Kommunalwahl 2020: Das könnte sich durch die Wahl alles verändern

München - Für Bayern stehen 2020 Wahlen an. Und höchstwahrscheinlich steht dem Freistaat bei der Kommunalwahl am 15. März wie schon bei den Abstimmungen zu Europaparlament, Bundestag und Landtag große Veränderungen ins Haus.

Ein Mann in bayerischer Tracht betritt ein Wahllokal zur Landtagswahl in Bayern. (Archivbild)
Ein Mann in bayerischer Tracht betritt ein Wahllokal zur Landtagswahl in Bayern. (Archivbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Indikatoren für die sich abzeichnende Entwicklung gibt es viele: Seit Jahren sind bundesweit in der Parteienlandschaft schwere Verschiebungen zu beobachten.

Mit der AfD kämpft am rechten Rand eine neue politische Kraft um Stimmen, die Grünen sind auf einem Höhenflug und die auf kommunaler Ebene noch recht starke SPD steckt in einer existenziellen Krise.

Für einen Ausblick auf die Wahl gilt es aber noch mehr Unwägbarkeiten zu beachten: Verhilft der neue auf Mitte und Klimaschutz bedachte Kurs von Parteichef Markus Söder der CSU zu einer Trendwende und Stimmgewinnen?

Können die Freien Wähler auch in den Rathäusern von ihrer Regierungsbeteiligung im Land profitieren?

Und was passiert in Städten wie Nürnberg und Augsburg, wo erfahrene und unbestrittene Rathauschefs auf eine Wiederwahl verzichten?

Kurioserweise steht noch nicht fest, wie viele Mandate 2020 vergeben werden - 2014 waren es rund 39.000. Bei keiner anderen Wahl in Bayern wird über mehr Posten entschieden.

Die Ausgangslage der wichtigsten Parteien: Das steht bei CSU, SPD, AfD, Grünen und den Freien Wählern an

Die CSU-Oberbürgermeister-Kandidaten Marcus König (Nürnberg, l-r), Kristina Frank (München), Astrid Freudenstein (Regensburg) und Eva Weber (Augsburg) stehen für ein Selfi zusammen.
Die CSU-Oberbürgermeister-Kandidaten Marcus König (Nürnberg, l-r), Kristina Frank (München), Astrid Freudenstein (Regensburg) und Eva Weber (Augsburg) stehen für ein Selfi zusammen.  © Peter Kneffel/dpa

Daran arbeiten die wichtigsten Parteien zurzeit:

CSU: Parteichef Söder hat den Christsozialen auf allen politischen Ebenen einen neuen Stil verordnet. Sein Kurs der Mitte kommt bislang scheinbar gut bei den Menschen an - in Umfragen kletterte der Franke unlängst auf der Liste der sympathischen Politiker weit nach oben. Für die Kommunalwahl hat sich die CSU aber auch hohe Ziele gesetzt: In allen Städten will sie im kommenden Jahr stärkste Kraft werden. Eine mutige Ansage, denn gerade in den Ballungszentren hatte die Partei oft das Nachsehen.

SPD: Den Sozialdemokraten droht im Falle einer weiteren Wahlpleite der endgültige Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Auch einst sichere Hochburgen könnten verloren gehen. In München muss etwa Oberbürgermeister Dieter Reiter um seinen Posten bangen, weil nicht nur die Grünen besonders stark sind, sondern auch, weil die CSU eine chancenreiche Kandidatin ins Rennen schickt. Landeschefin Natascha Kohnen gibt sich dennoch optimistisch und rechnet fest mit der Trendwende.

AFD: Nach ihrem Einzug in den bayerischen Landtag will die AfD nun auch auf kommunaler Ebene richtig durchstarten. 2014 war sie nur in fünf Kommunen angetreten, wo ihr aber auch überall der Einzug in die Kommunalparlamente gelang. In München erzielte sie aus dem Stand 2,5 Prozent. Nachdem sich die Partei lange Zeit trotz vieler interner Querelen in Umfragen stetig verbessern konnte, scheint sie inzwischen ein heftiger interner Macht- und Richtungskampf zu lähmen. Ob und in welcher Form dies aber auch noch bei der Wahl im März eine Rolle spielt, bleibt abzuwarten.

GRÜNE: Selbst in der CSU gehen sie nicht mehr davon aus, dass die seit Jahren steigenden Umfragewerte der Grünen nur ein zwischenzeitliches Hoch sind. Seit der Landtagswahl stellen die Grünen nicht nur die stärkste Oppositionskraft und wollen nun auch auf kommunaler Ebene weiter vorankommen. Spannend ist dabei insbesondere, ob es den Grünen nach den Erfolgen bei der Landtagswahl etwa in München gelingen wird, erstmals auch einen Oberbürgermeister zu stellen. Ein Problem der Grünen ist dabei, dass die Parteistruktur nicht dem aktuellen Erfolg gewachsen ist - gerade außerhalb der städtischen Zentren fehlen oft Ortsvereine und damit mögliche Kandidaten, weshalb auch Nicht-Parteimitglieder für die Grünen antreten können.

FREIE WÄHLER: Erfahrungsgemäß dürften hier auch die inzwischen mit der CSU in der Landesregierung sitzenden Freien Wähler eine besondere Rolle spielen. 2014 war die Landesvereinigung erstmals zur Kommunalwahl angetreten und hatte auf Anhieb zwölf Landratswahlen gewonnen. Nachdem sich die Partei von Hubert Aiwanger traditionell gerne bei jeder Gelegenheit auf ihre kommunalen Wurzeln beruft, ist nun die spannende Frage, ob sie auf kommunaler Ebene von ihrer Regierungsbeteiligung profitiert oder ob sie diese Stimmen kostet.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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