Wie lange tun wir Dresden das noch an!?

Von Sebastian Günther

Plötzlich ist Dresden im Mittelpunkt der Debatte. Nicht als Kulturstadt. Nicht als Einkaufsstadt. Nicht als Barockstadt. Sondern als Fremdenhass-Stadt. Sicher übertrieben. Sicher urteilen die Menschen aus aller Welt mit unscharfen Konturen. Aber sie urteilen.

Etliche Bilder von dunkel gekleideten Menschenmassen mit Deutschlandfahnen in der Hand gehen um die Welt. Wöchentlich. Aufgenommen in Dresden. Wo der Ursprung einer neuen, großen Bewegung sein könnte. Wo plötzlich Zehntausende auf die Straße gehen. Von wo aus andere Städte angesteckt werden. Wie kommt das wohl in der Welt an? Bei internationalen Firmen, Investoren, Veranstaltern?

Ganz bestimmt haben nur die wenigsten Demonstranten böse Absichten. Ganz bestimmt hat jeder seine Gründe für die Teilnahme. Angst, Unzufriedenheit, Wut. Endlich darf man Dinge sagen, die man sich so lange nicht getraut hat. Und in der Gruppe fühlt es sich gut und richtig an, Sachen anzusprechen, für die man früher verurteilt wurde.

In der Tat sind viele Probleme liegen geblieben. Aufklärung zum Beispiel. Unwissenheit schafft Angst. Aber da passieren auch Straftaten. Diebstähle. Schlägereien. Das schürt Wut. Schließlich hat man sich als Gast in der Stadt zu benehmen. Wie sich aber einige Deutsche im Ausland benehmen, sehen wir ja jetzt schon am Ballermann. Nicht auszudenken, wie sich manche Fahnenträger benehmen würden, wenn sie aus Armut fliehen müssten. Würden auch da einige kriminell werden? Unzähliger Betrug mit Flutgeldern zeigt jedenfalls, wie ehrlich wir Deutschen sind, wenn es darum geht, abzusahnen.

Deutschland ist schön. Ich liebe meine Kultur. Meine Heimat. Meine Werte. Aber ich fühle mich plötzlich fremd. Fremd in meiner Stadt. Nicht wegen Fremden, nicht wegen Flüchtlingen oder dem Islam. Sondern wegen uns selbst. Ich erkenne die Menschen hier nicht wieder. Sie sind so hasserfüllt. Sie haben das miteinander Reden verlernt. So still und friedlich sie auf der Straße sind, so laut und aggressiv sind sie in Internet-Kommentaren. Plötzlich traut man sich selbst im Freundeskreis nicht mehr, das Thema anzusprechen.

Aber wir vergessen, dass uns alle eines eint: Wir lieben unsere Stadt. Lasst uns Dresden also nicht noch mehr Schaden zufügen, durch das falsche Bild, das nach außen entsteht. Auf Titelseiten, in TV-Shows, im Netz wird bereits mit dem Finger auf uns gezeigt. Lasst uns wieder anfangen, miteinander zu reden. Zuhören. Erst im Dialog werden wir merken, dass die Positionen gar nicht so verschieden sind. Ich wünsche mir einen friedlichen Dialog statt stumme Spaziergänge. Dresden zuliebe. Frohe Weihnachten!


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