Meinung zum Klimawandel: Radikale Lösungen sind notwendig

Der Klimawandel betrifft die ganze Gesellschaft, weshalb auch alles in der Gesellschaft mit der Frage nach dem Klimawandel zusammenhängt, meint TAG24-Redakteur Florian Gürtler.

Der Klimawandel ist da. Er ist Realität. Er passiert vor unserer Haustür – und wir werden uns ihm anpassen müssen.

Die Trockenheit in Deutschland in diesem und dem letzten Sommer fällt auf – Vorboten des Klimawandels?
Die Trockenheit in Deutschland in diesem und dem letzten Sommer fällt auf – Vorboten des Klimawandels?  © Julian Stratenschulte/dpa

Wenn die große Mehrheit der damit befassten Wissenschaftler und Forscher nicht grundlegend irrt, dann ist der menschengemachte Klimawandel ein Fakt, an dem weder der Einzelne noch die Gesellschaft vorbei kann.

Der Dürre-Sommer 2018 und der nicht wirklich minder trockene Sommer 2019 sind wahrscheinlich ein Vorgeschmack auf das, was uns noch blüht.

Zu der unschönen Klimawandel-Wahrheit gehört auch, dass wir ihn nicht vermeiden können. Es geht schon lange nicht mehr um die Frage ob der Planet sich erwärmt? Es geht nur noch darum wie sehr er sich erwärmt?

Und – auch hierin ist sich die überwiegende Mehrzahl der Wissenschaftler einig – die menschlichen Gesellschaften haben die Möglichkeit, durch ihre Entscheidungen Einfluss darauf zu nehmen, wie sehr die Erwärmung des Klimas voranschreitet.

Doch was folgt nun daraus?

Kein Kommunismus, aber Primat der Politik

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Die Politik versucht gegenzusteuern, ebenso die Zivilgesellschaft in Form der "Fridays For Future"-Bewegung.

Man kann wie die Partei der Grünen über Verbote nachdenken und dafür Kritik einstecken, oder man kann wie die TAG24-Kolumnistin Gina Gadis versuchen, das Handeln der Menschen im Alltag klimaschonender und umweltverträglicher zu machen.

Das alles wird jedoch wahrscheinlich nicht reichen. Die Linken-Politikerin Janine Wissler aus Hessen hat den Finger in die Wunde gelegt, als sie darauf hinwies, dass es einen "grünen Kapitalismus, in dem alles weitergeht wie bisher" nicht geben werde.

Es ging der 38-Jährigen dabei um die Idee, dass für Klimarettung und Verkehrswende wichtige Unternehmen wie zum Beispiel große Fluggesellschaften wieder zu öffentlichen Unternehmen in staatlicher Hand werden sollten.

Dies ist wohlgemerkt nicht der Ruf nach Kommunismus und Planwirtschaft, die Marktwirtschaft bleibt erhalten. Der Gedanke hinter Janine Wisslers Ausführungen ist schlicht der, dass der ungezügelte Kapitalismus der neoliberalen Agenda wieder unter das Primat der Politik gestellt werden soll.

Klimawandel: Es braucht radikale Lösungen

Für die Verkehrswende ist die Deutsche Bahn unverzichtbar.
Für die Verkehrswende ist die Deutsche Bahn unverzichtbar.  © Peter Gercke/dpa

In den Augen vieler mag dies eine radikale Lösung sein, doch die Linken-Politikerin hat Recht.

Nur ein Unternehmen in öffentlicher Hand hat die Möglichkeit, den Zwang zu immer mehr Rendite und darum auch zu immer mehr Ausbeutung von Natur und Menschen zu durchbrechen. Nur öffentliche Unternehmen können das Gemeinwohl zum Ziel ihres Handelns machen.

Das betrifft nicht nur Fluggesellschaften wie die Lufthansa. Es betrifft auch die Deutsche Bahn und es betrifft die Wohnungsbaugesellschaften der großen Metropolen.

Denn wer will, dass die Verkehrswende Realität wird und weniger Autos auf den Straßen sind, der muss dafür Sorgen, das der öffentliche Nah- und Fernverkehr auf der umweltfreundlichen Schiene möglichst günstig wird.

Der Verkehrswende hilft es auch, wenn Kellnerinnen, Krankenschwestern, Bäcker und andere niedrig bezahlte Arbeitnehmer nahe genug an ihren Arbeitsplätzen wohnen können, um nicht mit dem Auto dorthin fahren zu müssen. Doch dafür müssen die Mieten in den Großstädten sinken.

Der Klimawandel betrifft die ganze Gesellschaft, weshalb auch alles in der Gesellschaft mit der Frage nach dem Klimawandel zusammenhängt. Hier braucht es radikale Lösungen, wen sich wirklich etwas ändern soll.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa, Florian Gürtler

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