Verschläft Sachsen die Energiewende?

Der sächsische BUND-Chef Felix
Ekardt (45).
Der sächsische BUND-Chef Felix Ekardt (45).

Berlin/Leipzig - Die Energiewende nimmt Fahrt auf: Jetzt verzichtet als erstes Bundesland überhaupt Berlin auf die Nutzung von Braunkohle. Das wird vor allem Sachsen schocken. Denn dort ist man noch lange nicht auf Ausstieg geeicht, wie ein Beispiel zeigt.

Eine sächsische Landschaft südlich von Leipzig: Hier, nahe Böhlen, fressen sich Jahr um Jahr Bagger in die Erde. Es riecht nach Staub. Das Auge sieht Mondland.

Doch während in Ostsachsen die Braunkohleförderung langsam ausläuft, erste Kraftwerke gedrosselt laufen und einige Tagebaue nicht wie geplant weiter erschlossen werden, kommt die Region nicht zur Ruhe: „Die Ortslagen Obertitz und Pödelwitz sollen abgebaggert werden - zusätzlich zum bereits genehmigten Tagebau“, klagt Felix Ekardt (45), Landesvorsitzender des BUND. „Damit würde Kohle für einen rund dreieinhalbjährigen Betrieb des Kraftwerks Lippendorf gewonnen werden, trotz Klimavorgaben für Deutschland.“ Es liefe bis 2040, würde jährlich weiter 500 Kilogramm Quecksilber und zehn Millionen Tonnen CO2 emittieren.

Die zuständige Kohlegesellschaft MIBRAG hält dagegen: „Das Kraftwerk produziert unter anderem Fernwärme für etwa 60 Prozent der Leipziger Haushalte.“

Dass es anders geht, zeigt Berlin. Das Land will den Ausstieg aus der Braunkohlenutzung noch in diesem Jahr beschließen! Der Plan wird am Donnerstag von der dort regierenden rot-rot-grünen Koaltion ins Plenum des Abgeordnetenhauses eingebracht.

Als Vorbild für Brandenburg und Sachsen, sagte Grünenfraktions-Chefin Silke Gebel (33): „Wir senden damit auch ein Signal in die Lausitz, dass dort der Strukturwandel, den wir wollen und der für die Menschen entscheidend ist, eher früher als später kommen muss.“

Um die Lausitz nicht zu „überfordern“:
Sachsens Regierungs-Chefs
Stanislaw Tillich (58, CDU, r.) und
seine Vize Martin Dulig (43, SPD)
halten nichts von schnellem Kohleausstieg.
Um die Lausitz nicht zu „überfordern“: Sachsens Regierungs-Chefs Stanislaw Tillich (58, CDU, r.) und seine Vize Martin Dulig (43, SPD) halten nichts von schnellem Kohleausstieg.  © Holm Helis

Titelfoto: Holm Helis


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