Die Schränke! Krebs-Alarm in Kunstsammlungen

Ingrid Mössinger, Chefin der Kunstsammlungen, vor einem der Schränke, in denen jetzt Formaldehyd entdeckt wurde. Das Mobiliar muss ausgetauscht werden.
Ingrid Mössinger, Chefin der Kunstsammlungen, vor einem der Schränke, in denen jetzt Formaldehyd entdeckt wurde. Das Mobiliar muss ausgetauscht werden.

Chemnitz - Gift von anno dazumal verbreitet in der Stadt der Moderne Schrecken. Im Grafikkabinett der Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz dünsten Schränke krebserregendes Formaldehyd aus. Über 330 000 Euro kostet der Austausch des Mobiliars.

1957 waren die Schränke eingebaut und mit Formaldehyd behandelt worden. Das ist gut für die Haltbarkeit des Holzes - aber schlecht für Menschen. Im Körper einer Mitarbeiterin der Kunstsammlungen sind Abbauprodukte der Chemikalie nachgewiesen worden, wie eine arbeitsmedizinische Untersuchung ergab.

„Hier muss dringend gehandelt werden“, heißt es in einer Vorlage des Dezernats für Stadtentwicklung. Über den Austausch der Giftschränke berät der Bauausschuss am 13. Oktober. Beschließen muss die Ausgaben, die sich auf insgesamt 337 7000 Euro belaufen, der Stadtrat. Allein die Zwischenlagerung Tausender Kunstwerke kostet 44 400 Euro.

Die AfD fordert nun eine Untersuchung aller öffentlichen Gebäude auf Giftstoffe. „Das zeigt die potenzielle Gefahr, die in damals errichteten Kitas und Schulen steckt“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Lutz Bartel (30). Ob ein Antrag der AfD eine Mehrheit im Stadtrat findet, ist offen. „Klar müssen die Schränke raus“, so Grünen-Fraktions-Chef Thomas Lehmann (47). Eine Überprüfung aller Gebäude lehnt er jedoch ab: „Das würde Jahre dauern. Die Stadt handelt auch so.“

Im April hatte der damalige Kämmerer Berthold Brehm (64, CDU) noch erklärt: „Beschwerden von Lehrern, Schülern oder Beschäftigten sind nicht bekannt.“ Wenige Monate später wurden die Giftschränke in den Kunstsammlungen entdeckt …

Fotos: Peter Zschage


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