Ärzte schlagen Alarm: Kranke Kinder werden immer öfter an Kliniken abgewiesen

Hamburg - Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind ist krank und statt es zu behandeln, wird es vom Krankenhaus abgewiesen.

Die Versorgung von kranken Kindern steht vor Schwierigkeiten. (Symbolbild)
Die Versorgung von kranken Kindern steht vor Schwierigkeiten. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat vor Engpässen bei der medizinischen Versorgung von Kindern gewarnt.

"Es ist eine Anpassung des Fallpauschalensystems notwendig und eine adäquate Bezahlung der Pflege muss erfolgen", sagte der Sprecher der Sektion "Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin" der DIVI, Florian Hoffmann, bei der Eröffnung des Jahreskongresses am Mittwoch in Hamburg.

Zudem müssten Pflegekräfte in der Kinderheilkunde wieder eigenständig und nicht mit der Erwachsenen- und Altenpflege ausgebildet werden.

Das Problem: Regelmäßig müssen Kinder laut DIVI in weit vom Wohnort entfernt liegende Kliniken gebracht werden, weil in den örtlichen Krankenhäusern Stationen mangels Pflegekräften geschlossen werden.

Auch Intensivstationen lehnten immer mehr Kinder wegen des Fachkräftemangels ab.

Nach einer DIVI-Umfrage haben ein Viertel der für die Erhebung erfassten Kinderintensivstation zwischen 50 und 100 Kinder pro Jahr an andere Krankenhäuser verwiesen.

Spahn fordert härtere Strafen bei Angriffen auf Mediziner

Eckart von Hirschhausen (r.) macht bei dem Kongress schnell noch ein Selfie mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M.).
Eckart von Hirschhausen (r.) macht bei dem Kongress schnell noch ein Selfie mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M.).  © Daniel Reinhardt/dpa

Eröffnet wurde die 19. Jahrestagung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (39, CDU) und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (52).

Spahn deckte in seiner Rede zahlreiche gesundheitspolitische Themen ab: Von Fachkräftemangel in der Pflege über integrierte Versorgung bis hin zur Digitalisierung im Gesundheitssystem. Zudem forderte er ein höheres Strafmaß bei Übergriffen auf Klinikmitarbeiter.

Hirschhausen mahnte mehr Klimaschutz an und rief die Mediziner unter Verweis auf ihre Vorbildfunktion zu mehr Engagement auf.

Die DIVI-Jahrestagung mit mehr als 6000 Ärztinnen und Ärzten dauert noch bis Freitag. Neben der Kinderintensivpflege steht die Widerspruchslösung für die Organspende und das Gesetz zu Pflegekräfte-Untergrenzen auf den Stationen im Fokus.

Zudem befassen sich zahlreiche Workshops und Vorträge mit Themen wie Atemwegssicherung, künstliche Ernährung und ethische Probleme der Intensivmedizin.

Bei der Eröffnung wurden zudem Forschungspreise und Stipendien über bis zu 10.000 Euro verliehen.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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