Zoo-Katastrophe in Krefeld: Mögliche Ursache ermittelt, Mitarbeiter unter Schock

Krefeld - Bei einem der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte ist in der Nacht zu Neujahr in Krefeld das Affenhaus ausgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben, darunter auch viele Menschenaffen.

In der Nacht kämpften Feuerwehrleute gegen die Flammen im Affenhaus im Zoo Krefeld.
In der Nacht kämpften Feuerwehrleute gegen die Flammen im Affenhaus im Zoo Krefeld.  © Alexander Forstreuter/dpa

In den Flammen seien fünf Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas, ein Schimpanse und etliche kleinere Affen ums Leben gekommen, sagte der Zoo-Direktor Wolfgang Dreßler am Mittwoch.

"Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos." Der Brand hinterließ einen Millionenschaden.

Auslöser des um 00.38 Uhr gemeldeten Feuers könnte nach Angaben der Polizei eine Himmelslaterne sein.

Mehrere dieser seit 2009 in Deutschland verbotenen Leuchtkörper seien sichergestellt worden, berichtete ein Vertreter der Krefelder Kriminalpolizei.

Die Ermittlungen dauerten an. Die Polizei ermittelt derzeit wegen fahrlässiger Brandstiftung.

"Zeugen haben Fackeln in der Nähe des Zoos gesehen", sagte der Kriminalbeamte Gerd Hoppmann über Angaben aus der Silvesternacht.

Sie seien "hochgefährlich" und könnten einige Kilometer weit fliegen. Er appellierte an diejenigen, die diese Fackeln gestartet hätten, sich zu melden: "Es kann ihre Situation nur verbessern."

Nur zwei Schimpansen überlebten Feuer im Affenhaus

Das abgebrannte Affenhaus ist nach dem Brand in der Silvesternacht im Krefelder Zoo zu sehen.
Das abgebrannte Affenhaus ist nach dem Brand in der Silvesternacht im Krefelder Zoo zu sehen.  © Christoph Reichwein/dpa

Zwei Schimpansen überlebten mit leichten Verletzungen die Feuersbrunst in dem Affenhaus.

Die beiden Tiere Bally und Limbo seien narkotisiert und in ein benachbartes Haus gekommen, berichtete der Zoo-Direktor, der zum Zeichen der Trauer schwarze Kleidung trug.

Unter Tränen stellten vor dem Eingang am Mittag zahlreiche Menschen Fotos von Affen auf - bis zum Nachmittag war es eine große Menge von Blumen, Kerzen und Stofftieren.

Dazu platzierten Zoofreunde Schilder mit Aufschriften wie "Warum" oder "Gestorben für euer Silvestervergnügen".

Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort. Am Neujahrstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: "Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock", erklärte der Zoo und warb um Verständnis. Auch am Donnerstag werde man nicht öffnen.

Als die Feuerwehr gut eine halbe Stunde nach Mitternacht zum Gelände kam, sei das Affenhaus schon voll in Flammen gewesen, berichtete der Sprecher der Krefelder Feuerwehr, Kai Günther. Es sei so groß gewesen, "dass uns klar war, dass wir es nicht retten können".

Ausgebranntes Gerippe des Affenhaus steht noch

Kai Günther (l-r), Feuerwehr, Gerd Hoppmann, Erster Kriminalhauptkommissar Polizei Krefeld, Frank Meyer (SPD), Oberbürgermeister von Krefeld, und Zoosprecherin Petra Schwinn.
Kai Günther (l-r), Feuerwehr, Gerd Hoppmann, Erster Kriminalhauptkommissar Polizei Krefeld, Frank Meyer (SPD), Oberbürgermeister von Krefeld, und Zoosprecherin Petra Schwinn.  © Christoph Reichwein/dpa

Bei Tageslicht offenbarte sich die ganze Tragödie: Nur noch das Gerippe des im Gewächshausstil erbauten Affentropenhauses steht noch.

Die Haltung von Affen soll aber weitergehen, bekräftigten Zoo-Direktor Dreßler und Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD).

Laut einer Sprecherin waren unter den toten Tieren auch kleinere Affen wie goldene Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen sowie Flughunde und Vögel.

Das direkt angrenzende Gorillagehege blieb verschont. Dort lebt eine junge siebenköpfige Gorillafamilie.

Der vergleichsweise kleine, famililenfreundliche Zoo bekam zahlreiche Botschaften via Facebook.

"Ein Tag mit einer schwarzen Trauerkante!", schrieb ein Besucher und wünschte den Pflegern und Mitarbeitern eine Menge Kraft, um mit diesem schrecklichen Verlust fertig zu werden.

"Wir hatten als Familie seit Jahrzehnten viele schöne Momente im Affenhaus", schrieben andere.

Der Zoo selbst hatte das Unglück auf seiner Facebookseite bekannt gemacht: "Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt." Es gebe bereits zahlreiche Hilfsangebote, etwa aus dem nahen Duisburger Zoo.

Der Zoo hat über 400.000 Besucher im Jahr und 75 Mitarbeiter. Dort leben fast 200 Arten und insgesamt rund 1000 Tiere, darunter so große wie Elefanten, Nashörner und Trampeltiere, aber auch Schneeleoparden und Geparde. Das Affentropenhaus wurde im Jahr 1975 eröffnet. Die Grundfläche lag bei 2000 Quadratmetern.

Einen großen Zoo-Brand, bei dem zahlreiche Tiere ums Leben kamen, gab es in Deutschland zuletzt vor rund neun Jahren in Karlsruhe.

Im November 2010 war im Streichelgehege des dortigen Zoos Feuer ausgebrochen, 26 Tiere starben: Alpakas, Zwergziegen, Shetland-Ponys, Zwergesel und Schafe. Vier Elefanten des benachbarten Dickhäuter-Hauses erlitten Verbrennungen. Die Brandursache wurde nie abschließend geklärt.

Update, 16.43 Uhr: Mögliche Verursacher melden sich bei Polizei

Wie die Polizei Krefeld mitteilt, haben sich mehrere Personen bei der Polizei Krefeld gemeldet, die als mögliche Verursacher des Brandes im Krefelder Zoo in Betracht kommen.

Die Polizei habe die Personen bereits vernommen. Ihre Angaben sollen jetzt überprüft werden.

Zeitgleich laufen die Untersuchungen Brandort. Ein Ergebnis werde bereits für Donnerstag erwartet.

Weitere Angaben zu den Verdächtigen machte die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Das Gerippe des abgebrannten Affenhauses blieb stehen.
Das Gerippe des abgebrannten Affenhauses blieb stehen.  © Christoph Reichwein/dpa
Die Feuerwehr im Einsatz im Zoo Krefeld.
Die Feuerwehr im Einsatz im Zoo Krefeld.  © dpa/David Young

Titelfoto: Christoph Reichwein/dpa

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