Kommunalwahl 2020 in Bayern: Ex-Minister, Muslim, transsexuell?

Geiselbach - Bei keiner anderen Wahl in Bayern wird über mehr Posten entschieden als bei der Kommunalwahl. Fast 40.000 Mandate werden im Freistaat vergeben - die Bewerberzahl ist immens. Der ein oder andere sticht heraus.

Ozan Iyibas ist der erste muslimische Bürgermeisterkandidat der CSU.
Ozan Iyibas ist der erste muslimische Bürgermeisterkandidat der CSU.  © Lino Mirgeler/dpa

Marianna Krohnen: Als Krohnen Bürgermeisterin in Geiselbach wurde, spielten manche der heutigen Kommunalwahlkandidaten noch in Krabbelstuben. Seit 1984 steht die 68-Jährige an der Spitze der Gemeinde im Landkreis Aschaffenburg.

Damit ist die dreifache Mutter und fünffache Oma die dienstälteste Bürgermeisterin in Bayern. "Zuerst habe ich gedacht: Hoffentlich überstehst du die ersten sechs Jahre", erzählt die CSU-Politikerin.

Heuer will sie ihre 7. Amtszeit antreten - und wieder ehrenamtlich für die 2500-Einwohner-Gemeinde arbeiten. Länger im Amt ist bayernweit kaum jemand: Hermann Anselstetter aus Wirsberg (Landkreis Kulmbach) darf sich dienstältester Bürgermeister nennen. Schließlich wurde er bereits im Jahr 1978 erstmals gewählt.

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Ozan Iyibas: Iyibas ist der erste muslimische Bürgermeisterkandidat der CSU - in Neufahrn bei Freising (Oberbayern). Der 37-Jährige ist seit 2007 Parteimitglied und seit 2015 Vorsitzender des Arbeitskreises Migration und Integration der CSU auf Landesebene.

"Ozan Iyibas ist ein Bilderbuchbayer und gibt mit seiner Geschichte auch anderen ein Vorbild", lobt CSU-Generalsekretär Markus Blume. Zuvor hatte der CSU-Ortsverband Wallerstein (Kreis Donau-Ries) für Schlagzeilen gesorgt, weil dort ein möglicher muslimischer CSU-Bürgermeisterkandidat wegen Widerstands an der Basis aufgab.

Iyibas gehört wie seine Eltern den Aleviten an. Die Konfession wird regelmäßig, wenn auch nicht immer, dem Islam zugerechnet.

Hans Söllner: Er trat für die Legalisierung von Marihuana ein und legte sich immer wieder mit Vertretern der Staatsmacht an - besonders wenn sie der CSU angehörten. In Bad Reichenhall bewirbt sich der für seine politik- und gesellschaftskritischen Texte bekannte Liedermacher Söllner für das Amt des Oberbürgermeisters.

"Ich mache was, weil ich glaube, dass ich was ändern kann, und weil ich glaube, dass man mit den Leuten anders auch arbeiten kann als über Gesetze, über Verpflichtungen", begründet der 64-Jährige sein Interesse.

Kommunalwahl in Bayern: Alfons Hörmann tritt an

Mit Sybill Constance de Buer hat die AfD eine Überraschungskandidatin aufgestellt.
Mit Sybill Constance de Buer hat die AfD eine Überraschungskandidatin aufgestellt.  © Sybill Constance De Buer/dpa

Christian Schuchardt: Schuchardt ist der einzige CDU-Bürgermeister in Bayern.

Schuchardt stammt aus Hessen und trat dort in die CDU ein. Der 51-Jährige strebt eine weitere Amtszeit als OB in Würzburg an. Seine Chancen dürften nicht schlecht stehen - eigentlich: Denn Würzburg ist eine Hochschulstadt mit vielen jungen Leuten und hat sich offenbar zu einer Hochburg der Grünen entwickelt. Bei der Landtagswahl 2018 ging das Direktmandat an den Grünen-Politiker Patrick Friedl. Auch bei der Europawahl konnten die Grünen etwas mehr Wähler für sich gewinnen als die CSU.

Daher scheint auch die Möglichkeit eines künftigen Grünen-OB realistisch.

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Franz Josef Strauß: Wer Strauß auf den Stimmzetteln in den vergangenen Jahrzehnten vermisst hat, kann nun wieder sein Kreuzchen bei diesem Namen machen: Auf der Liste der CSU München-Land für den Kreistag steht der 33 Jahre alte Namensvetter des einstigen Übervaters der Partei, der mit diesem aber nicht verwandt ist.

Zwar hat er nur den letzten Listenplatz bekommen, ist aber dennoch mehr als zuversichtlich: "Das Beste kommt zum Schluss. Der letzte Platz ist richtig begehrt: Die meisten Wähler schauen auf die vordersten Plätze - und auf die hintersten. Die Chancen stehen also eigentlich gut."

Außerdem hofft der Angestellte der Gemeinde Aying, der in seinem Heimatort auch für den Gemeindetag kandidiert, mit seinem Namen auf den Promi-Bonus: "Bei dem Supernamen - es ist ja ein personenbezogene Wahl."

