Versammlungsleiter zur Verfügung gestellt, um den Aufzug zu koordinieren. Am Bahnhof haben sich zirka 100 Teilnehmer einer Gegenveranstaltung eingefunden. Diese Demonstration wurde von der Landtagsabgeordneten der Linken, Henriette Quade, angemeldet."

18.50 Uhr: Der nach einem Streit ums Leben gekommene 22-Jährige ist nach Angaben der Polizei an akuten Herzversagen gestorben. Das Herzversagen stehe nicht "im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen", teilte die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost am Sonntagabend mit Blick auf das vorläufige Obduktionsergebnis mit.

18.45 Uhr: Rund 50 Menschen haben gegen rechte Hetze demonstriert. Sie waren dem Aufruf der Linken-Politikerin Henriette Quade gefolgt und hatten sich am Bahnhof der Stadt in Sachsen-Anhalt versammelt. "Wo sich der Mob formiert, funken wir dazwischen", war auf Spruchbändern zu lesen. In sozialen Netzwerken hatten außerdem rechte Gruppierungen zur Teilnahme an einem sogenannten Trauermarsch aufgerufen. Köthens Bürgermeister Bernd Hauschild (SPD) riet auf seiner Facebookseite von der Teilnahme an dieser Kundgebung aus Sorge vor gewaltbereiten Gruppen ab.

18.40 Uhr: Vor der Feuerwehr in Köthen haben sich mehrere Bürger sowie stadtbekannte Personen, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, versammelt. Die Bereitschaftspolizei aus Berlin und Niedersachsen überwacht die unangemeldete Versammlung.

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18 Uhr: Die Mitteldeutsche Zeitung schreibt am Abend, dass der 22-Jährige an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben sein soll. Das hätte die Obduktion ergeben. Auf Anfrage von TAG24 wurde diese Information von der Polizei vorerst nicht bestätigt.

17.45 Uhr: Die Polizei sammelt sich vor dem Hauptbahnhof in Köthen. Bis 18 Uhr sollen hier zahlreiche Demonstranten ankommen.

Die Gegendemonstration soll am Hauptbahnhof starten.
Die Gegendemonstration soll am Hauptbahnhof starten.  © Tom Wunderlich

17.40 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat vor einer Instrumentalisierung des Falls gewarnt. "Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen", sagte er am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) habe geeignete Schritte eingeleitet, damit es dazu nicht komme. "Die Politik sollte diesen traurigen Anlass nicht instrumentalisieren", sagte Haseloff. Er sprach den Angehörigen des Toten im Namen der Landesregierung sein "tief empfundenes Beileid" aus.

16.55 Uhr: Nach einem tödlichen Streit in Köthen bereitet sich die Polizei auf Proteste in der Stadt in Sachsen-Anhalt vor. Die Linken-Politikerin Henriette Quade meldete für Sonntag eine Demonstration gegen rechte Hetze an, die um 18 Uhr am Bahnhof beginnen sollte. In sozialen Netzwerken riefen außerdem rechte Gruppierungen zur Teilnahme an einem sogenannten Trauermarsch auf. Köthens Bürgermeister Bernd Hauschild (SPD) riet auf seiner Facebookseite von der Teilnahme an dieser Kundgebung ab - "da mir Informationen vorliegen, dass auch gewaltbereite Gruppen von außerhalb Köthens in großer Zahl anreisen werden". Hauschild war am Mittag mit anderen Politikern zum Tatort, einem Spielplatz, gekommen, um des Opfers zu gedenken. Er habe mit großer Bestürzung vom Tod des 22-Jährigen erfahren.

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16.50 Uhr: Zum Trauergottesdienst in St. Jakob in Köthen zwischen 16 und 17 Uhr waren die Bänke der St. Jakob Kirche voll besetzt.

St. Jakob Kirche in Köthen
St. Jakob Kirche in Köthen  © Tom Wunderlich

16.30 Uhr: Die Evangelische Landeskirche Anhalts will nach dem tödlichen Streit in Köthen Spenden für die Bestattung des Opfers sammeln. Die Spendensammlung sollte mit einer Trauerandacht am Sonntagnachmittag beginnen und noch einige Tage dauern, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig. "Der Tod eines Menschen ist der schlechteste Anlass für eine Instrumentalisierung", sagte Liebig. "Es betrifft die ganze Gemeinschaft, wenn jemand so aus ihrer Mitte zu Tode kommt." Zu der Andacht kamen etwa 300 Menschen, darunter auch mehrere Politiker.

Nach dem Todesfall in Köthen mahnt ein Vertreter der Kirche am Tatort die Menschen zur Ruhe.
Nach dem Todesfall in Köthen mahnt ein Vertreter der Kirche am Tatort die Menschen zur Ruhe.  © Matthias Strauss