Korruptions-Skandal: Altkönig Juan Carlos hat angeblich heimlich Spanien verlassen

Madrid - Der spanische Ex-König Juan Carlos soll zu seiner Herrschaftszeit 100 Millionen Dollar an Schmiergeldern kassiert haben. Wegen der Affäre ist er nun erstmal ins Ausland gereist.

Juan Carlos (82), der ehemalige König Spaniens hat sein Heimatland vorerst verlassen. (Archivbild)
Juan Carlos (82), der ehemalige König Spaniens hat sein Heimatland vorerst verlassen. (Archivbild)  © Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa

Medienberichten zufolge hat der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte Monarch sein Land schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen.

Der 82 Jahre alte Vater von König Felipe VI. sei bereits am Wochenende ausgereist, berichteten der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTVE und andere spanische Medien am Dienstag unter Berufung auf das Königshaus. 

Wo sich Juan Carlos am Dienstag aufhielt, war zunächst unbekannt.

Juan Carlos wolle die Arbeit seines Sohnes "erleichtern"

Die spanische Königsfamilie: Letizia (v.l.n.r.), Königin von Spanien, ihr Mann Felipe VI., König von Spanien, und dessen Eltern Juan Carlos und Sofia nehmen an einer Gala teil.
Die spanische Königsfamilie: Letizia (v.l.n.r.), Königin von Spanien, ihr Mann Felipe VI., König von Spanien, und dessen Eltern Juan Carlos und Sofia nehmen an einer Gala teil.  © Jack Abuin/Zuma Press/dpa

Am Montagabend hatte das Königshaus in Madrid einen Brief von Juan Carlos veröffentlicht, in dem der Bourbone seinem Sohn und Nachfolger Felipe (52) seine Absicht mitteilt, wegen der Affäre ins Ausland ziehen zu wollen.

Damit gibt der "rey emérito", der emeritierte König, erstmals nach 58 Jahren seine Residenz im königlichen Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid auf.

"Angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen", wolle er mit seiner Entscheidung die Arbeit seines Sohnes als Staatschef erleichtern, schrieb Juan Carlos in deutlicher Anspielung auf die vom Obersten Gericht Anfang Juni gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen.

Angeblich 100 Millionen US-Dollar Schmiergeld aus Saudi-Arabien

Gattin Sofía wird laut Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige hatte bereits vor einigen Tagen ihren Sommerurlaub auf Mallorca begonnen. 

Auf der Mittelmeerinsel werden ihr Sohn Felipe, Königin Letizia (47), Kronprinzessin Leonor (14) und Infantin Sofía (13) am Freitag erwartet. Die "Familia real" wird wieder in ihrer Sommerresidenz unterkommen, dem Marivent-Palast bei Palma.

Im Skandal geht es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium. 

Juan Carlos soll 2008 von den Saudis 100 Millionen US-Dollar kassiert haben. Damals genoss er als Monarch noch Immunität. 

In Zusammenhang mit dieser Zahlung wird Juan Carlos aber der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung nach seiner Abdankung im Juni 2014 verdächtigt.

Titelfoto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa

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