Sybill Constance de Buer: In Burghausen hat die AfD eine Überraschungskandidatin aufgestellt. Die Transsexuelle de Buer, gerade erst aus Bremen in die Stadt gezogen, bewirbt sich um die Nachfolge von Bürgermeister Hans Steindl (SPD).

Die 59 Jahre alte gelernte Köchin nannte im Portal "innsalzach24" als ihr größtes kommunalpolitisches Ziel, das örtliche Krankenhaus zu erhalten. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ergänzte sie: Verzicht auf Parkgebühren und ein neues Studentenheim. Ob sie die Wähler davon überzeugen kann, dass sie in nur vier Monaten - seit Dezember hat sie ihren Wohnsitz in Burghausen - die örtlichen Belange gut kennt, um im Rathaus zu sitzen? "Das ist jetzt meine Aufgabe."

Sie rechne mit acht bis zehn Prozent. "Alles, was mehr als zehn Prozent ist, ist für mich ein Ritterschlag", führte sie weiter aus.

Alfons Hörmann: Seit 2013 ist Hörmann Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Nun will der 59-Jährige zusätzlich Landrat im Oberallgäu werden.

Im Allgäu war der Kemptener bereits in der örtlichen Landjugend aktiv, trat später in seiner Wahlheimat Sulzberg für den Gemeinderat an, wurde Zweiter Bürgermeister, agierte im Oberallgäuer Kreistag. Aufgrund seiner Funktionärslaufbahn gilt Hörmann als bestens vernetzt, auch international.

Der Politiker ist Vorstandsvorsitzender des Bauteileherstellers Schöck. Als Landrat muss der CSU-Politiker diesen Posten niederlegen. DOSB-Boss möchte er bleiben - wegen möglicher Interessenskonflikte ist das umstritten.

Kommunalwahl in Bayern: Hans Reichhart mit klarem Ziel

Hans Reichhart hat vor wenigen Wochen seinen Posten als Bauminister aufgegeben.
Hans Reichhart hat vor wenigen Wochen seinen Posten als Bauminister aufgegeben.  © Matthias Balk/dpa

Gerhard Jauernig: Im schwäbischen Günzburg hat die SPD ihren seit 2002 regierenden OB Jauernig für eine vierte Amtszeit nominiert - keine Überraschung. Ungewöhnlich ist, dass die CSU zugunsten des Sozialdemokraten auf einen eigenen Bewerber verzichtet. Die Christsozialen sind mit Jauernig so zufrieden, dass sie ihn sogar nominiert haben.

Nun geht der Rathauschef, der bei den letzten beiden Wahlen je etwa 96 Prozent Zustimmung erhielt, als gemeinsamer Kandidat von SPD und CSU ins Rennen.

Hans Reichhart: Reichhart (CSU) hat vor wenigen Wochen seinen Posten als Bauminister aufgegeben, um im Landkreis Günzburg Landrat zu werden. Der 37-Jährige will den langjährigen CSU-Landrat Hubert Hafner ablösen, der aus Altersgründen bei der diesjährigen Wahl nicht mehr antritt.

Reichhart hat in Passau Jura studiert und danach einige Jahre als Richter und Staatsanwalt gearbeitet, ehe er im Jahr 2013 entsprechender Landtagsabgeordneter und Landesvorsitzender der Jungen Union in Bayern wurde.

Katrin Albsteiger: In Neu-Ulm will die ehemalige Junge-Union-Landesvorsitzende Albsteiger Rathauschefin und damit Nachfolgerin des CSU-OB Gerold Noerenberg werden, der nicht mehr kandidiert.

Albsteiger galt einst als weibliches Nachwuchstalent der Unionspartei. 2013 musste sie nach internem Druck den Posten als bayerische JU-Chefin räumen, wurde später aber stellvertretende JU-Bundesvorsitzende. Für eine Legislaturperiode saß er im Bundestag, wurde 2017 aber nicht wiedergewählt.

Inzwischen gehört die 36-Jährige dem CSU-Vorstand als Schatzmeisterin an.

Stephan Kettner: Eigentlich wollte er OB von Bamberg werden, jetzt steht sein Name nur auf der Stadtratsliste: Kettner (Bamberger Linke Liste) darf nicht zur Wahl des Stadtoberhaupts antreten, weil er Österreicher ist. "Ich war relativ optimistisch, dass ich die Staatsbürgerschaft kriege", sagt der 49-Jährige, der seit seiner Geburt in Deutschland lebt.

Doch sein Antrag scheiterte bei der Prüfung durch den Verfassungsschutz - denn er ist Mitglied der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten", die als linksextremistisch beeinflusste Organisation eingestuft wird.Es bliebe nur noch eine langwierige Anhörung, doch die verweigert der Sozialpädagoge.

"Ich finde es empörend, dass ich die deutsche Staatsangehörigkeit nicht bekomme, weil ich Gedenkarbeit gegen Nazismus unterstütze", sagte er.

Titelfoto: Montage: Lino Mirgeler/dpa, Sybill Constance De Bu

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