Krankenwagen landet in Sackgasse: Patient stirbt

33 Minuten dauerte die Fahrt nach Ermlitz - 21 Minuten zu lang. (Symbolbild)
33 Minuten dauerte die Fahrt nach Ermlitz - 21 Minuten zu lang. (Symbolbild)  © DPA

Ermlitz - Ein schreckliches Drama ist dem Rettungswesen im Saalekreis passiert. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" nun aufdeckte, musste ein Mensch sterben, weil das Rettungswesen nicht über die Baustelle bei Schkeuditz informiert war.

Am 23. März wählte ein Mann aus Ermlitz um kurz nach 5 Uhr den Notruf. Er klagte über Atemnot und Unwohlsein. Der Anruf kam bei der Rettungsleitstelle des Kreises in Merseburg an.

Normalerweise wäre die Rettungswache in Günthersdorf für diesen Einsatz zuständig gewesen, jedoch war zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Großbaustelle bei Schkeuditz die festgelegte Hilfsfrist von zwölf Minuten nicht einzuhalten gewesen.

Laut einer Vereinbarung zwischen der Rettungswache Günthersdorf und der Stadt Halle, sollte während der Bau-Zeit Zwintschöna ausrücken, sollte es in den Orten Raßnitz und Ermlitz zu Notfällen kommen. So auch am 23. März.

Doch dann das: Die Sanitäter waren nicht über die Straßensperrung in der Nähe der A9 informiert. Acht Minuten, nachdem der Notruf einging, fand sich die Besatzung plötzlich in einer Sackgasse wieder - dabei waren sie nur wenige Kilometer von ihrem Ziel entfernt!

Sie setzten einen verzweifelten Hilferuf bei der Rettungsleitstelle in Halle ab und nahmen einen weiten Umweg auf sich, um zu dem alten Mann zu kommen, der zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Tode rang. Kurz nachdem der aus Merseburg angerückte Notarzt beim Haus des Patienten ankam, traf auch endlich der Krankenwagen in Ermlitz ein - 33 Minuten nach dem Notruf. Doch es war zu spät, der Mann war bereits tot.

Wer für die folgenschwere Panne verantwortlich ist, ist noch unklar. Die Leitstelle des Saalekreises und der Stadt Halle und die jeweiligen Rettungsdienste weisen die Schuldvorwürfe jeweils von sich.

Ob der Mann überlebt hätte, wenn der Rettungswagen früher eingetroffen wäre, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Nun bangt der kleine 1500-Seelen-Ort Ermlitz vor einem neuen Notfall dieser Art - denn die Durchgangsstraße in Schkeuditz ist noch bis Ende des Jahres gesperrt.

Titelfoto: DPA


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