Kita verbietet Kostüm: Was steckt hinter der bizarren Indianer-Debatte?

Hamburg - Der Fasching begeistert Groß und Klein in ganz Deutschland. Auch die Kindergärten sind, wenn es um das bunte Thema Verkleiden geht, während der närrischen Zeit mit Aktionen für die Kids ganz vorne dabei.

Eigentlich sind beim Kinderfasching in der Kita alle Farben und Formen willkommen. Stellt eine Hamburger Kita das jetzt in Frage?
Eigentlich sind beim Kinderfasching in der Kita alle Farben und Formen willkommen. Stellt eine Hamburger Kita das jetzt in Frage?  © 123RF

Der Kinderfasching eignet sich prima, um die Kinder fröhlich feiern zu lassen. In der Kita können die Kleinen zum Beispiel als Detektive spannende Fälle lösen, in die Rolle von tollen Tieren schlüpfen, als Ritter ins Mittelalter oder als Nixe ins Meer eintauchen oder als Indianer auf die Pirsch gehen.

Als Indianer? "Nein danke!", sagte dazu eine Hamburger Kita und trat eine massive Debatte los, als die offizielle Entscheidung verkündet wurde, dass Indianer-Kostüme jetzt offiziell verboten seien.

Daraufhin entbrannte in der Hansestadt eine hitzige Debatte über politisch korrekte Kostüme und ob manche Verkleidungen gegenüber Minderheiten verletzend sind.

Jetzt sorgt der Fall öffentlich für jede Menge Aufregung und sogar die Politik mischt sich ein.

Die Leitung der Einrichtung wollte sich mit dem Schreiben an die Eltern eigentlich für vorurteilsfreie Kostüme einsetzen: "Wir achten im Kita-Alltag sehr auf eine kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung" und das solle sich auch an Faschingstagen nicht ändern, hieß es.

Wenn Kinderkostüme zum Gegenstand einer politischen Debatte werden, ist die Leichtigkeit vom Karneval schnell mal dahin.
Wenn Kinderkostüme zum Gegenstand einer politischen Debatte werden, ist die Leichtigkeit vom Karneval schnell mal dahin.  © 123RF

Deshalb bat sie um Verkleidungen, die keine Stereotype wie Geschlecht, Hautfarbe und Kultur bedienen. Die Idee ging mächtig nach hinten los, wie die MOPO berichtete.

Der Trägerin der Einrichtung, die städtische Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas, steht offenbar auch weiter hinter der Idee, bei der es überhaupt nicht darum ginge, die Moralkeule zu schwingen. Das sagte die pädagogische Geschäftsführerin Franziska Larrá am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Vielmehr gehe es um Sensibilisierung. "Wir wollen inklusiv sein und nicht mit Stereotypen Menschen verletzen." Eine Faschingsvorgabe an die 185 Elbkinder-Kitas habe es nicht gegeben, behauptet Larrá.

Beschwerden über den Wunsch der Kita-Leitung, Fasching ohne Indianer und Scheichs feiern zu wollen, habe es übrigens nicht gegeben, sagte Larrá.

Im Gegenteil: "Es haben sich bei der Leitung nur Eltern gemeldet, die das total gut fanden. Die haben sich gefreut, dass dafür eine Sensibilität geschaffen wurde."

Ob am Ende doch Scheichs oder Indianer auf der Faschingsfeier in Ottensen waren, konnte Larrá nicht sagen: "Wenn ein Indianer gekommen ist, ist er sicherlich willkommen gewesen."

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